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Nr. 23/2007 – Woche vom 7. bis 13. Juni 2007 - 05/06/07

Im Hochgeschwindigkeitszug durch Europa

10. Juni: Inbetriebnahme des „TGV EST“


Am 10. Juni 2007 wird die 300 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke von Paris nach Baudrecourt (Lothringen) in Betrieb genommen. Damit ist die erste Phase des „TGV EST“ abgeschlossen. Dieses Streckennetz wird Paris mit Reims, Metz und Straßburg, aber auch mit Deutschland, Luxemburg und der Schweiz verbinden und bildet zudem die erste Etappe eines großen transeuropäischen Schienennetzes von 1.380 km Länge, das eines Tages von Paris via Deutschland und Österreich bis nach Bratislava in der Slowakei reichen soll.

GESELLSCHAFT

© Europäische Gemeinschaft, 2007.
Im Verkehrswesen verfolgt die Europäische Union (EU) seit Langem ehrgeizige Pläne. Welchen Sinn hat es, Grenzen aufzuheben und eine riesige Freihandelszone zu schaffen, wenn der Verkehr von Personen und Gütern zwischen Staaten und Regionen schwierig bleibt? Im Jahr 1990 verabschiedete die Europäische Kommission einen ersten Plan über die transeuropäischen Netze (TEN), zu denen neben den transeuropäischen Verkehrsnetzen (TEN-V) auch die Energie- und Telekommunikationsnetze gezählt werden. Als drei Jahre später der Vertrag von Maastricht in Kraft trat, waren die rechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung der EU-Pläne gegeben. Obwohl die Verkehrsnetze unbestritten zur Errichtung und Entwicklung des Binnenmarktes sowie zur Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts – und das sind die Hauptziele der EU – beitragen, belasten sie die Gesellschaft mit hohen Kosten für Mensch und Umwelt. Auf den Straßen der EU kommen jährlich bis zu 50 000 Menschen ums Leben. Der Binnenverkehr ist nachweislich für 21 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Daher rührt das erneute Interesse der staatlichen Behörden am Eisenbahnverkehr, der viel sicherer und umweltfreundlicher ist als der Luft- oder Straßenverkehr.

Die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung, die am 10. Juni in Betrieb genommen wird, fügt sich in diesen Kontext ein. Durch die Reduzierung der Reisezeit und die bessere Umweltverträglichkeit bietet sie auf den Hauptverbindungen eine echte Alternative zum Flugverkehr. In erster Linie verbindet sie Paris mit wichtigen europäischen Städten wie Luxemburg und Straßburg, Basel und Zürich oder Frankfurt und Stuttgart. Durch dieses Projekt konnten Deutschland und Frankreich eine neue Partnerschaft aufbauen. Die Schienenverbindungen zwischen beiden Ländern werden gemeinsam genutzt. So wird die Strecke Paris-Frankfurt vom Hochgeschwindigkeitszug InterCityExpress (ICE) der Deutschen Bahn (DB) befahren, während der TGV der Französischen Eisenbahngesellschaft (SNCF) die Strecke Paris-Stuttgart bedient. DB und SNCF sind wiederum mit der Luxemburgischen Eisenbahngesellschaft (CFL) und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) verbunden. Gemeinsam bilden diese vier Partnergesellschaften die Projektgesellschaft Rhealys, die in Zukunft für den „TGV EST“ verantwortlich ist.

Eine „transeuropäische Eisenbahn“ bis 2015
Die nächste Etappe umfasst den Bau des Streckenabschnitts Baudrecourt-Straßburg, der eine weitere Verkürzung der Fahrtzeit ermöglichen wird. Bereits die Fertigstellung des ersten Streckenabschnitts verringerte die Reisezeiten von Paris nach Straßburg um die Hälfte (von 4 h auf 2 h 20 min) und von Paris nach Frankfurt um ein Drittel (von 6 h 15 min auf 3 h 45 min). Die zweite Phase gliedert sich ebenfalls in die beiden anderen vorrangigen Projekte der transeuropäischen Verkehrsnetze von „europäischem Interesse“ ein: die Eisenbahnachse Straßburg-Luxemburg-Brüssel (Eurocaprail), die die Verbesserung des Personen- und Güterverkehrs zwischen dem Norden und Süden Westeuropas anstrebt, und die Achse Paris-Straßburg-Stuttgart-Wien-Bratislava. Da die „transeuropäische Eisenbahn“ dicht besiedelte Gebiete passiert und den am meisten verstopften Straßen Europas folgt, müsste sie eigentlich zur Verlagerung zahlreicher Passagiere und Frachtgüter von der Straße auf die Schiene führen – wenn sie denn wie geplant im Jahr 2015 in Betrieb genommen wird.

Ingrid Bellot


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EBENFALLS DIESE WOCHE

Am 10. Juni 2007 finden in zwei Mitgliedstaaten der EU wichtige Wahlen statt.

  • Parlamentswahlen in Belgien
    Am 19. Januar 2007 kündigte Premierminister Guy Verhofstadt (Flämische Liberale und Demokraten, VLD) für den 10. Juni Parlamentswahlen an. 7 721 322 wahlberechtigte Belgier sind aufgefordert, die beiden Kammern des Parlamentes zu erneuern, d. h. die 71 Senatsmitglieder und die 150 Mitglieder der Abgeordnetenkammer. Weiterführende Informationen über die Wahlen finden Sie auf dglive.be, dem Portal der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

  • Erster Durchgang der Parlamentswahlen in Frankreich
    Fünf Wochen nachdem die Franzosen ihren Präsidenten gewählt haben, sind nun 44,5 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, am 10. und 17. Juni 2007 die Nationalversammlung, die erste Kammer des französischen Parlamentes, neu zu wählen. Weiterführende Informationen über die Wahlen finden Sie auf der Internetseite des Tagesspiegels.

Erstellt: 05-06-07
Letzte Änderung: 05-06-07