Catherine Deneuve, der kleine Junge Gene im Film braucht seine Augen wie ein Filmemacher seinen Blick braucht. Und Sie? In welchem Licht sehen Sie den Regisseur Lars von Trier? Was haben sie über ihn als Menschen und als Filmemacher und über sein Verhältnis zum Film erfahren?Catherine Deneuve: Was ich über ihn als Menschen erfahren habe, gehört nicht hierher, das ist zu persönlich. Über den Filmemacher Lars von Trier habe ich das erfahren, was ich wissen wollte: Ich wollte wissen, wie es ist, mit einem Filmemacher zu arbeiten, der eine andere Sprache spricht. Es ist klar, dass zwischen zwei Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, immer etwas Rätselhaftes bleibt und dabei manchmal zwangsläufig auch etwas verloren geht. Für mich war das ein richtiges Abenteuer! Sehr aufregend! Mir war auch ein wenig bange, weil ich wusste, dass die Dreharbeiten selbst für meine relativ kurze Rolle sehr lange dauern würden. Auch war mir klar, dass manche Szenen, die im Film sehr kurz sind, langwierige Vorbereitungen erfordern würden. (…) Und ich habe zum ersten Mal beim Drehen improvisiert, noch dazu auf Englisch, mit Videokamera. Für mich war das eine ausgesprochen wertvolle und bereichernde Erfahrung. Auch, weil es Lars von Trier war und ich ihm gegenüber von vornherein sehr aufgeschlossen war. Den Film und die darin dargestellte Welt mag ich sehr. Wenn man viele Filme dreht, macht man nur selten völlig neue Erfahrungen. Hier war das der Fall. (…)
Angeblich soll es beim Dreh Spannungen gegeben haben, Sie sollen vier Tage nicht erschienen sein usw. (…)
Catherine Deneuve: Sie meinen die Spannungen bei den Dreharbeiten mit Björk: Also ich finde es schon ziemlich pervers von Ihnen und von anderen Journalisten, bei diesem so besonderen Film gerade das, was hinter den Kulissen passiert, so überzubetonen. In keinem Film, in dem ich mitgespielt habe, lief alles glatt! Es gibt immer Probleme, auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt. Man kommt hierher, um die Filme vorzustellen, die man mag. Doch keiner ist ohne Schwierigkeiten, Spannungen, Probleme und Tränen entstanden. Je anspruchsvoller und intensiver der Film ist, umso schwieriger ist das zu bewältigen. Björk ist ein wunderbarer Mensch, aber sehr eigen, wie Lars Ihnen auch gesagt hat. Sie kann nicht wirklich „schauspielern", sie kann nur „sein". Bei manchen besonders harten Filmszenen litt sie derartig, dass sie plötzlich nicht mehr damit fertig wurde. Und manchmal reagierte sie einfach wie ein gannz normaler Mensch, wie ein Kind, das überfordert ist und z.B. von der Schule abhaut. Im Vergleich zu ihrer Leistung im Film ist das, was Sie angesprochen haben, völlig nebensächlich. (…) Das Drehteam, alle Darsteller, alle Beteiligten … haben in einer wunderbaren Atmosphäre zusammengearbeitet! Schon deshalb, weil uns die Vorbereitung schon soviel abgefordert hat. Die Tanzproben waren z.B. eine wundervolle Erfahrung. Björk ist heute deshalb nicht dabei, weil sie ganz einfach nicht imstande ist, über ihre Leistung zu sprechen.






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