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23/03/03

Interview mit Angelin Preljocaj

Interview mit Angelin Preljocaj

(Die Videos sind auf französischer Sprache mit vielen Einstellungen des Drehortes)

Angelin Preljocaj erklärt uns in diesem Ausschnitt die Entstehung des Projektes, die Wahl des Drehortes und die Symbolik der Verkündigung. Wir erfahren ausserdem warum sein Engel Gabriel weiblich ist.


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Die Verkündigung ist in recht altes Projekt, das ursprünglich als Aufzeichnung einer Vorstellung gedacht war, die unabhängig von dieser Aufführung existieren kann. Mir widerstrebte schon immer der Gedanke, die Choreographie während einer Vorstellung zu filmen, und so wollte ich abwarten, bis ich mehr finanzielle Mittel hätte, um daraus einen Film zu machen. Ich wollte das Stück aus dem Theater herausholen und es in eine etwas merkwürdige, anachronistische Umgebung verlegen, einen eher geistigen Ort als einen eher realen, wie ein Theater es ist. Ich habe mir viele verschiedene Plätze angesehen. Zuerst dachte ich daran, dieses Projekt in einer Abtei zu realisieren, aber dann fanden wir schließlich La Friche (La Friche de la Belle de Mai, in Marseille, Anm. d. Redaktion), und wir sagten uns, dass wir mit etwas Arbeit daraus einen wirklich geistigen Ort machen könnten. So sind wir dieses Projekt dann auch angegangen.
Ich wollte, dass es ein zeitloser Ort ist, dass es keine Bezüge gibt, weder zu Zeit noch zu Raum, so als existiere all das anderswo.
In traditionellen Illustrationen wird die Jungfrau immer in einem geschlossenen Garten (Hortus Conclusus) dargestellt. Dieser symbolisiert ihren Körper, der wie der Garten geschlossen ist, da sie als Jungfrau betrachtet wird. Das Eindringen des Engels in den Garten kommt also einem Eindringen in ihren eigenen Körper gleich. Bereits in diesem Moment steht der Augenblick der Befruchtung kurz bevor.
Diese Symbolik war es, die ich an jenem Ort ausdrücken wollte, den wir als einen roten Raum mit einem Wasserbecken drum herum als eine Art Zaun gestalteten. Der Engel dringt wirklich in diesen Raum ein, und die rote Farbe soll diese Abgrenzung hervorheben: Der Raum ist rot, da er auch den Körper der Jungfrau symbolisiert.

So sieht man von außen, was sich innen, im Inneren ihres Körpers, abspielt.
Hier achte ich sehr auf die Umgebung, die Bewegungen der Kameras und die Energie der Tänzerinnen. So kann nach einer Einstellung, in der niemand zu sehen ist, eine Tänzerin mit einer besonderen Dynamik ins Bild kommen. Man sieht sehr gut, dass in dieser mehr filmischen Konzeption alle Aspekte der Energie, der Zeit und des Raums wirklich verändert werden.
Die Sache mit dem Geschlecht des Engels ist wirklich problematisch. Er ist geschlechtslos und kann somit sowohl das eine als auch das andere sein. Da er jedoch einer Frau erscheint, musste er sich natürlich eher als eine Art weibliche Energie offenbaren, auch wenn es sich dabei um eine sehr starke Energie handelt. Zudem musste der Engel eine sehr intime Beziehung aufbauen. Um jedoch diesen Zustand eines geheimen Einverständnisses zu erreichen, der sonst eher zwischen Frauen vorkommt, musste er unbedingt gewisse Tugenden, gewisse weibliche Eigenschaften verkörpern, obwohl er sexuell gesehen ein Neutrum ist.

Die Choreographien MC 14/22 und die Verkündigung: ein grosses Dyptichon

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Ich glaube, es gibt wirklich Projekte, die unbedingt gefilmt werden müssen und somit mehrere Kameras erfordern, also Projekte, bei denen man die Beziehung zwischen Publikum und Tänzern spüren muss, und auf der anderen Seite gibt es Projekte, die woanders stattfinden müssen. MC14/22 gehört eher zu dieser Art von Projekten.
SL: Um großes zweiteiliges Werk zu erschaffen ... ?
P: Warum nicht, das wäre interessant. Man kann die beiden Stücke auf jeden Fall zu einem Abend zusammenlegen, denn das funktioniert ganz gut: Zunächst zeigen zwei Frauen, zwei Tänzerinnen, l’Annonciation, und danach tanzen zwölf Männer MC14/22, und es stimmt, es gibt trotzdem eine Kohärenz.

Die Projekte von Angelin Preljocaj

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Ich plane ein Projekt mit Granular Synthesis, zwei österreichischen bildenden Künstlern. Es wird direkt im Anschluss an das Projekt folgen, an dem ich gerade mit Air arbeite, einer französischen Elektro-Pop-Band. Es stimmt, die Arbeit mit Granular Synthesis war „technisch“ anspruchsvoller als beispielsweise l’Annonciation.

Interview: Susanna Lotz
Film und Schnitt: Grégory Hopf

Erstellt: 14-09-04
Letzte Änderung: 23-03-03