Martin Luther King träumte den Traum der Gleichberechtigung für Schwarze und Weiße. Und erreichte viel. 1964 verbietet der „Civil Rights Act“ jegliche Diskriminierung in öffentlichen Räumen. 1965 werden alle Restriktionen für Schwarze beim Wahlrecht aufgehoben. Ohne die Mobilisierung der Massen zu gewaltlosen und zugleich medienwirksamen Protesten hätten diese Gesetze noch lange auf sich warten lassen. Vor seiner Ermordung am 4. April 1968 hatte Martin Luther King begonnen, einen weiteren Traum zu träumen. Er fordert Chancengleichheit, kritisiert die sozialen Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Zweiklassengesellschaft und setzt sich für einen „demokratischen Sozialismus“ ein. Er lanciert die „Poor People’s campaign“ mit den Forderungen nach einem Mindestlohn und besseren Wohnbedingungen.
Und wo stehen die USA heute? Korrespondentin Hannelore Kress hat fünf Afro-Amerikaner aus der Hauptstadt Washington zu ihren Träumen heute befragt.
Dr. Jannette Dates ist Dekanin am Lehrstuhl für Kommunikation an der renommierten Howard University in Washington DC. Die bekannte Journalismus-Expertin und Mitautorin des Bestsellers „Geteiltes Image: Afroamerikaner in den Massenmedien„ setzt viel Vertrauen in die neue Generation afroamerikanischer Studierender, Stereotype zu durchbrechen und ihre eigenen Träume selbstbewusst zu realisieren.
"Ich hatte eigentlich nie davon geträumt, dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin"
Zum Gespräch (3'53'', in englischer Sprache)
Tabitha Woods ist gerade 17 Jahre alt, macht ihren Highschool-Abschluss und bereitet sich auf ihr Journalistik- und Wirtschaftsstudium an der New Yorker Columbia Universität vor. Wenn sie nicht gerade einen Fundraiser mit einem Tanz für Väter und Töchter organisiert, schreibt sie für die Schulzeitung und spielt gerne Volleyball.
"Martin Luther Kings Traum finde ich unglaublich schön, weil er langsam Wirklichkeit wird"
Zum Gespräch (3'51'', in englischer Sprache)
Kenneth Barnes Jr. starb 2001. Ein 17 Jähriger hatte ihn erschossen. Beide kannten sich nicht. Falscher Platz, falscher Ort. Ein Laden in Washington DC.
Sein Vater Kenneth Barnes Senior durchkämmte die Nachbarschaft und konnte so viele Informationen zusammentragen, dass der Mörder festgenommen werden konnte. In Gedenken an seines Sohnes und für den Kampf gegen Waffengewalt in den USA gründete der charismatische Barnes die Organisation Roots Inc. Kraft Zeit zum Träumen bleibt ihm kaum. Die Brutalität des US-Alltags lässt dazu keinen Raum.
„Mein Traum ist es, eine Kampagne gegen Waffengewalt zu starten"
Zum Gespräch (3'23'', in englischer Sprache)
Head-roc ist erklärtermaßen der “HipHop-Bürgermeister” Washington DCs. Swingende Beats und eingängige Samples unterlegen seine politischen Lyrics. In den USA hat Head-roc sich jenseits des Mainstreams ein breites Publikum erspielt. Trifft man den Mittdreißiger, hat er sein Büro immer unterm Arm dabei. Über seinen Laptop koordiniert er Gigs, Universitätsseminare über HipHop und seinen amerikanischen Traum.
„Ich lebe meinen Traum"
Zum Gespräch (4'48'', in englischer Sprache)
Der Südosten von Washington DC ist berüchtigt. Hier sterben täglich afroamerikanische männliche Jugendliche durch Schußwaffen. Die Organisation „Peaceoholics“ hat es geschafft, ein wenig Frieden in den gewalttätigen Alltag der Jugendlichen und der Nachbarschaften zu bringen. Seit 2004 organisieren
Ronald L. Molten und seine Leute Informationsseminare zu HIV/AIDS und Drogen, bieten soziale Dienstleistungen und Weiterbildungen an, seit neuestem Solarenergie-Workshops und gehen in Schulen und Gefängnisse. Triebfeder für Ronald Molten, sich für positive Zwecke in der Gemeinde einzusetzen, ist sein entfernter Verwandte und Weggefährte von Martin Luther King Jr., Malcom X.
„Mein Traum ist es, den amerikanischen Traum tatsächlich zu leben mit Menschen aller Hautfarben"
Zum Gespräch (4'11'', in englicher Sprache)