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ARTE Journal - 21/06/11

Schreckgespenst Staatspleite

Immer wieder steht Griechenland kurz vor der Pleite. Was heißt das eigentlich?

Wenn ein Staat seine Schulden nicht mehr zahlen kann ist er pleite, so die Definition. Juristisch ist dies aber nicht festgeschrieben. Staaten müssen sich zahlungsunfähig bekennen, so wie das Argentinien vor neun Jahren getan hat. Grund für einen Staatsbankrott ist meist eine Überschuldung, weil ein Land jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und missgewirtschaftet hat. Griechenland hat bisher zwar von einem Ausnahmezustand aber noch nicht von einem Bankrott gesprochen. Bisher hat die EU immer noch in allerletzter Minute Geld nach Athen geschickt.



"Eine Staatspleite macht die Wirtschaft kaputt. Sie schürt Arbeitslosigkeit und es besteht die Gefahr einer sozialen Krise." erklärt Marc Touati, französischer Wirtschaftsexperte in einem Interview für ARTE Journal. Die Menschen holen ihr Geld von den Banken, und dies hätte einen Kollaps des Finanzsystems zur Folge. In Argentinien verbarrikadierten die Banken ihre Türen und Fenster mit Stahlplatten, einige Tage wurden sie ganz geschlossen. Bargeld wurde knapp. Zur Not müsste der Staat seine Angestellten mit Lebensmittelkarten oder Steuergutschriften "bezahlen". Kapital würde aus dem Land gezogen. "Es kommt zu einer Vertrauenskrise. Problematisch wird es vor allem für die Gläubiger, wie die europäischen Banken und die EU-Staaten, die Griechenland Geld geliehen haben." so Touati. Sie würden versuchen, ihre Schulden zurückzubekommen, manche würden klagen. Dann käme es entweder zu einer Umschuldung oder zu einem Schuldenschnitt. Bei einer Umschuldung zahlt der bankrotte Stadt seine Schulden später zurück, oder es werden niedrige Zinskonditionen vereinbart. Ein Schuldenschnitt bedeutet, dass die Schulden (teilweise) erlassen werden. Die Gläubiger von Argentinien haben ihr Geld auch heute noch nicht wiedergesehen!

Auf eine Staatspleite folgt ein echter "Kater", denn kaum jemand leiht einem bankrotten Staat noch Geld. Kredite von anderen Ländern oder von seinen Bürgern zu bekommen, ist fast unmöglich. Am meisten leiden darunter die Bürger, die die daniederliegende Wirtschaft direkt durch zum Beispiel Arbeitslosigkeit zu spüren bekommen. Außerdem verliert die Landeswährung an Wert, die Unternehmen investieren nicht mehr. Laut Touati "folgt auf eine Staatspleite meist eine soziale Krise, die in Griechenland jetzt schon da ist, obwohl Griechenland sich noch nicht bankrott erklärt hat."

Doch mit einer Staatspleite geht die Welt nicht unter. Die meisten Staaten kommen danach wieder auf die Beine, sie verschwinden nicht von der Landkarte. "Viele Länder haben den Bankrott schon durchgemacht, sie haben eine schwere Wirtschaftskrise überlebt und sind dann wieder neu gestartet." so Touati. Das deutsche Reich war im 18. Jahrhundert fünf Mal pleite, Spanien sieben Mal. Langfristig fließt dann doch wieder Geld in die bankrott gegangenen Staaten.

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Erstellt: 20-06-11
Letzte Änderung: 21-06-11