AnimaniA hat als erstes Magazin in diesem Bereich die Entwicklung der Anime- und Manga-Branche in Deutschland von Beginn an begleitet und auch entscheidend mitgeprägt. AnimaniA startete 1994 als schwarzweiß gedrucktes „Fanzine“ und bediente die damals logischerweise noch sehr kleine Anime-Anhängerschaft mit Infos rund um das Thema. Damals war der deutsche Anime- und Manga-Markt noch sehr übersichtlich. Animes wurden seinerzeit ausschließlich im japanischen Originalsoundtrack mit deutschen Untertiteln veröffentlicht. Mittlerweile ist der einstige „Special-Interest-Markt“ für die Verlage und Publisher aber sehr lukrativ geworden, sodass bei einer Anime-Veröffentlichung eine deutsche Synchronisation dazu gehört. AnimaniA hat sich im Laufe der Jahre vom zweimonatlich erscheinenden „Fanzine“ zum monatlich erscheinenden, einzig wirklichem „Fachmagazin“ für dieses Segment auf dem Markt etabliert. Um allen Neuveröffentlichungen redaktionell gerecht zu werden und die Leser über die Qualität einer Anime-DVD oder eines Mangas ausführlich informieren zu können, haben wir den Heftumfang in der Vergangenheit konsequent auf nun stolze 98 Seiten Inhalt, sowie eine zusätzliche AnimaniA-Heft-DVD gesteigert.
Mang'Arte: Der Bereich ’Anime und Manga’ ist sehr weit gefächert und teilt sich in viele verschiedene Genres ein, demnach sind auch die Lesergruppen generell sehr verschieden. An welches Publikum richtet sich AnimaniA besonders und wie wird das große Anime und Manga-Feld eingegrenzt?Unsere Leserschaft ist zu 59% weiblich und zu 41% männlich. 73% der Leser sind zwischen 14 und 20 Jahre jung – was einen Altersdurchschnitt von rund 17 Jahren ergibt. Diese Leserschaft ist multimedial stark interessiert, geht gerne ins Kino, besitzt Videospiel-Konsolen, Personal-Computer, Handys und ist für die jeweiligen Inhalte sehr aufgeschlossen – diese decken wir mit der Themenvielfalt in den einzelnen AnimaniA-Rubriken komplett ab. Adult-Programme, also Hardcore-Erotik, sind absolut kein Thema für AnimaniA – ganz im Gegenteil sind wir sehr stolz darauf, dass wir in der Vergangenheit dazu beitragen konnten, das „Schmuddel-Image“ und die daraus resultierenden Vorurteile, die den „Comics aus Japan“ hierzulande lange anhafteten, abzubauen.
Mang'Arte: Einigen Umfragen zufolge gilt AnimaniA als beliebtestes und bestes Anime- Manga-Magazin. Was unterscheidet Sie von anderen Zeitschriften und worauf legen Sie besonders wert?
Auf Authentizität und Exklusivität! Wir beziehen uns in unseren Berichten nicht wie viele andere Anime- und Manga-Publikationen auf Internetgerüchte und Hörensagen. Wir stehen im direkten Kontakt mit den Animations-Studios und deren Künstlern in Japan, wodurch sich im Laufe der Jahre auch feste Freundschaften entwickelt haben. AnimaniA berichtet also „direkt von der Quelle“ mit Informationen aus erster Hand. Diese Beziehungen ermöglichen es uns auch, unseren Lesern mit „vor Ort-Reports“ aus Tôkyô exklusive Einblicke Hinter die Kulissen der Anime- und Manga-Branche zu gewähren: Dabei handelt es sich um Besuche in Animations-Studios, Messe-Berichte, wir schauen japanischen Manga-kas bei der Arbeit über die Schulter und treffen Anime-Künstler zum AnimaniA-exklusiven Interview. So sind wir auch in der Lage über die meisten potenziellen Anime-Hits ausführlich zu berichten, noch bevor, oder kurz nachdem sie in Japan veröffentlicht wurden.
Mang'Arte: Japanische und amerikanische Animes und Mangas haben bei AnimaniA ihre eigene Rubrik. Diese beiden Länder sind Deutschland weit überlegen, was die Anzahl von Comic-Veröffentlichungen betrifft. Nach welchen Kriterien entscheidet AnimaniA, welche Neuerscheinungen in der aktuellen Ausgabe vorgestellt werden?
Unser Hauptaugenmerk in der Rubrik „Anime und Manga“ richten wir zunächst ganz klar auf die Releases in Deutschland. Sind die anstehenden Veröffentlichungen alle redaktionell untergebracht, gibt es bezüglich der Berichterstattung über die „Titel aus Übersee“ verschiedene Kriterien: Zunächst hängt es davon ab, wie „groß“ der jeweilige Titel in Japan ist. D.h., welches Animations-Studio/Verlag und welche Künstler haben daran mitgewirkt und gibt es ein Special-Appeal, dass unsere Leser bei diesem Titel auf Anhieb ansprechen könnte. Entscheidend ist auch, ob ich auf exklusives Bildmaterial zurückgreifen kann, ob es die Möglichkeit gibt ein Interview mit dem Produzenten oder dem Regisseur zu führen, wann der Titel in Japan im TV gezeigt wird, auf DVD erscheint und bereits für ein Release in den USA oder gegebenenfalls auch in Deutschland geplant ist.
Mang'Arte: Welchen Rat geben Sie jemandem, der bisher noch keinen Manga gelesen hat, sich aber für diese spezielle Comicwelt interessiert: Eine erste Orientierung anhand von Magazinen wie AnimaniA, um sich Hintergrundwissen anzueignen, oder die Empfehlung eines Buchhändlers für eine Einstiegslektüre?
Ich denke, es ist völlig verständlich, dass der „herkömmliche“ Buchhändler bei der momentanen Manga-Veröffentlichungswelle selbst Probleme hat, Titel und Genres auseinander zu halten. Wer als „Einsteiger“ aber eine konkrete Vorstellung davon hat, welches Genre für ihn/sie interessant sein könnte, wird in den fachorientierten Comic-Shops sicherlich bestens beraten und findet hier die passende Einstiegslektüre. Grundsätzlich gilt aber: Wer AnimaniA liest, ist klar im Vorteil. AnimaniA behandelt die Themen sehr „in deep“. Wir verweisen in unseren Artikeln bei inhaltlichen und optischen Ähnlichkeiten auf andere Anime- oder Manga-Werke und setzen darüber hinaus mit der Verwendung von Fachbegriffen ein gewisses Basiswissen voraus - wir können die Materie leider nicht mit jeder aktuellen Ausgabe von Grund auf erklären. Dennoch versuchen wir den Lesern in regelmäßigen Themen-Specials das nötige Hintergrundwissen zu vermitteln, bzw. bereits vorhandenes Insider-Wissen konsequent auszubauen.
Mang'Arte: Um auf dem aktuellsten Stand zu sein, ist AnimaniA kein Weg zu weit. So waren Sie kürzlich in Japan auf der ‚Tokyo International Anime Fair’ und konnten dort die Anime-Neuheiten bewundern. Was hat Sie auf der Messe am meisten beeindruckt? Was macht die japanische Anime-Atmosphäre aus?
Die TAF fand mittlerweile zum vierten Mal statt und hat sich nicht nur in Japan selbst, sondern auch international zu DEM Anime-Ereignis des Jahres gemausert. Auch hier spiegelt sich das wachsende, westliche Interesse an dem Thema wider: So waren in diesem Jahr deutlich mehr europäische Anime-Publisher zugegen, um nach potenziellen Titeln Ausschau zu halten. Es ist einfach unglaublich spannend, diese einmalige Atmosphäre hautnah zu erleben. Außerdem ist es einfach schön, die vielen Freunde und Partner aus der Branche auf einem Fleck anzutreffen und sich über die Entwicklung des Marktes auszutauschen. Neben vielen Anime-Neuheiten wie diesmal die TV-Serie zu Blood: The Last Vampire, beeindruckt mich aber jedes Jahr am Meisten, wie sehr in Japan Jung und Alt durch das Thema Anime verbunden werden. „Anime- und Manga“ ist ein im japanischen Alltag fest verankertes und nicht mehr weg zu denkendes Kulturgut.
Mang'Arte: Welches Event dürfen sich eingefleischte Anime und Manga-Fans dieses Jahr auf keinen Fall entgehen lassen?
Eingefleischte Anime- und Manga-Fans haben sich schon längst eine Eintrittskarte für die vom 29. bis zum 31. Juli in Koblenz stattfindende AnimagiC gesichert. Bereits zum siebten Mal veranstaltet AnimaniA mit der AnimagiC Deutschlands größte Anime- und Manga-Convention – und auch in diesem Jahr begrüßen wir wieder hochkarätige Ehrengäste wie Anime-Regisseure, Manga-kas und Stars und Sternchen aus dem japanischen J-Pop und –Rock-Business.
Interview wurde von Patricia Czarkowski durchgeführt. Juni 2005






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