27/07/08
Infosat / HD-Start: Fragen an Dr. Langenstein
1. Herr Dr. Langenstein, Arte startet am 1. Juli einen hochauflösenden Fernsehkanal Arte HD - als erster öffentlich-rechtlicher Sender in Deutschland. Was macht das hochauflösende Format für Ihren Sender interessant?
G. Langenstein: Für viele Genres, die es auf den kleinen Bildschirmen der analogen Welt schwer hatten, ist HDTV eine große Chance und Qualitätsverbesserung. Gerade im Bereich von großen Bühnenereignissen wird nun über die großen Flachbildschirme in HDTV die Stimmung und die optische Qualität des Ereignisses mit viel mehr Detailreichtum zum Zuschauer übertragen. Die Zunahme an visueller Kraft hat damit auch eine emotionale und inhaltliche Wirkung. Das gilt auch für hochwertige Wissenschafts- und Kulturdokumentationen. Michelangelos Bilder aus der Sixtinischen Kapelle profitieren hiervon gleichermaßen wie Makroaufnahmen aus dem Tier und Pflanzenreich. Dass es hierfür ein Publikum gibt, haben wir in der Vergangenheit bereits bei Großbildprojektionen in Kinos und Opernhäusern gesehen. Für einen Qualitätssender wie ARTE ist dieser Qualitätssprung eine Möglichkeit anspruchsvolle Inhalte auch optisch interessant zu machen.
2. Arte HD startet als öffentlich-rechtlicher Sender aus der Pole Position. Wie stark klopfen Ihnen Ihre Intendanten-Kollegen auf die Schultern?
Wir haben hier breite Unterstützung. ARD und ZDF sind selbst auf dem Weg zu HDTV und unsere Koproduktionen werden Zug um Zug auf natives HD umgestellt. Dass ARTE hier eine Vorreiterrolle spielt, hat mit seiner deutsch-französischen Natur zu tun. In Frankreich ist die HDTV-Entwicklung schon wesentlich weiter. Da dort Kabel nur eine Nebenrolle spielt, sind die Telefongesellschaften schon früh aktiv auf breitbandige Verbreitung in HDTV Qualität umgestiegen. Im Herbst bekommen wir dort außerdem eine zweite digitale TNT- Frequenz, über die wir das ARTE-Signal in HDTV terrestrisch ausstrahlen können. TNT entspricht dem deutschen DVBT und ist deshalb so interessant, weil in Frankreich ca. 65% der Haushalte Fernsehen über die terrestrische Hausantenne empfangen können.
3. Der Sender wird unverschlüsselt via Astra 19,2° Ost verbreitet. Inwiefern bleibt es mittel- bis langfristig bei dieser Free-to-Air-Strategie?
Eine Verschlüsselung der ARTE Ausstrahlung ist nicht vorgesehen. Wir sind ein öffentlich-rechtlicher Sender, getragen von den Gebührenleistungen unserer Zuschauer, und wir betrachten es als unsere selbstverständliche Aufgabe, ihnen dafür inhaltlich wie optisch auch die beste Qualität zu liefern.
4. Nicht alle Inhalte liegen im hochauflösenden Format vor - welcher Anteil des Programms wird hochskaliert, wie wird sich das SD-HD-Verhältnis mittelfristig darstellen?
Im Bereich Bühnen- und Kulturereignisse produzieren wir schon heute 90% unserer Programme in HD. Im Bereich hochwertige Dokumentationen haben wir auch schon hohe Anteile. Nun beginnen wir mit den Umstellungsmaßnahmen innerhalb der Studioproduktion. Bei Filmproduktionen und Fernsehspielen liegen die Ausgangsmaterialien häufig in einer hohen Qualität (35 mm Film), die die Abtastung in HD-Qualität möglich macht. Die nicht nativen HD-Signale werden wir für die Übergangsperiode auf HD up-konvertieren. Ab 2010 soll bereits der überwiegende Teil des Programms aus nativem HD-Material bestehen.
5. Für die deutschen Zuschauer strahlt Arte HD im 720p-Format aus, für die französischen im 1080i-Format. Bleibt es dabei oder führen Sie dies in Zukunft zusammen?
ARTE ist ein deutsch-französischer Fernsehsender, der den unterschiedlichen Marktbedingungen beider Länder gerecht werden muss. In Frankreich ist das Format 1080i25 der Standard für die HD-Ausstrahlung. In Deutschland haben die öffentlich-rechtlichen Sender sich entsprechend der Empfehlung der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) für den Standard 720p50 ausgesprochen. Um dem Zuschauer in Deutschland sowie in Frankreich jedweden Standardwechsel zu ersparen, sind wir hier in beiden Ländern bei der Ausstrahlung auf die marktübliche Norm gegangen.
6. Die deutschen Kabelnetzbetreiber haben durchweg großes Interesse an der Einspeisung von Arte HD signalisiert. Wann schließen Sie die Verhandlungen ab, welche Eckpunkte sind bis dahin noch zu klären?
Wir stehen gerade am Anfang von Gesprächen mit den Kabelnetzbetreibern. Da sind noch wirtschaftliche und technische Eckwerte zu klären. Konkrete Angaben hierzu werden wir Ihnen zu gegebenem Zeitpunkt gerne mitteilen.
Erstellt: 29-08-08
Letzte Änderung: 27-07-08