Montag, 9. November 2009 um 23.10 Uhr - 06/11/09
Ich will nicht wissen, wer ich bin
Porträt Heiner Müller
Integrationsfigur für Politik und Theater in Ost und West - der Künstler Heiner Müller
Nur wenige Schriftsteller haben das Global-Zerrissene so vorhergesehen und geschildert wie Heiner Müller (1929-1995). Filmemacher Christoph Rüter und Theaterwissenschaftler Thomas Irmer zeichnen ein Porträt des Dichters, Dramatikers, Theaterpraktikers, Dramaturgs, Regisseurs und Intendanten, der als wichtige Integrationsfigur für Intellektuelle in Ost und West gilt. ARTE zeigt diese Sendung innerhalb des Programmschwerpunkts "Wir sind das Volk!".
Kaum ein Schriftsteller in Deutschland war so vielseitig wie Heiner Müller (1929 - 1995). Er war Dichter und Dramatiker, Theaterpraktiker und Dramaturg, Regisseur und Intendant sowie eine wichtige Integrationsfigur für Intellektuelle in Ost und West. In ihrem Dokumentarfilm beleuchten Filmemacher Christoph Rüter und Theaterwissenschaftler Thomas Irmer einerseits Leben und Werk Heiner Müllers und versuchen andererseits, die "Sphinx" aus dem Osten und ihr Diktum vom Verlust der Utopien neu zu befragen. Sie untersuchen, ob Heiner Müllers Texte, wie er selbst sagte, Flaschenpost für die Zukunft seien.
Müller war Bürger der "geschlossenen Gesellschaft" der DDR. Aber trotzdem durchstreifte er die Weltgeschichte zwischen Texas und Bulgarien, Paris und Moskau, New York und Los Angeles. Nur wenige Schriftsteller haben das Global-Zerrissene so vorhergesehen und geschildert wie er. Und in keinem Text kommt dies so deutlich zum Ausdruck wie in der "Hamlet/Maschine", die Müller selbst als Teil seiner epochalen Hamlet-Produktion in der Wendezeit am Deutschen Theater in Berlin inszenierte und die sehr viel Autobiografisches enthielt.
Der Berliner Filmemacher Christoph Rüter und der Theaterwissenschaftler Thomas Irmer folgten den Spuren Heiner Müllers in Bulgarien, Berlin, Paris und den USA. Für ihr Porträt sprachen sie mit Margarita Broich, Durs Grünbein, Jean Jourdheuil, Mark Lammert, Brigitte Maria Mayer, Jeanne Moreau, Katja Lange-Müller, Robert Wilson und anderen.
Christoph Rüters erster Film "Die Zeit ist aus den Fugen" dokumentierte die Arbeit von Heiner Müller an "Hamlet/Maschine" mit Ulrich Mühe als Hamlet während der Wendezeit am Deutschen Theater Berlin. Die Premiere fand am 24. März 1990 statt. Dieser Film bildet zum Teil die Basis zu dem Dokumentarfilm "Ich will nicht wissen, wer ich bin". Christoph Rüter hat außerdem Dokumentationen über Theaterpersönlichkeiten wie Klaus Michael Grüber, Angela Winkler, Klaus Kinski, Ulrich Wildgruber, Curt Bois, Ute Lemper, Thomas Brasch und Ulrich Mühe sowie über den Schriftsteller Jörg Fauser produziert.
Der Theaterwissenschaftler Thomas Irmer hat mehrere Theaterdokumentationen realisiert, darunter zusammen mit Matthias Schmidt "Die Bühnenrepublik. Theater in der DDR". Dafür wurde er 2004 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.
Erstellt: 06-11-09
Letzte Änderung: 06-11-09