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Henry Purcell - King Arthur - 05/08/08

Interview mit Dietmar König

Schauspieler Dietmar König (Jahrgang 1969), Darsteller des Sachenskönigs Oswald

Sie wollten doch mal Journalist werden, warum sind Sie Schauspieler geworden?
Ja, woher wissen Sie das? Ja, ich wollte Journalist werden. Dann aber mit sechzehn verfestigte sich der Wunsch, Schauspieler zu werden. Die ersten Jahre sind sehr anstrengend, man hat sehr unterschiedliche Rollen. Irgendwann kam man in eine Krise, das ist normal, das kenne ich von vielen Kollegen.

Richard Burton meinte über seinen Beruf, der sei doch keine Beschäftigung für einen gestandenen Mann!
Das stimmt, je älter man wird, um so mehr denkt man an solche Dinge. Ich bin jetzt 35, doch ich weiß nicht, ob ich als erwachsener älterer Mann so auf der Bühne stehen möchte. Mein Wunsch wäre es, mit Würde und einem gewissen Ernst alt zu werden. Ich hoffe sehr, dass ich das schaffe.

Hat Ihnen die Rolle des martialischen Sachsenkönig und Schlagetots Oswald Spaß gemacht?
Ja, sehr! Obwohl ich anfangs nicht ganz genau wusste, in welche Richtung das ging. Dass er der Böse, der Sachse ist war mir klar, aber welche Ausmaße das annimmt, hat sich erst später herausgestellt und mir sehr gefallen. Bei einer Oper kann so eine Rolle auch sehr viel größer gedacht und gespielt werden, als wenn es jetzt ein konzentriertes Schauspiel ohne Musik und Tanz gewesen wäre. Da würde man es "ökonomischer" auf die Bühne bringen. So opulent aber war es sehr lustvoll.

An wen haben Sie sich für die Rolle inspiriert? Reale Bösewichte gibt es genug...
Vor dem Auge und im Gehör hatte ich keinen. Das ist etwas, was sehr spontan entstanden ist, schon bei der ersten Probe. Der Impuls war für mich zu wissen: ‚Ich bin König, ich darf alles, habe kein Maß‘. In der ersten Szene habe ich natürlich alles ausgespielt und alle Möglichkeiten genutzt zu pushen, aufzuwiegeln und zu stimulieren. Ich bekam Lust, mit der Stimme zu spielen, die Lust am Bösen überhaupt, die man so im Alltag ja nicht haben darf. Manchmal spielt man so etwas den Kindern vor, muss aber aufpassen, dass die nicht soviel Angst bekommen. Wir spielen die Figuren aus dem Bewusstsein des Kindertheaters, ohne intellektuelle Abwägung, ob das nun richtig ist oder falsch. Wichtig ist, die Dinge laufen zu lassen, das ist die große Kunst.

Sie kennen Herrn Flimm schon sehr lange, waren langjähriges Mitglied des Thalia-Ensembles. War Herr Flimm diesmal anders zu Ihnen?
In den ersten Wochen haben nur wir Schauspieler probiert. Und da war das alte Gefühl wieder da. Verändert hat sich das insofern, als er dann mit den anderen Disziplinen und Sparten auch arbeiten wollte und die Aufmerksamkeit sich etwas verlagerte. Er hatte plötzlich auch ein anderes Vokabular.

Inwiefern?
Zum Beispiel vom Fachlichen her, wenn er mit den Sänger über musikalische Dinge gesprochen hat. Zudem ist er fähig, sich auf alle Menschen einzulassen, im Handumdrehen eine Atmosphäre zu schaffen, die den Schauspielern die Angst nimmt, diese Ungewissheit, wie sie ihre Rolle wirklich gestalten sollen. Er gab uns allen das Gefühl, sich nicht schämen zu müssen. Das ist ja das Schlimmste für einen Schauspieler und kommt oft vor in den Proben. Er kann einem diesen Filter aus dem Kopf nehmen, der einen hemmt. Er ist sehr hellhörig und kann sich auch drei Wochen später erinnern und zu einem sagen: "Du hast Recht gehabt, wir machen das doch so, wie du gesagt hat". Menschenfreundlichkeit, Respekt und Zuhörenkönnen das sind seine Stärken.

Inwiefern hat Nikolaus Harnoncourt eingegriffen?
Er hat uns gelobt und war offenbar beeindruckt von unserem Zusammenspiel. Eingemischt hat er sich eigentlich kaum, nur dann, wenn das szenische Arrangement ein zu großes Übergewicht in Bezug auf die Musik bekam. Da war er schon sehr genau.

Trotzdem scheinen die Schauspieler den Sängern die Show zu stehlen.
Finden Sie? Mich hat beeindruckt, wie Harnoncourt durch schlichte, prägnante Beispiele und Assoziationen noch einmal einen anderen Weg für die Sänger aber auch für uns öffnete. Das fand ich sehr spannend.

Was kann man als Schauspieler von Sängern lernen?
Ich beneide die Sänger; sie können Momente schaffen, in denen es nur um Schönheit geht, anders als bei den Schauspielern, die dies meist nur noch mit anderen Dingen schaffen. Von Sängern kann man Exaktheit und Konzentration lernen. Das ist natürlich bei Schauspielern ähnlich, doch der Verlauf ist etwas anders. Wir haben größere Freiheiten, wir müssen nicht den exakten Ton treffen oder die Tonfolge schaffen. Wir können etwas auch zum Ende der Szene wieder hinbiegen oder in eine andere Ecke spielen. Das macht natürlich auch die große Lust am Schauspielern aus.

Erstellt: 08-10-04
Letzte Änderung: 05-08-08