DENKEN ERLAUBT ! - 27/09/05
Interview mit Laure Adler
Welches Konzept liegt ihrer Sendung zugrunde?
Die Grundidee ist einfach: Einmal monatlich laden wir einen führenden Intellektuellen mit internationalem Format ein, der seinen eigenen Werdegang schildert und über aktuelle Gesellschaftsthemen erörtert. Die Sendung wird aus drei Teilen bestehen: Zunächst werde ich ihn zu seinem Leben befragen. Danach folgt die Diskussionsrunde mit den drei jungen Journalisten. Diese konfrontieren den Gast mit den sie bewegenden Fragen, woraus ein Dialog entsteht. Zum Abschluss fasst jeder Gesprächsteilnehmer, auch der Gast, zusammen, was ihn an der Aktualität des vergangenen Monats bewegt, frappiert, empört oder interessiert hat.
Bei Ihrer Sendung sollen sich also Ideen und Generationen aneinander reiben?
Ja, unbedingt. Wir wollen eine lebendige und herzliche Sendung, deren natürliche Atmosphäre die Gesprächsteilnehmer veranlasst, aus sich heraus- und aufeinander zuzugehen. Für Intellektuelle gibt es derzeit zu wenig Gelegenheit, ihre Weltsicht darzulegen, obwohl uns diese interessieren müsste. Die Intellektuellen sind engagierte, risikobereite Weltbürger, die zur Meinungsbildung beitragen, doch sie kommen kaum noch zu Wort oder werden vereinnahmt.
Was die Form betrifft, so soll die Sendung schlicht und unaufdringlich gehalten sein, auf keinen Fall soll es eine Show werden. Fairness und Ehrlichkeit sind die Zeichen eines echten Dialogs. Es soll eine Sendung für jedermann sein, denn Denken ist allen erlaubt. Der freie Gedankenaustausch hilft beim gemeinsamen Nachdenken und beim Formulieren wesentlicher Fragen. Dafür brauchen wir die Öffentlichkeit der Agora, also auch die Plattform des Fernsehens.
Die Sendung soll also zeigen, dass die Intellektuellen nicht im Elfenbeinturm sitzen?
Genau. Sie sind Menschen wie alle anderen auch und haben außerdem besondere Kenntnisse und Einsichten. Durch ihr hohes Engagement in Theorie und Forschung, durch ihre Bereitschaft, dafür auch Risiken einzugehen, und durch ihren Wunsch, die Welt neu zu gestalten, können sie vielleicht die richtigen Worte finden und uns die heutige Welt einfühlsam und differenziert nahe bringen. Mein Wunsch wäre, dass der Zuschauer nach der Sendung den Eindruck hat, die Dinge etwas anders zu sehen als vorher. Wir wollen die Fenster des Geistes und der Seele öffnen.
Wer werden Ihre Studiogäste sein?
Zur ersten Sendung haben wir den israelischen Schriftsteller Amos Oz eingeladen. Danach ist die Anthropologin Françoise Héritier, die im Collège de France die Nachfolge von Claude Levi-Strauss angetreten hat. Der dritte Gast ist der respektlose Philosoph Peter Sloterdijk. Außerdem wollen wir Salman Rushdie, Philip Roth, Pedro Almodovar, Jean Starobinski, George Steiner und viele andere gewinnen.
Die ersten drei Gäste haben sozusagen blind zugesagt. Was ist an Ihrer Sendung für sie attraktiv?
Ich glaube, sie wollen zu Wort kommen, haben dazu aber wenig Gelegenheit. Sie vertrauen mir und freuen sich sehr, mit einem außergewöhnlichen Sender wie ARTE zusammenzuarbeiten, der ihnen in einer Sendung, die auch das Zeitgeschehen einbezieht, Redezeit einräumt.
Was ist der Vorteil einer Monatssendung?
Der Monatsrhythmus wurde von ARTE vorgeschlagen. Ich muss zugeben, dass ich auch ein wenig Lampenfieber habe. Ich freue mich sehr über mein Fernseh-Comeback, aber ich habe das jahrelang nicht gemacht. Wir werden erstmal sehen, ob eine solche Sendung die Leute interessiert, was ich doch hoffe! Wenn sich die Sendung eingebürgert hat, kann man sie immer noch ausbauen. Zunächst sollten wir den richtigen Ton und Stil, also sozusagen den Draht zu unseren Zuschauern finden. Ich bin sehr glücklich und stolz, für ARTE zu arbeiten.
Soll die neue Sendung auch neues Publikum anziehen?
Ja. Die Meinung und das Engagement der Intellektuellen und der Künstler sind etwas, das heute alle Generationen und alle sozialen Schichten angeht. Ich möchte eine Sendung für alle machen. Sie soll unterhaltsam und interessant sein. Ich möchte an Sendungen wie Cercle de minuit anknüpfen, die ich auf France 2 moderierte. Meine Zuschauer waren keine studierten Leute, sondern Großstadtjugendliche und Autodidakten. Wir wollen zeigen, dass die Kultur für alle da ist.
Das Gespräch führte Thomas Baumgartner für das ARTE-Magazin.
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Denken erlaubt!
Moderation: Laure Adler
Dokumentation, Frankreich 2004, ARTE F, Erstausstrahlung
58 Min.
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Erstellt: 21-09-04
Letzte Änderung: 27-09-05