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November 06 - 24/11/06

Interview mit Georg F.W.Tempel

Verlagsleiter von Egmont Manga & Anime (EMA)


EMA ist derzeit der größte Manga- und Manhwa-Anbieter auf dem deutschsprachigen Markt. Jährlich werden 250 Neuerscheinungen veröffentlicht, rund 800 Titel gehören zum Manga & Anime-Repertoire. Mang’Arte sprach mit Verlagsleiter Georg F.W.Tempel.

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Mang'Arte: Ihr Verlag scheint ein Gespür für Manga und Manhwa zu haben, die beim Publikum besonders gut ankommen. Wie entscheiden Sie, welche Titel Sie bei EMA verlegen wollen? Welche Kriterien sind dabei wichtig?
Über neue Titel oder Serien entscheiden wir in der Runde der Comic-Redakteure. Hier kann jeder Redakteur Ideen einbringen, die wir dann prüfen. Weiterhin bin ich zweimal im Jahr in Tokio, um unsere wichtigsten Geschäftspartner zu besuchen und gleichzeitig natürlich aus Store Checks vorzunehmen, um zu sehen, was es an neuen Serien gibt bzw. was sich gerade in den Top Ten der japanischen Verkaufscharts befindet. Natürlich tauschen wir uns auch mit Kollegen aus dem europäischen Ausland aus, um von dortigen Trends zu erfahren. Sehr wichtig ist uns aber auch der Kontakt zu unseren Lesern, die immer wieder mit Tipps und Vorschlägen vorsprechen. Aus allen diesen Faktoren, eigener Erfahrung und eigenem Geschmack bauen wir dann ein Manga-Programm zusammen.

Mang'Arte: Von der Manga-Serie um den Detektiv Conan wurden bereits mehr als 1 Million Exemplare verkauft. Was ist Ihrer Meinung nach das Außergewöhnliche an diesem Manga? Was macht den Hobbydetektiv so populär?
Ich denke, ganz wichtig ist natürlich die TV-Ausstrahlung auf RTL2, die stark dazu geführt hat, dass der Charakter einem breiten Publikum bekannt wird. Allerdings würde das alleine noch nicht genügen, um diesen Bestseller zu kreieren. Gosho Aoyama, der Schöpfer und Zeichner von „Conan“, hat es geschafft, mit den spannenden Fällen, bei denen jeder selbst mit kombinieren kann, junge wie auch ältere Leser in seinen Bann zu schlagen. Die Stories sind einfach spannend konstruiert, haben immer ein überraschendes Ende und die Hauptcharaktere sind sympathisch.

Mang'Arte: Können Sie für jemanden, der Detektiv Conan bisher nicht kennt, kurz Beschreiben, worum es in dem Manga geht?
Der Oberschüler Shinichi Kaio, der über einen sehr klugen Kopf verfügt und ein großer Sherlock Holmes-Fan ist, hilft der Polizei von Tokio immer wieder, Verbrechen aufzuklären. Eines Tages wird er Opfer eines Anschlages der „Männer in Schwarz“, die ihn mittels Gift töten wollen. Doch bringt ihn das Gift nicht um, sondern verwandelt ihn körperlich zurück in einen Siebenjährigen. Um unerkannt zu bleiben und seine Nächsten zu schützen, nimmt Shinichi den Namen Conan Edogawa an und macht sich auf die Suche nach den „Männern in Schwarz“ und einem Gegengift. Im Laufe dieser Suche löst er natürlich viele mysteriöse Verbrechen.

Mang'Arte: Die Mangaka Rumiko Takahashi ist nicht nur in ihrer Heimat Japan ein Star, ihre Manga sind auch in Deutschland sehr erfolgreich. Wie würden Sie den Manga-Stil von Takahashi beschreiben? Was ist charakteristisch für sie?
Rumiko Takahashi pflegt einen sehr klaren Strich und einen übersichtlichen Seitenaufbau. In den Augen mancher Betrachter könnte er sogar altbacken wirken.Typisch für sie ist der schelmenhafte Humor, der allen ihren Stories inne wohnt.

Mang'Arte: Die aktuelle Takahashi Serie „Inu-Yasha“ ist bei EMA erschienen. Wie können Sie den Lesern diese Manga schmackhaft machen?
„Inu Yasha“ ist eine Fantasy-Serie um den Hundedämon Inu Yasha und Kagome, ein Mädchen, das durch den Sturz in einen alten Brunnen im mittelalterlichen Japan gelandet ist. Auf der Suche nach einem besonderen Zauberjuwel erleben die beiden allerlei spannende bis skurrile Abenteuer. Das Ganze ist eine witzige, aber auch spannende Melange aus Fantasyelementen, Historie, Action und natürlich Romanze.

Mang'Arte: Die Animationsserien zu „Inu-Yasha“ und „Detektiv Conan“ werden im Fernsehen ausgestrahlt. Führt das eher dazu, dass die Fans weniger Manga lesen oder regen die Animes vielmehr dazu an, die entsprechenden Manga zu lesen?
Ohne die TV-Ausstrahlungen der einzelnen Animes wären die Abverkäufe der entsprechenden Manga sicher wesentlich geringer. TV-Ausstrahlung und Mangaveröffentlichung befruchten sich auf alle Fälle gegenseitig.

Mang'Arte: Nach wie vor sind japanische Manga beliebter als koreanische Manhwa. Woran glauben Sie liegt das?
Ich denke, es liegt daran, dass viele Manhwa oft nur Kopien von Manga sind. Sie also in Erzahlweise, Thematik und Bildsprache von den „Originalen“ abgekupfert sind. Außerdem werden Manhwas in europäischer Richtung gelesen, was viel von dem Reiz nimmt, den Manga mit ihrem „von-hinten-nach-vorne“ lesen nun mal bieten.

Mang'Arte: Welchen Stellenwert nehmen deutsche Mangaka in Ihrem Verlag ein?
Wenn wir jetzt nur mal von der Comicsparte der Egmont verlagsgesellschaften sprechen – es gehören ja auch noch vgs und Schneiderbuch dazu -, dann macht der Mangaanteil am gesamten Comicumsatz ca. 70% aus. Ich denke, die Zahl spricht für sich.

Mang'Arte: Worauf können sich unsere Leser in nächster Zeit freuen? Gibt es schon konkrete Pläne bei EMA für Neuerscheinungen?
Wir werden mit „Gott Gauss“ einen ambitionierten deutschsprachigen Manga der Schweizerin Viviane veröffentlichen. „Musouka“, in den wir große Hoffnungen setzen,  stammt von der Dresdnerin Diana Liessaus, und auch von der Shonen-ai-Zeichnerin Eiki Eiki, die hierzulande schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, wird es weitere Werke geben. Außerdem planen wir jetzt bereits, eine japanische Zeichnerin zur Buchmesse 2007 in Frankfurt zu holen.

Interview wurde von Patricia Czarkowski durchgeführt. November 2006

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Das Online-Magazin für das „andere“ Manga
www.arte.tv/mangarte
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Erstellt: 24-11-06
Letzte Änderung: 24-11-06