Schriftgröße: + -
Home > Kultur entdecken > Tracks

Tracks

Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.

> 20041118 > Die Höhlenbewohner in Süditalien

Tracks

Tracks, das Magazin für Popkultur ! Themenvorschau und Archiv, Bonusmaterial und Links zu den Themen der Sendungen.

Tracks

18.11.2004 - 23.30 : Tracks - 16/11/04

I Sassi di Matera

Italia – Toskana, Spagetti, dolce vita. Dass jetzt auch noch eine kleine Höhlenkunde dazu gehört, haben wir einer jungen kreativen Gruppe aus dem Süden dieses Landes zu verdanken.

Weitere Artikel zum Thema

Matera sieht aus wie eine ganz normale italienische Kleinstadt. Doch dreht man sich einmal um die eigene Achse, dann wirkt sie eher wie ein vergammelter Taubenschlag. Matera ist eine verborgene Stadt – man muss in sie hinabsteigen. Ins Dunkel. Bis zu 100 Meter tief haben sich die Menschen in den Tuffstein gegraben. Seit Jahrtausenden eine der ungewöhnlichsten Wohnformen in Europa. Und heute wieder entdeckt.

Mit 19 wurde Giuseppe Rizzi zum Höhlenbewohner. Als erste Tat renovierte der Steinmetz eine der unterirdischen Wohnungen. Aus einem feuchten, dunklen Loch wurde sein erster Ausstellungsraum. Jetzt ist das Viertel Kult. Doch vor 60 Jahren blieb hier keiner, der nicht musste. Denn die Sassi-Hänge waren ein einziger Slum. In den dunklen Felswohnungen hausten die Ärmsten der Armen mit ihren Kindern und Tieren. Die hygienischen Verhältnisse waren unerträglich. 1952 wurden die 20 000 Bewohner zwangsumgesiedelt. Die Höhlen verfielen.

Raffaela Annechino : "Alle sagten in den 50ern : Matera, das ist der Schandfleck Italiens. Heute sind wir stolz Materani zu sein. In Matera zu leben ist eine Prestigesache. Du betrittst hier eine Struktur, die nicht konstruiert und entworfen wurde. Die Höhlen sind aus der Spontaneität entstanden."

Die Höhlen-Stadt wirkt zeitlos, ohne Autos, ohne Handymasten – auch deshalb ist sie das perfekte Film Setting. Nach diesem hollywoodschen Quantensprung, ist wieder der Alltag in die Höhlen eingezogen. Und während die Bewohner von Plattenbauten anonym nebeneinander wohnen, rücken die Nachbarn hier eng zusammen. Die Materani verstehen sich als Team. Eine autonome Bürgerverwaltung sorgt dafür, dass sie selbst über sich und ihre Stadt entscheiden. Und wenn ihnen was nicht passt, dann geht’s zur Sache. Das letzte Mal, als ganz in die Nähe ein atomares Endlager in die Landschaft gestellt werden sollte. Die Stadt hat sich ganz schön gewandelt. Während hier vor 60 Jahren nachts nur die Ratten unterwegs waren, sind es jetzt die Feierhungrigen.
Denn tief drinnen im Stein, warten die Überraschungen: Bühnen, Ateliers und Kneipen. Die Höhlenstadt Matera hat sich verwandelt: vom Schandfleck zur Traumstadt.

>> Offizielle Website - http://www.sassiweb.it

......................................................................
TRACKS
Eine Reportage von Michael Appel und Tommaso Pedicini
Donnerstag, den 18. November 2004 um 23.30 Uhr
Wiederhol. am Samstag, den 20. November um 17.45 Uhr
Redaktion: BR
.......................................................................

Erstellt: 16-11-04
Letzte Änderung: 16-11-04


+ aus Kultur entdecken