Kritik: Auf der Pressekonferenz in Cannes sagte Quentin Tarantino in seiner gewohnt fiebrig-nervösen Art, er mache “Filme für die ganze Welt”, weil Cannes das wichtigste Festival auf der ganzen Welt sei. Man kann das ihm natürlich so auslegen und sagen, er klaubt seine Filme aus Teilen der ganzen Popwelt zusammen, und deshalb dem universellen Anspruch seines Werks nur zustimmen. Schließlich weiß er nur zu gut, wie man aus Versatzstücken so vieler anderer filmischer Werke eine unglaublich rasante Mélange bastelt: Die Truppe um den Apachenlieutenant Aldo Raine, dargestellt von Brad Pitt, sind die Nachfolger der Haudegen der Man-on-a-mission-Filme der 60er und 70er. Als „Basterds“ bezeichnet, tragen sie ihren Namen nach dem italienischen Kriegsfilm “The Inglorious Bastards – Ein Haufen verwegener Hunde” (1978) von Enzo G. Castellari. Und „Inglorious Basterds“ als Ganzes bedient sich des Untergenres des “Macaroni Combat”, des vom Spaghetti-Western inspirierten Kriegsfilms. Es geht bei Tarantino sicher immer noch ein Quäntchen spezieller, was in seinen bekannten Dialogen lang und breit verhandelt wird. Was sich aber mit so viel leidenschaftlicher Akribie einem Thema widmet, kann gar nicht langweilig sein. Als einziges Manko wäre dagegen einzuwenden, dass diesmal die Dialoge einfach öfter zu lang geraten sind und sich wiederholen.
An Tarantino ist es wesentlich, dass er sich ganz und gar einem Untergenre, den Werken eines Regisseurs oder Szenen aus seinen Lieblingsfilmen widmet und ihnen bis ins kleinste Detail authentisch huldigt und auf seine bekannte wie einzigartige Popmanier nachempfindet. Weniger Wert legt er jedoch auf die stilistische Kohärenz der verschiedenen Teile untereinander, der fünf Akte, in die der ‚Kriegswestern’ aufgeteilt ist. Schließlich wurden diese einzeln für sich geschrieben und könnten als unabhängige Episoden allein stehen. So beginnt der erste Akt mehr als originaltreu in Spaghetti-Western-Manier mit passender musikalischer Untermalung von Ennio Morricone und einem glanzvollen „Für Elise“-Motiv. In der französischen Pampa wirkt das allemal surreal. Wenn jemand das aber einfach so eklektisch umsetzen kann, dann ist das Tarantino. Eine Dissonanz entsteht daraus aber im fünften Akt, wenn sich Shosanna mit Kriegsbemalung gefilmt in bestem 80er-Jahre-Pathos zum Soundtrack von David Bowie präpariert.

Ein Film von Quentin Tarantino
(USA, D, 2009, 148 Min.)
Drehbuch: Quentin Tarantino
Mit: Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfuss), Christoph Waltz (Col. Landa), Eli Roth (Donny Donowitz), Diane Kruger (Bridget Von Hammersmark), Daniel Brühl (Frederick Zoller), Til Schweiger (Hugo Stieglitz), u.v.m.

Was auch immer man von Tarantinos neuestem Streich geschmacklich halten mag, die Tarantinophilen werden sich in jedem Fall freuen. Von einem Blogger wurde der Kriegswestern bereits als die “Grindhouse Version von ‚Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat’ tituliert. Und dass er mit der ganzen Thematik so spielen darf – und es funktioniert – ist vielleicht einer seiner größten Verdienste.
Verena Dauerer






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( Arte Bewertung: 4 )










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