Der Kommentar zum Film: Seit seinem Erscheinen vor nunmehr sechs Jahren hat es ICHI THE KILLER zu einer weltweiten Fangemeinde gebracht. Dies ist sicher einerseits den expliziten Gewaltdarstellungen zu verdanken, vor denen man sensible Zuschauer mit empfindlichen Mägen aufs eindringlichste warnen sollte. Andererseits setzt sich Takashi Miike in seiner Verfilmung des gleichnamigen Mangas von Hideo Yamamoto mit dem Thema Sadomasochismus auseinander und kombiniert es mit dem Yakuzafilm-Genre, wie man es wohl noch nie in einem Film zu sehen bekommen hat.
Bei ihm geht es nicht mehr um heroische Heldentaten. Sein Ichi ist geradezu eine Karikatur eines Rächers. Nur unter Hypnose wird der eigentlich harmlose Junge zum gnadenlosen Sadisten, der alles um ihn herum aufs blutigste ausmerzt. Gleichzeitig beginnt Ichi zu schreien und zu weinen wie nichts Gutes und verhält sich dadurch absolut anti-heldenhaft.
Es gibt sehr viele Gewaltszenen in diesem Film, und die Version, die bei Raptor (Ion-New Media) erschienen ist, ist auch nur die um 13 Minuten gekürzte Version. Im Netz findet sich eine Seite, auf der die gekürzte Version mit der Originalversion verglichen wird. Das Problem des zensierten Films ist sicherlich, dass darauf verzichtet wurde, einzelne Szenen zu entschärfen, dass stattdessen gleich ganze Action-Sequenzen entfernt wurden, die dadurch das Verständnis für die Handlung insgesamt erschweren. Als Zuschauer landet man etwa in einem Raum voller Leichen, aber der Showdown, der vorher stattfand, fehlt.
ICHI THE KILLER ist einer der umstrittensten Filme Takashi Miikes, der bereits mit Werken wie AUDITION oder VISITOR Q zu schocken wusste. Anders als bei seinem japanischen Regiekollegen Takeshi Kitano werden hier Menschen nicht einfach erschossen und sind dann tot, sondern sie werden regelrecht gefoltert, zerstückelt und entsorgt. Diese Gewaltexzesse sind allerdings schon wieder so übertrieben, absurd und unrealistisch in ihrer Brutalität, dass eine Identifikation des Zuschauers mit den Hauptfiguren nicht mehr stattfindet. Man fühlt sich eher wie in einem Comic Strip oder Comic Trip, in dem man über Szenen lacht, bei denen einem sich normalerweise der Magen umdrehen würde. In Rotterdam auf dem Festival wurde ICHI THE KILLER mit großer Vorfreude erwartet – diverse Besucher verschoben sogar ihre Abreise, um ihn noch sehen zu können. Dem Presseheft wurde eine mit ICHI bedruckte Kotztüte beigelegt, und Miike wurde nach der Vorführung vom Publikum begeistert gefeiert.
Immerhin spielt Asano Tadanobu, (ZATOICHI DER BLINDE SAMURAI, LAST LIFE IN UNIVERSE) einer der Stars des japanischen Kinos den masochistischen Kakihara, der seine Backen durchbohrt und seine Haare strohblond gefärbt hat. In krassen Anzügen beweist er sich Tag für Tag aufs Neue, dass es keinen gibt, der ihm gewachsen ist – so sehr er auch danach sucht.
Für das Ende hat sich Takashi Miike etwas genial Einfaches einfallen lassen: Wie könnte ein Sadist sadistischer sein, als einen Masochisten um sein lange ersehntes Finale zu bringen, bei dem er fürchterlich unter dem Sadisten leiden wird? Ein Zitat sei an den Schluss gestellt, ganz im Sinne Kakiharas: „There is no love in your violence!“
Nana A.T. Rebhan
Ichi The Killer
Japan, Hong Kong, Süd-Korea, 2001, 110 Min.Regie: Takashi Miike
Mit Tadanobu Asano, Nao Omori, Shinya Tsukamoto, Paulyn Sun, Susumu Terajima






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Sado-masochistische Yakuza-Splatter-Story aus Japan
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