- 27.07.2008, 20.40 Uhr
Balzac und die kleine chinesische Schneiderin
Spielfilm, Frankreich 2002, 106 Min.
Regie: Dai Sijie; Kamera: Jean-Marie Dreujou; Schnitt: Julia Gregory, Luc Barnier; Musik: Wang Pujian
Mit: Zhou Xun - (Kleine Schneiderin), Chen Kun - (Luo Ming), Liu Ye - (Ma Jianling), Wang Shuangbao - (Der Brigadier), Cong Zhijun - (Der alte Schneider), Wang Hongwei - (Vier-Auge)
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Der Dorfvorsteher beauftragt die beiden wortgewandten Städter, auch für die Unterhaltung der Dorfbewohner zu sorgen. So sehen sie sich in der Kreisstadt einen nordkoreanischen Film an, um ihn anschließend den Dörflern zu erzählen. Dank Luos Erzähltalent wird diese erzählte Filmvorführung ein großer Erfolg.
Eines Tages lernen die zwei die entzückende Enkelin des Schneiders aus dem Nachbardorf kennen und verlieben sich in das Mädchen. Luo entdeckt, dass er mit erzählten Geschichten eine Chance bei der begehrten kleinen Schneiderin hat. Aber woher immer neue Geschichten nehmen? Die Enkelin des Schneiders erzählt den jungen Männern, dass der ebenfalls verbannte "Vier-Auge" einen ganzen Koffer verbotener europäischer Literatur mitgebracht hat. Als Vier-Auge in seine Heimatstadt zurückkehren darf, beschließen die drei, den Bücherkoffer zu stehlen. Von nun an schwelgen die drei Freunde in den Geschichten klassischer europäischer Autoren.
Aus "Ursula Mirouet", einem schmalen Band von Balzac, erfahren die beiden jungen Männer zum ersten Mal etwas über die Liebe. Luo gelingt es, mit dem Roman endgültig das Herz der kleinen Schneiderin zu gewinnen. Doch ihr gemeinsames Glück währt nicht lange. Als Luos Vater erkrankt, darf Luo für drei Monate in die Stadt zurückkehren. Schweren Herzens verlässt er seine Geliebte und seinen Freund. Kurz nach der Abreise Luos entdeckt die kleine Schneiderin, dass sie von ihm schwanger ist, und bittet Ma, ihr zu helfen. Als Luo nach drei Monaten zurückkommt, hat sich vieles verändert...
- 27.07.2008, 22.30 Uhr
"Up the Yangtze" - Eine Landschaft verschwindet
Dokumentarfilm, Kanada/Deutschland/Republik China 2007, Erstausstrahlung, 90 Min.
Regie: Yung Chang
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Während Touristen aus Amerika und Europa auf gigantischen Kreuzfahrtschiffen einen Nostalgie-Trip durch eine verschwindende Landschaft unternehmen, müssen abertausende Einheimische mit ansehen, wie das Wasser des Stausees Zentimeter für Zentimeter steigt und ihre Felder und Häuser überflutet.
So lässt der Damm auch Familie Yu keine Wahl. Sie muss sich dem Strom der Umsiedler anschließen. Und es ist bittere Ironie, dass die 16-jährige Tochter Yu Shui, um zum Familieneinkommen beizutragen, ausgerechnet auf einem der Luxusdampfer anheuert, die die Touristen durch die allmählich versinkende Flusslandschaft führen.
Für das zurückhaltende Mädchen ist das Leben an Bord ein Kulturschock. Einer strengen Hierarchie unterworfen, muss Yu Shui als erstes ihren Namen ändern. "Cindy" können sich amerikanische Touristen eben besser merken. Die Arbeit unter Deck ist hart und die Vorgesetzten sind streng. Auch die Konkurrenz mit anderen Crew-Mitgliedern, wie dem selbstbewussten Chen Bo Yu, frustriert den scheuen Teenager.
Der Junge aus der großstädtischen Mittelklasse, selbstbewusst und ein wenig großmäulig, repräsentiert die Generation der "kleinen Herrscher", wie man in China die Jungen nennt, die die "Ein-Kind-Politik" hervorgebracht hat.
Der Mikrokosmos auf dem Kreuzfahrtschiff mit den zahlungskräftigen, vorwiegend westlichen Touristen einerseits und der für wenig Geld schuftenden Crew andererseits ist für den kanadischen Filmemacher Yung Chang die "ultimative Metapher" für das gegenwärtige China. "Up the Yangtze" ist aber auch ein Abgesang auf das "alte China", bedroht vom rapiden Aufschwung des "Reichs der Mitte" zu einer wirtschaftlichen und politischen Supermacht.






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