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22/05/04

Innocence : Ghost in the Shell II

Regie/Drehbuch: Mamoru Oshii nach einem Manga von Shirow Masamune („Ghost in the Shell“)
Japan, 2004, 100’
57. Internationale Filmfestspiele in Cannes: Wettbewerb
Synopsis: Im Jahr 2032 hat sich auf der Erde die Grenze zwischen Mensch und Maschine verwischt – Menschen leben mit Cyborgs – Zwitterwesen, deren menschliche Seele in Maschinenkörpern haust -  und Puppen (Roboter ohne menschliche Eigenschaften) zusammen. Auch BATOU, einem Cyborg mit mechanischen Körper, bleiben nur ein paar menschliche Gehirnfunktionen und die Erinnerung an eine Frau namens „Der Major“. Eines Tages soll Batou, der für eine Eliteeinheit der Polizei arbeitet,  mit einem Kollegen in einer von weiblichen Puppen begangenen Mordserie recherchieren. Wer hat die ursprünglich harmlosen Kunstwesen umprogrammiert?
Kritik: Warum sind die Menschen so besessen davon, sich selbst zu reproduzieren? Diese Frage beschäftigt den japanischen Animationsfilmer Mamoru Oshii 9 Jahre nach seinem Welterfolg „Ghost in the Shell“nach dem gleichnamigen Manga von Shirwo Masamune  in dem Sequel „Innocence“. Ausschließlich von Menschen hergestellte Puppen und Roboter bevölkern die dreidimensionalen Endzeitszenarien, in denen babylonische Techniktürme in den giftgelben Himmel ragen und merkwürdige Flugkörper ebenso wie altmdosche Limousinen als Fortbewegungsmittel dienen. Im Zentrum der Geschichte steht Batou, der nichts anderes ist als ein animierter Enkel des von Rudger Hauer gespielten Replikanten in „Blade Runner“. Nur haben inzwischen die Cyborgs ganz die Kontrolle über die Erde übernommen anstatt der Menschen, von denen die meisten längst vergessen haben, dass sie es sind.
Sie, die Cyborgs, funktionieren einfach besser, sind mit ihren Computerchipgehirnen und Spezialfunktionen tausendfach effizienter als ein menschlicher Polizist, wie Batous noch zum größtenteils menschlicher Kollege Togusa, den deswegen auch Minderwertigkeitsgefühle plagen.
Auf seiner Suche nach Quellcode und Herstellungsort der Amok laufenden Androiden und den sie programmierenden Hintermännern begegnet Batou einer ganzen Reihe unterschiedlichster Puppen – alle reflektieren sie aus ihrer nicht-menschlichen Perspektive menschliche Laster wie Arroganz, Verrat. Währenddessen wird Batou im Verlauf seines Kampfes selbst immer mehr zu einer Maschine – ein Arm muss ihm ausgewechselt werden, nachdem er sich den eigenen verstümmelt hat – Schuld daran tragen seine Widersacher, die ihn mit Hilfe eines per Nahrung aufgenommenen Computervirus und dadurch erzeugter Halluzinationen zum ‚friendly fire’ auf sich selbst verführt hatten. Auch ein Cyborg hat eben seine Achillesferse – da ist einmal sein treudoofer Hush-Puppy-Hund, dem Batou eben statt dem ungefährlichen Nahrungskonzentrat lieber eine leckere Mahlzeit zubereitet, dessentwegen er sich später den Virus einfängt. Und dann ist da noch diese Erinnerung an die Frau seines Lebens,  die „Majorin “, der er im Verlauf der Geschichte noch einmal unter schicksalhaften Umständen begegnen wird.
Einiges hat Batou, der einsame Polizist, jedenfalls mit menschlichen Filmpolizistenkollegen, wie sie beispielsweise Takeshi Kitano verkörpert, gemein – seine Einsilbigkeit, seine Sehnsucht nach einem Zuhause, und natürlich auch seine Härte im Umgang mit dem Gegner. Ein richtiges Happy-End hat Oshii für seine Menschmaschinen am Ende nicht parat. Dazu haben wir uns viel zu weit vom Paradies, von unserer ‚condition humaine’ entfernt, wie der Film in zahlreichen Anspielungen auf Philosphophen wie Descartes oder Milton oder Bibelzitaten einfließen läßt. Die Zukunft der Menschheit hängt Mamoru Oshii zufolge entscheidend davon, inwieweit wir in der Lage sind, andere Lebensformen neben uns zu respektieren. Zumindest Batou, der Cyborg und sein Hund haben in dieser Hinsicht schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht.
Martin Rosefeldt

Erstellt: 20-05-04
Letzte Änderung: 22-05-04