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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Dokumentarfilmfest - 01/04/09

Images Of The 21st Century

(13.-22.3.2009)


Das elfte Dokumentarfilmfestival in Thessaloniki: Vom Billigcomputer zum besseren Bürger.

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Dimitri Eipides, der künstlerische Leiter des Filmfestes in Thessaloniki, glaubt fest daran, dass das Sehen von Dokumentarfilmen die Menschen zu besseren Bürgern macht: "Dokumentarfilme suchen nach Wahrheit und decken diese auf. Sie sind wichtig, gerade in einer Zeit, in der die Wahrheit nicht oft ausgesprochen wird und viele Halbwahrheiten verbreitet werden. Die Integrität und seine aufschlussreiche Natur haben den Dokumentarfilm in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Filmgattungen werden lassen." In einer Zeit der globalen Krise ist der Glaube an den Dokumentarfilm und der Respekt vor diesem Genre ungebrochen.

Ambitioniert wie Dimitri Eipides ist sein gesamtes Festival, das ganz im Sinne der griechischen Gastfreundschaft vieles tut, um Menschen zusammen zu bringen, um Raum zu schaffen für Gespräche und Gedanken. In einer Masterclass erzählt da etwa der herausragende, aus Ungarn stammende Kameramann Vilmos Zsigmond über seine zahlreichen Filme, und warum es nicht gut ist, als Kameramann einen eigenen Stil zu entwickeln. "Jeder Film braucht seinen eigenen Stil, denn jeder Film hat sein eigenes Leben", lautet sein Credo. Zsigmond gibt zu, dass die momentan als Kultobjekt gehandelte "Red-Kamera", eine digitale Kamera, von deren Ergebnis behauptet wird, es sei genauso gut wie auf Zelluloid gedrehtes Material - seiner Testreihe Stand gehalten hat. Obwohl er sehr skeptisch war und nicht daran glauben wollte. Von einem Mann wie ihm lässt sich viel lernen, etwa immer eine Kamera dabei zu haben, in jeder Situation, und sei sie noch so klein. "10.000 Stunden dauert es, bis man ein Meister ist," sagt der fast 80-jährige Vilmos Zsigmond bescheiden. Er, der Filme wie "Die durch die Hölle gehen" (1978), "Heavens Gate" (1980), "Fegefeuer der Eitelkeiten" (1990) und "The Black Dahlia" (2006) gedreht hat. Zu sehen war auch ein Film über ihn, "No Subtitles Necessary: Laszlo and Vilmos". Eine Ironie des Schicksals wollte es, dass bei der ersten offiziellen Vorführung ebendiese Untertitel (die für ein griechisches Publikum dennoch notwendig waren) nicht funktionieren wollten und der Film des Zsigmond-Schülers, des Kameramannes James Chressanthis, mit einer fast einstündigen Verzögerung startete.

Mehrere Panels sorgten dafür, dass man als Besucher des Dokumentarfilmfestes in Thessaloniki nicht nur Zuschauer war, sondern über das Reden und Nachdenken der gesehenen Werke hinaus aktiv wurde. Hochkarätig war das Panel zur "Sozialen Rolle von Dokumentarfilmfestivals" besetzt, mit Ally Derks, der Direktorin des Internationalen Dokumentarfilmfests in Amsterdam (IDFA), Karel Och, dem Programmer des Karlovy Vary Filmfestivals in Tschechien, Pamela Cohn, der Repräsentantin des Tribeca Film Institutes in New York, Hronn Marinsdottir, der Direktorin des Festivals in Reykjavik, Peter Wintonick vom Hot-Docs Festival in Kanada und Dimitri Eipides, dem künstlerischen Leiter des Festivals in Thessaloniki.

Sie berichteten, wie ihre jeweiligen Festivals entstanden sind und was sie Besonderes bieten, auch über die eigentlichen Festivaltage hinaus. Dabei zeigt sich, dass das Festival in Amsterdam eine Sonderstellung einnimmt. Immerhin reisen nicht nur die zehn besten Filme des Festivals an diverse holländische Orte, an denen sie gezeigt werden (das tun sie in Griechenland übrigens auch). Das Fernsehen ist in unserem Nachbarland einer der Hauptsponsoren des Events. Die besten Filme werden dort gezeigt, und die Zuschauer sind angehalten mitzubestimmen, in diesem Jahr etwa dürfen sie den besten der besten Filme der letzten zwanzig Jahre wählen.

Ally Derks vom Filmfestival in Amsterdam ist von Anfang an dabei. Sie ist eine der Mitbegründerinnen des Festivals vor mehr als zwanzig Jahren. Ganz klein haben sie angefangen, und sich mittlerweile zu einem der größten Festivals der Dokumentarfilmszene gemausert, mit jährlich 3000 internationalen Gästen, darunter allein 150 Filmfestivalmacher, die interessante Filme für ihre eigenen Festivals finden wollen.

Eine weitere Paneldiskussion widmete sich dem Kontinent Afrika, der in diesem Jahr auch filmischer Schwerpunkt des Festivals war. Mandisa Zitha, der Direktor des südafrikanischen Encounters Film Festival, ein Vertreter von Amnesty International und die beiden afrikanischen Filmemacher Kal Toure und Gilbert Ndahayo diskutierten über Filmemachen in Afrika und die Themen HIV, Ausbeutung, Armut, Globalisierung und Korruption. Themen, die auch in den zehn Filmen auf dem Festival selbst von vorrangiger Bedeutung waren. Während sonst Dokumentarfilme aus Afrika oft von Regisseuren europäischer oder nordamerikanischer Herkunft gedreht werden, gab es hier durchaus einige Werke zu sehen, deren Macher selbst Afrikaner sind, was zu einer noch größeren Nähe zu den Protagonisten führen kann.

Sehr übersichtlich gliedert das Festival seine knapp 170 Filme in diverse Segmente und Tribute, darunter etwa 25 Filme, die unter dem Namen "Views of the World" laufen und sich mit sozialen und historischen Belangen beschäftigen. Weitere Segmente sind "Stories to Tell", "Portraits - Human Journeys" und "Music". Letztere liefen meistens in der Mitternachtsschiene vor einem bereits sehr vergnügten studentischen Publikum. Ganz neu ist das Segment "Hybrid Docs", Filme, die das Element der Dramatisierung stark nutzen und dazu bisweilen Konventionen des Dokumentarfilmmachens brechen, etwa, dass fiktive Inszenierungselemente tabu sind. Elf Filme dieser Art waren zu sehen - sie gehören zu den innovativsten Werken des Festivals. In "The Age of Stupid" der britischen Filmemacherin Franny Armstrong etwa ist der britische Schauspieler Pete Postlethwaite im Jahre 2055 der einzige überlebende Erdenbürger. Er bewacht eine Art Museum, in der wie in einer Arche Noah Tiergattungen, Wissen und vieles andere gesammelt ist, was die Erde hervorgebracht hat. Postlethwaite sitzt vor einem Monitor und klickt kleine Sequenzen an. Dokumentarische Szenen aus der Jetzt-Zeit, als es noch möglich gewesen wäre, die Erde zu retten. Am Ende des Films steht die Frage im Raum, warum die Menschheit sich damals nicht selbst gerettet hat. "Wir waren uns nicht sicher, ob es sich lohnen würde," gibt Postlethwaite schließlich zu.

Die niederländische Regisseurin Coco Schrijber überrascht mit einem spannenden Konglomerat über die Langeweile, "Bloody Mondays & Strawberry Pies". Sie begleitete verschiedene Menschen in ihrem Alltag: Einen 32-jährigen Broker in New York, ein junges Mädchen aus Berlin, das in einer Großbäckerei arbeitet, einen Nomaden und einen Künstler, der seit 42 Jahren ausschließlich Zahlen malt. Die wunderbare, anmutig schwebende Kamera von Martijn van Broekhuizen und die Off-Stimme von John Malkovich machen diesen Film zu einem ungewöhnlichen Erlebnis.

Selbstverständlich bietet das wichtigste griechische Dokumentarfilmfestival auch ein Werkschaffen einheimischer Produktionen, insgesamt waren 42 griechische Filme zu sehen. Ein Tribut wurde Fotos Lamprinos gezollt, elf seiner Werke, lange und kurze, waren zu sehen, vom Kurzfilm aus dem Jahre 1964, "100 Hours of May" bis zu seinem letzten Film aus dem Jahre 2008, "Captain Kemal, A Comrade".

Ein weiteres Highlight - wenn auch nur für akkreditierte Festivalbesucher - waren die täglich stattfindenden Veranstaltungen "Just Talking". Dabei traf sich jedes Mal eine Handvoll Filmemacher, die dann gemeinsam - mit Moderation - über Fragen des Filmemachens diskutierten. Dabei war allerlei Nützliches über das Filmemachen selbst und über den Umgang mit seinen Protagonisten ("Du musst sie lieben wie deine eigenen Kinder. Aber du darfst nicht versuchen, sie zu sehr zu beschätzen.") zu erfahren, und dass eigentlich jeder Mensch das natürliche Bedürfnis hat, sich mitzuteilen und zu öffnen ("Mach ihre Geschichte zu Deiner Geschichte"). Erstaunlich war auch die Tatsache, mit wie wenig Geld großartige Filme entstehen können in einer Zeit, in der auch günstige digitale Kameras zu guter Qualität führen und bisweilen auch auf Computern vom Discounter in Heimarbeit geschnitten werden kann.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 01-04-09
Letzte Änderung: 01-04-09