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09/11/04

Indien

Synopsis: Heinzi Bösel (Josef Hader) und Kurt Fellner (Alfred Dorfer) teilen sich ein Auto und einen Job: Sie inspizieren Restaurants, Hotels und Pensionen, testen Küche und Komfort und fahren dazu gemeinsam durch die Provinz Österreichs. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, und deshalb kommt es – gelinde gesagt – zu einigen Problemen.
 
Die Kritik zum Film: Aus der gleichnamigen, gemeinsamen Kabarettshow von Josef Hader und Alfred Dorfer entwickelte sich ein Drehbuch, aus dem Drehbuch ein Film. INDIEN der Film wurde zu einem der erfolgreichsten österreichischen Filme überhaupt. Die Macher reagierten dagegen bereits überrascht darauf, dass sie überhaupt staatliche Förderung bekamen, denn „das Österreich-Bild, das wir in INDIEN zeigen ist alles andere als Fremdenverkehrswerbung.“ Dies ist zwar richtig, doch andererseits ist der schwarze, etwas makabre Humor ja grade das Erkennungsmerkmal, die „Marke“ des österreichischen Films. Hier wird über jedes Thema hergezogen, und als Fellner Hodenkrebs diagnostiziert bekommt, sind seine Krankheit und damit auch das Thema Tod selbstverständlich ebenfalls Bestandteil der üblichen Spötteleien. Das mag manchen Zuschauer durchaus moralisch vor den Kopf stossen, eine Fallhöhe gibt es hier aber nicht.
 
Die Dramaturgie des Films orientiert sich an der langsam entstehenden ungewöhnlichen Männerfreundschaft und den episodenhaften Erlebnissen in diversen Wirtschaften und Hotels. Manchmal gibt es kleine dramaturgische Durchhänger, aber dem kongenialen Duo gelingt es, sich über diese mit brillanten Dialogen hinwegzuretten. Eine der besten Szenen zeigt Dorfer auf einem Hotelflur vor einer Tür stehend. Hinter der Tür – genauer gesagt der Toilettentür – versucht Heinzi Bösel sein „Geschäft“ zu verrichten – aber das geht nicht solange Fellner vor seiner Tür steht. Dennoch unterhalten sie sich über Intimitäten, und am Ende des Gesprächs öffnet sich die Tür, und Bösel fällt Fellner vor Freude um den Hals und seufzt laut: “Wissen Sie, dass sie der einzige Mensch neben meiner Mutter sind, neben dem ich hab scheissen können?“. Vor lauter Freude bietet er dem verduzten Fellner das Du an.
 
Alfred Dorfers neuestes Filmprojekt – allerdings ohne Josef Hader – heißt RAVIOLI und startet am 18. November in den Kinos. Der Film erzählt die Geschichte eines vereinsamten 30-jährigen. Doch leider gelingt Dorfer kaum, ohne seinen Kumpel Josef Hader komisch zu sein, seine Witze wirken mühsam und konstruiert. Da ist es allemal besser, sich von diesem skurrilen österreichischen Road Movie begeistern zu lassen. Dorfer bezeichnet die beiden Inspekteure als „Ritter von der grausligen Gestalt auf einer Art Gralssuche, die wir alle kennen. Wir fragen nach dem Sinn des ganz alltäglichen Wahnsinns und finden ihn nicht.“ Übrigens sind die ärgsten Dialektpassagen deutsch untertitelt, eine freundliche Geste des Vertriebs Absolut Medien.

Nana A.T. Rebhan
 
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Indien
Österreich 1993, 86 Min.
Regie: Paul Harather
Mit Josef Hader, Alfred Dorfer, Maria Hofstätter
 
Ton:
Sprache: Deutsch
Mono
Bild:
Farbe
System: PAL
Letterbox 4:3

Preis des Santa Barbara Festivals
Max Ophüls Preis
Thomas Pluch Drehbuchpreis

Erstellt: 08-11-04
Letzte Änderung: 09-11-04