
- arte.tv: Könnten Sie in wenigen Worten Ihre Geschichte erzählen? Wie sind Sie zur Archäologie gekommen?
Von Kind an hatte ich nur ein Ziel: ich wollte Archäologe werden. Sofort nach dem Abitur reiste ich in den Orient auf den Spuren berühmter Ausgräber. Nach der Rückkehr von dieser Reise begann ich mein Archäologiestudium mit dem Wunsch den Alten Orient erforschen zu wollen. Bereits meine ersten Semesterferien führten mich auf meine erste Ausgrabung in Syrien. Dieser folgten bis jetzt 24 weitere Ausgräberjahre in Syrien.
- arte.tv: Als Sie in 2002 das königliche Grab entdeckten, wie haben Sie sich da gefühlt? Waren Sie auf so einen Fund vorbereitet?
In der Ausgrabungskampagne des Sommers 2002 entdeckten wir einen mysteriösen unterirdischen Korridor unter dem Königspalast von Qatna. Wo würde dieser hinführen ? Zu einem Keller, als Geheimweg ins Freie, oder vielleicht zu einem Grab ? Diese Frage beschäftigte jeden von uns Tag und Nacht. Nach 40 Metern und drei Monaten intensiver und sorgfältiger Ausgrabungsarbeit hatten wir das Ende erreicht. Die Spannung war unerträglich. Als die Erde bröckelte und ein Spalt den Blick in eine große unterirdische Grabkammer freigab, die dazu noch unberaubt war, konnte ich unser Glück kaum fassen und fragt mich ungläubig, ob dies alles nur ein Traum sei.
- arte.tv: Hat der Fund des königliche Grabes etwas in Ihrem Leben verändert? Wurde Ihre Arbeit dadurch erleichtert?
Die Entdeckung der Königsgräber von Qatna hat meine Forschungsarbeit und in gewisser Weise auch mein Leben von Grund auf verändert. Kontakte zu den Medien, Vorträge, Interviews, aber auch eine unermessliche Auswertungsarbeit, internationale Kooperationen und interdisziplinäre Analysen haben sich an diese Entdeckung angeschlossen. Auch heute, 4 Jahre nach der Entdeckung, hat sich dieser archäologische Sturm noch nicht gelegt.
- arte.tv: Könnten Sie uns etwas über die gegenwärtigen Fälle am Ausgrabungsort erzählen? (Wann finden die Ausgrabungen während des Jahres statt? Wie ist die Beziehung zwischen Ihrem Team und den anderen an dem Ausgrabungsort? Könnten Sie die Beziehung zu den lokalen Behörden, der lokalen Bevölkerung beschreiben? Was denken diese hinsichtlich der Forschungen?
Wir führen jeden Sommer unsere Ausgrabungen in Qatna durch, im Rahmen eines internationalen Projektes. Dabei arbeiten wir intensiv mit einem syrischen Team unter der Leitung von Prof. Maqdissi und einem italienischen Team unter der Leitung von Dr. Morandi Bonacossi zusammen. Die Unterstützung durch die syrischen Antikenbehörden und durch die lokale Bevölkerung ist überwältigend, so dass wir uns in Syrien sehr, sehr wohl fühlen.
- arte.tv: Was sind Ihre nächsten Projekte?
Die syrische Königsstadt Qatna birgt noch so viele Geheimnisse, dass wir noch jahrelang dort weiterarbeiten möchten. Im Augenblick interessiert uns vor allem die Frage, was auf dem Grund eines riesigen Brunnenschachtes zu finden sein wird, den wir entdeckt haben und gerade freilegen. Vielleicht sind ja dort interessante Dinge hinabgefallen ... ?
- arte.tv: Was wäre Ihr persönlicher archäologischer Traum?
Mein Archäologentraum hat sich bereits erfüllt. Jetzt wünsche ich anderen Archäologen ein ähnliches Glück ! Ich bin zurück bei der archäologischen Routinearbeit.
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