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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Außer Konkurrenz - 21/08/08

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Ein Film von Steven Spielberg


Dieses Mal nimmt Indiana Jones es mit einer Atombombe, dem Kalten Krieg, einer russischen Hexe und einem Tempel voller Sprengsätze auf, er erlebt ein Treffen dritter Art und wird dabei auch noch Papa. Nicht schlecht….

Synopsis: 1957, mitten im Kalten Krieg. In einer Wüste im Südwesten Amerikas ist es Indy und seinem Kumpel Mac soeben gelungen, einer Gruppe sowjetischer Agenten zu entwischen, die auf der Suche nach einer mysteriösen Reliquie aus längst vergangenen Zeiten sind. Wieder zurück an der Universität, wo er unterrichtet, muss Indiana feststellen, dass er sich in den Augen der amerikanischen Regierung verdächtig gemacht und ihn das seine Stelle gekostet hat. Vor seiner Abreise lernt er einen jungen rebellischen Motorradfahrer kennen, Mutt, der ihm einen unerwarteten Vorschlag macht ….

Kritik: Das Abenteuer beginnt mit einer spektakulären Flucht: Unter lautem Getöse entkommt Indiana Jones auf einer Rakete, aus einem Xanadu gestapelter Kisten in einer Lagerhalle. Es folgt eine atomare Explosion, die ein amerikanisches Modelldorf mit Figuren aus Pappmasché dem Erdboden gleichmacht, eine symbolische Sprengung des Traums vom American Way of Life durch eine Wasserstoffbombe. Selbstverständlich überlebt Indiana mit seinem Kulthut, seiner Peitsche und seinem legendären hämischen Lächeln, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. Indiana scheint unsterblich. Harrison Ford auch. Man merkt kaum, dass er bei einigen Stunts gedoubelt wird. Immer wieder das gleiche altbewährte Schema: ein mittlerweile gut funktionierendes Drehbuch mit einer Mischung aus Humor, Spannung und Flucht nach vorn… Man möchte fast meinen, dass Koep sich bis ins Detail an das Vorbild des perfekten Scripts hält, das ihn so erfolgreich gemacht hat. Die Geschichte hat dieses Mal einen etwas engeren Bezug als gewöhnlich zum politischen Kontext von 1957 (nach den Nazis in Indiana Jones und …), also zum Kalten Krieg.

Unter dem Deckmantel des trockenen Humors seines Helden streut Spielberg hier und da ein paar saftige historische Anspielungen. Als ihn zum Beispiel ein böser Russe fragt: „Was haben Sie uns zu sagen, Herr Jones?“, antwortet Indiana ironisch: „Ich weiß nicht. I like Ike!“. Also mit dem berühmten Wahlkampfslogan des 1952 gewählten Eisenhowers. Und der Filmemacher genießt es nach Herzenslust, einen Bilderbogen der 50er Jahre zu spannen, und zwar mit Hilfe von Mutt, dem (neuen) rebellischen Sohn von Indiana. Motorrad, Lederjacke und Schmalzlocke: Er deckt das Rebellen-Sortiment à la James Dean „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ verquickt mit Brando „Der Wilde“ ab.

Immer noch ganz Vintage verkörpert Cate Blanchett die böse Russin Irina Spalko, eine Art abgerutschte Ninotchka, die Lotte Lenya in dem James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“ in nichts nachsteht, mal abgesehen von der sexuellen Attraktivität, die bei letzterer noch weniger ausgeprägt, wenn nicht sogar inexistent ist.

Die zwei letzten Drittel des Films sind eine einzige endlose Verfolgungsjagd, deren Quelle der Inspiration ganz eindeutig zwei Alben von „Tim und Struppi“ waren: „Die sieben Kristallkugeln“ und das Folgealbum „Der Sonnentempel“. Die Geschichte setzt sich in Peru fort, mit verhextem Glasgeschirr und geklonten Rascar Kapac-Mumien. Dass Hergé und der Film „Abenteuer in Rio" schon immer einen großen Einfluss auf Spielberg gehabt haben ist seit Jahrzehnten unumstritten. Aber er hätte ja trotzdem ruhig einmal ein bisschen mehr Originalität unter Beweis stellen können.

Ein Beispiel unter vielen ist die schon so oft dagewesene Szenerie des Maya-Tempels in Peru, mit Spinnweben und Skeletten, die in rauen Mengen an den Wänden hängen. Das Szenenbild der Katakomben geht wie immer, ohne jegliche Originalität, mit den unvermeidlichen Bilderrätseln einher, damit auch die Idee der Schnitzeljagd wieder zu ihrem Recht kommt, wie auch andere, nicht totzukriegende Elemente: der Arm, der in ein Loch voller Skorpione gleitet, die Steinstufen, die in der Wand verschwinden. Ein bisschen mehr Fantasie hätte nicht geschadet!

Doch letztendlich gleichen Spielbergs ausgezeichneter Sinn fürs Timing und seine verdammt gute Regieführung die vielen Déjà-Vus aus. Und außerdem meldet sich natürlich Harrison Ford mit diesem Film in spektakulärer Weise als Indiana Jones zurück, in einer seiner beiden Kultrollen, neben der des Ian Solo in Krieg der Sterne. Wir können einfach nicht genug davon bekommen… Standing Ovations für Indiana!

Delphine Valloire
Er ist zurück - und es funktioniert wieder. Indiana Jones forever!

Erstellt: 16-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08