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08/12/06

Interview mit Max Raabe

Von Teresa Pieschacón Raphael


Seit 20 Jahren leitet Max Raabe das Palastorchester, das die Schlager der 20er und 30er Jahre wieder belebt.


Wie wird aus einem Knabensänger aus dem strengkatholischen Erzbistum Paderborn ein fast preußisch gedrillter Zeremonienmeister in Berlin?
Die wohl durchdachten Choreographien unserer Konzerte finden ihren Ursprung in den Inszenierungen der katholischen Kirche.
Wie sind Sie überhaupt aufgewachsen?
Durch die gute Pflege meiner Eltern.
Sie kultivieren seit je das Image des blasierten Schuljungens - nicht ganz einfach in unserem bieder betulichen Deutschland...
.. Blasierter Schuljunge, ich muss doch bitten, da haben Sie gewiss etwas falsch verstanden. Hierzulande gibt es Biotope für jede Begabung, denken Sie nur an so segensreiche Erfindungen wie den Senatsrockwettbewerb.
Wollten Sie immer ein anderer sein, als der Sie sind?
Meine Existenz ist mir Herausforderung genug.
Woher rührt das Interesse für Musik?
Mein Elternhaus trifft keine Schuld.
Warum interessieren Sie sich ausgerechnet für die der zwanziger, Dreißiger Jahre in Berlin?
Wenn man mit frühgotischer Gambenmusik reüssiert, wird diese Frage gewiss nicht gestellt. Mein Repertoire ist die lustigste Popmusik der letzten achtzig Jahre, für mich war diese Wahl nahe liegend.
Hätten Sie tatsächlich gerne zu jener Zeit gelebt?
Nein, denn ich weiß, was nach der Weimarer Republik gekommen ist.
Kennen Sie Geschichten von Zeitgenossen oder Angehörigen aus dieser Zeit?
Diejenigen, die unser Repertoire geschaffen haben, mussten viel durchmachen, mir sind die Schicksale dieser Komponisten und Texter sehr nahe gegangen.
Wo finden Sie Ihr Repertoire ?
Manches flattert einem ins Haus, anderes muss aufwendig zusammengesammelt werden. Auf einem Flohmarkt in Berlin habe ich vor Jahren Teile eines Arrangements gefunden, dessen Reststimmen mir in einem Frankfurter Archiv in die Hände gefallen sind.
Sie sind ausgebildeter Bariton. Bedauern Sie nicht manchmal, dass Sie kein Opernsänger geworden sind?
Nö.
Ihr Ensemble feiert jetzt selbst die Zwanziger. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich versuche meine morgige Vorstellung zu verbessern, wenn ich mit der heutigen nicht zufrieden bin. Ich lebe ja nur in diesem Moment.

Erstellt: 08-12-06
Letzte Änderung: 08-12-06