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Freitag 25. Januar 2008 um 09.55 Uhr - 09/01/08

Immer wieder Achterbahn

Stimmungsschwankungen kennt jeder. Sind sie aber exzessiv ausgeprägt und dauern Monate, liegt eine bipolare Störung vor, auch manisch-depressive Erkrankung genannt. Menschen, die unter manisch-depressiven Schüben leiden, fallen von einem Gefühl der überschäumenden Euphorie plötzlich in tiefste Verzweiflung und Depression. Der Dokumentarfilm schildert den Kampf dreier Menschen gegen ihre Krankheit.

Bei Menschen, die über einen langen Zeitraum unter extremen Stimmungsschwankungen leiden, spricht man von einer manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Das Suizid-Risiko dieser Patienten ist dreißigmal höher als in der Normalbevölkerung. Bis heute ist nicht bekannt, warum Menschen manisch-depressiv werden. Klar ist nur, dass es bei dieser Stoffwechselkrankheit eine hohe genetische Disposition gibt. Positiver wie negativer Stress gilt als Auslöser für akute manische oder depressive Episoden. Aber noch immer wird die Krankheit zu spät diagnostiziert.
Zwischen Manie und Depression ist ein geregeltes Leben kaum möglich. Das wiederkehrende Auf und Ab der Emotionen führt vielfach zu Isolation und Vereinsamung. Der Dokumentarfilm schildert den Kampf von Lena, Jakob und Sandra gegen ihre Krankheit.
Lena lebt mit ihrem Mann und drei Kindern zurückgezogen in einem kleinen Dorf in Bayern. "Für mich ist ein geregelter Tagesablauf wichtig, jedes unvorhergesehene Ereignis, positiv oder negativ, kann bei mir etwas auslösen." In manischen Phasen hat Lena Türen eingetreten, ihre Familie verlassen und sich selbst in Gefahr gebracht. Die andere Seite sind ihre Depressionen. Dann kann sie sich kaum noch um ihre Kinder kümmern. "Ich bin dann der einsamste Mensch der Welt", sagt sie. In solchen verzweifelten Situationen hat sie schon mehrmals versucht, sich das Leben zu nehmen. Für ihren Ehemann sind Lenas manische und depressive Phasen "die Hölle".
Jakob war schon zwölf Mal für mehrere Monate in der Psychiatrie - zum Teil zwangseingewiesen. Mit 18 versuchte er zum ersten Mal, sich das Leben zu nehmen. Nach 27 Jahren mit bipolaren Störungen beschreibt er sein Leben als "ständiges Auf und Ab wie ein Jojo". "Ohne die Krankheit hätte ich studiert, sicher eine Firma gegründet - aber durch die Depressionen und Manien zerstörte ich mir immer wieder alles, was ich mir vorher aufgebaut hatte." Jakob war als Textilhändler viel im Ausland. Auf seinen stressigen Reisen entwickelte er Psychosen. So glaubte er, Agent zu sein: "Ich bin in meinen Manien so überzeugend, dass ich mehrere ausländische Geheimdienste und die Polizei beschäftigt habe."
Die Studentin Sandra hat ihre Diagnose "manisch-depressiv" erst vor wenigen Wochen bekommen, obwohl sie schon seit zehn Jahren erkrankt ist. Depressionen dauerten bei ihr bis zu einem halben Jahr. Sie ging monatelang nicht aus dem Haus. Sie wurde ausschließlich gegen Depressionen behandelt, die manischen Episoden erkannten die Ärzte nicht. In der ambulanten Sprechstunde der Berliner Universitätsklinik Charité lernt Sandra jetzt, dass das Ziel der Therapie ist, "die Extreme zu bekämpfen".


ZUSATZINFORMATION

Ein Jahr lang begleitet der Dokumentarfilm drei Menschen mit einer bipolaren Erkrankung. Behutsam porträtiert er den Alltag der Betroffenen, zeigt Depressionen und Manien, die sich mit Phasen der Normalität abwechseln. Es sind Geschichten von Menschen, die nicht aufgeben, obwohl die Krankheit ihre Lebensplanung mehrfach zerstört hat.


Immer wieder Achterbahn
Freitag 25. Januar 2008 um 09.55 Uhr
Keine Wiederholungen
(Deutschland, 2007, 58mn)
ZDF

Erstellt: 09-01-08
Letzte Änderung: 09-01-08