(Lachen) Ja, was soll ich dazu sagen?
Wie empfinden Sie, wenn Sie hohe Töne singen? Wie ein Sportler vor dem Sprung?Ich fühle mich ziemlich sicher. Ich habe keine großen Probleme mit hohen Tönen. Bei Bellini könnte es etwas komplizierter werden, weil sie meistens in einem hohen Bereich angesiedelt sind und man praktisch im hohen Bereich noch einmal höher werden muss. Dann spüre ich eine gewisse Anspannung. Wenn sie einem dann gelingen, dann fühlt man sich regelrecht befreit. Bei Donizetti ist es anders, da setzt man zum Sprung an, in einer gewissen Haltung wie etwa: ‚Jetzt werde ich euch begeistern’. Es ist schon aufregend einen Ton zu singen, auf den alle warten.
‚High notes are banknotes’, titelte einst eine amerikanisches Magazin.
Ja, das stimmt. Die Menschen wollen hohe Töne, das scheint so ihr kleiner Orgasmus zu sein.
Und sie wollen laute Töne...
Ja, das auch. Die fallen mir übrigens leichter als leise Töne. (Lachen)
Alfredo Krauss sagte einst: ‚Die Bühne formt die Künstlerpersönlichkeit, ruiniert aber die Stimme.’
Das hängt natürlich von der Bühne ab, von den akustischen Verhältnissen; wenn sie klein ist, dann muss der Sänger sich nicht so exponieren. Manchmal hat man tatsächlich das Gefühl, dass alle gegen die Stimme spricht. Die Bühne ist voller Staub, die Luft sehr trocken, die Bühne ist nach allen Seiten hin geöffnet, sodass die Stimme überall hingeht nur nicht zum Publikum. An der Met befeuchten sie wenigstens die Bühne, kehren den Boden. In Wien aber ist alles so trocken. Manchmal aber sitzt auch das Kostüm zu fest, schnürt der Kragen einem die Luft ab; manchmal muss man laut Anweisung eines Regisseurs aus einer völlig unmöglichen und unsinnigen Situation heraus singen.
Und wie bekommen Sie solche Dinge in den Griff?
Mit Tee, Tee und Tee und Wasser. Früher standen die Sänger ganz vorne, weil dort die Kerzen waren. Im hinteren Bühnenraum gab es keine Kerzen. Mit den heutigen Beleuchtungsmöglichkeiten hat der Regisseur alle Freiheiten, kann die Sänger willkürlich hin- und herschieben. Nur die haben dann das Problem, mit ihrer Stimme bis in die hinterste Parkettreihe durchzudringen. Mich haben sie auch an seltsamste Stellen gestellt. Ich akzeptiere das nicht mehr.
Sie wirken so friedlich...
Ich kann oft sehr abwesend wirken, vielleicht verträumt, aber eigentlich weiß ich immer, was um mich herum passiert. Gerade wenn Ungerechtigkeiten passieren, etwa mit Regisseuren. Das Erstaunliche ist dann, dass alles zu mir sagen: „Von Dir hätte ich nicht so eine Reaktion erwartet“. Ich kann sehr wütend werden. Manchmal muss man es darauf ankommen lassen. Es gibt viele Regisseure, die keine Ahnung von Musik haben, die einfach Stücke kürzen. Das ist ignorant, zeugt von fehlendem Respekt vor dem Komponisten und der Partitur. Natürlich muss man dann auslotsen, ob man jetzt was sagen soll oder lieber darauf verzichtet. Ich habe gelernt, etwas diplomatischer zu werden (seufzt). Ich habe aber auch schon eine Produktion verlassen wollen, doch sie ließen mich bisher nie gehen. (Lachen). Manchmal ist es nicht gut zu bleiben, denn wenn der Wurm einmal drin ist, dann ist auch die Zusammenarbeit nicht mehr gut.
Sie vermitteln mir den Eindruck, dass Ihnen alles gelingt.
Ich habe sehr viel Glück gehabt im Leben in jeder Hinsicht. Ich wuchs mit zwei Schwestern, und einer Mutter, die alles für mich tat, in Lima auf. Mein Vater sang gerne peruanische Folklore, er begleitete sich auf der Gitarre, weshalb ich mit zehn Jahren auch Gitarre spielen lernte – allerdings um Popmusik und Schlager zu spielen. Die Oper hat mich anfangs gar nicht so interessiert. Ich habe auf Pop-Festivals mitgewirkt, hätte auch ein Popsänger werden können. Aber ich hatte da eine Unruhe. Ich wollte wissen, wie die Musik strukturiert ist, ich wollte immer mehr wissen. Deshalb kam ich ans Konservatorium. Dort lernte ich klassischen Gesang.
Unter anderen auch am Curtis Institute von Philadelphia. Inwiefern mussten Sie sich ändern?
Das war nicht einfach, ich war knapp zwanzig Jahre alt. Plötzlich wohnte ich alleine, musste putzen, einkaufen, die Gasrechnung bezahlen und ... pünktlich werden. Doch ich werde nie pünktlich sein. Ich versuche es immer, aber ich bekomme es nicht hin.
Doch ich kann Sie beruhigen. Zum Konzert bin ich schon rechtzeitig da (Lachen). Kürzlich in Wien kam ein Kollege zu einem Abendessen mit den Worten: ‚Ich werde jetzt einmal richtig frühstücken’. Ich fand das sehr lustig.
Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt?
Ja, ich war sehr nervös, zugleich hatte ich das Gefühl, ich würde die Situation beherrschen. Das eine ist, auf die Bühne zu gehen und es gut zu machen, das andere ist, das Publikum für sich einzunehmen. Und ich spürte: ich kann beides. Auf der Bühne habe ich oft den Eindruck, dass ich über mich hinauswachse als Persönlichkeit. Im wahren Leben kann ich noch nicht einmal einen Witz erzählen. Aber wenn ich auf der Bühne bin, kann ich plötzlich sehr komisch sein.
Eine Begabung, von der Sie bei Ihrem Repertoire, das sich zu einem großen Teil mit Rossini beschäftigt, sehr profitieren können.
Ja. Auf jeden Fall. Etwa im ‚Barbier von Sevilla’ oder ‚Le Comte Ory’ , wo es sehr lustig zugeht. Rossini muss man zum Leben erwecken.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich möchte gerne mehr komponieren, Ich habe bereits Lieder orchestriert und arrangiert, Doch dafür braucht man sehr sehr viel Zeit. Und die habe ich nicht, weil ich andauernd unterwegs bin. Vielleicht schaffe ich das alles erst in einem anderen Leben.






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