Ich habe als Kind Klavier gespielt, was mir keinen Spaß gemacht hat, aber im Chor zu singen, war sehr schön. Ich habe auch Gitarre gespielt und dazu gesungen. Meine Mutter hatte schon einmal gesagt, du könntest doch Folksängerin werden. Aber eigentlich kam man auf solche Ideen in meiner Familie nicht: Meine Geschwister sind alle Akademiker, mein Vater war Diplomat. Als ich dann 16, 17, 18 war, hat das Singen im Chor in der Schule mir so viel Freude gemacht, dass ich beschlossen habe, doch etwas mit Musik zu machen.
Gibt es etwas, was Sie in Ihrem Beruf richtig frustrieren kann?
Ich würde sagen, dass es am frustrierendsten ist, mit schlechten, langweiligen Dirigenten zu arbeiten. Man fühlt sich so unwohl, ich bin kein Fan von schleppenden Tempi, lauten Orchestern, so etwas ärgert mich sehr.
Ihre spannendste Erfahrung auf der Opernbühne?
Die Zusammenarbeit mit Willy Decker bei »La Clemenza di Tito« in Paris war sehr befriedigend. Er hat ungeheuer viel gefordert, aber dabei gibt er sehr viel, so viel, dass er kaum noch etwas für sich hat, das ist fast eine Gefahr, glaube ich. Und die Inszenierung mit den Hermanns, »La finta giardiniera«, war fantastisch, es war visuell wunderschön und auch sehr lustig, wie sie die Rezitative gefüllt haben. Es ist ja eigentlich nicht die allerbeste Oper. Bis dahin habe ich immer gefunden, durch Rezitative sollte man so schnell wie möglich durchkommen, weil sie langweilig sind, aber in dieser Produktion habe ich gelernt, was man alles damit machen kann. Hier in Stockholm habe ich in einem spannenden neuen Stück, »Ståden« („Die Stadt") von Sven-David Sandström mitgewirkt, das auch für mich geschrieben war. Leider gibt es in dieser Richtung keine weiteren Projekte.
In Robert Wilsons »Alceste« in Paris haben Sie die Titelrolle gesungen. Kann man trotz strenger Choreografie noch sehr viel Emotion in eine Rolle legen?
O ja, es ist genauso wie bei einem klassischen Ballett-Tänzer. Der eine tanzt einen »Schwanensee« todlangweilig, und dann kommt jemand anders, der genau die gleichen Schritte macht, und plötzlich ist es lebendig und wunderbar. Es kommt auf die Persönlichkeit an. Aber abgesehen davon war Alceste eine schwierige Rolle, sehr hoch, obwohl wir transponiert haben, es gab auch Leute, die gesagt haben, dass ich darin weniger expressiv war als sonst. Aber für mich hat das nichts damit zu tun, dass ich mich begrenzt gefühlt hätte von der Choreografie. Man muss halt sparen, um Kapital bis zum Schluss zu haben. Es ist öfter so, wenn ich eine Rolle zum ersten Mal mache, dass ich noch nicht genau einschätzen kann, wie viel ich geben kann, schließlich möchte ich nicht im letzten Akt dastehen und keine Stimme mehr haben. Es ist sehr unangenehm, das habe ich ein paar Mal erfahren. Ich weiß nicht, wie andere Sänger das machen. Es gibt wahrscheinlich Kollegen mit so einem großen Volumen, dass sie alles problemlos singen können. Aber ich schaffe das nicht so einfach, und gerade deshalb habe ich mir mit Carmen auch viel Zeit gelassen. Sie hat sehr viel Dramatisches zu singen. Einmal oder zweimal so etwas zu singen, das geht meistens, aber bei mehr Vorstellungen kann es schon schwierig werden. Wir werden sehen...
In letzter Zeit setzen Sie Schwerpunkte im französischen Repertoire. Melisande auf CD, das erwähnte Bühnendebüt als Carmen, und Ihr jüngstes Recital gilt Liedern der französischen Komponistin Cécile Chaminade. Wie kam es zu diesem Projekt?
Auf Initiative von Bengt Forsberg, mit dem ich ja meistens zusammenarbeite. Er hat ein Faible dafür: Immer wenn er im Ausland ist, durchwühlt er Antiquariate nach alten Noten, die er noch nicht kennt. Eines Tages hat er auf einer Gastspielreise in Antwerpen eine ganze Menge Lieder gefunden von verschiedenen französischen Komponisten, unter anderem Cécile Chaminade. Bengt kannte bereits die Stücke für zwei Klaviere und wusste, dass sie eine tolle Komponistin ist. So hat er die Lieder gekauft, so sechs, sieben Stück. Und wir beide haben gespürt, wie schön und lebendig sie sind und wie gut sie auch zu unserem Temperament passen. Vor ungefähr vier Jahren haben wir ein gemischtes Programm für die Pariser Oper zusammengestellt, ein Bouquet français, mit Liedern von Reynaldo Hahn und Saint-Saëns und eben auch diesen Liedern, was wunderbar ging. Danach haben wir weitergesucht, immer mehr gefunden, das Projekt der Deutschen Grammophon vorgestellt. Und die war ganz begeistert.
Wird es nach der Carmen von Ihnen auch eine Melisande auf der Opernbühne geben?
Ja, aber ich kann da noch nichts Konkretes sagen. Ich würde zum Beispiel gern »Blaubarts Burg« singen, aber da meine Stimme nicht so durchschlagkräftig ist, darf auch das Haus nicht zu groß sein, und es gibt immer wieder Hindernisse, entweder habe ich keine Zeit oder das Haus ist zu groß oder zu weit weg. Ich bin auch traurig, dass ich die „modernen Klassiker" nicht singe. Britten hat zu wenige große Rollen, »Rape of Lucretia« habe ich einmal während meines Studiums gesungen, aber es ist so schwer auf die Bühne zu bringen. »Wozzeck« geht nicht, Janácek auch nicht. Wo es um richtige Menschen geht, nicht um Märchenfiguren, all das würde ich so gerne singen, aber die Rollen sind entweder zu klein oder sind Mütter oder unangenehme Schwestern. Meine Stimme passt nicht dazu. Ansonsten reizt mich eventuell die Brangäne, ich weiß noch nicht, ich muss diese Partie erst einmal lernen...
Und in Ihrem "angestammten" Barock-Repertoire?
Ich werde Sesto in »Giulio Cesare« in Paris singen, das ist keine neue Inszenierung, aber eine sehr gute Produktion mit Marc Minkowski, einem meiner Lieblingsdirigenten, mit dem ich immer wunderbar harmoniere. Nächsten Sommer mache ich in Drottningholm den Ruggiero in »Alcina«, auch eine sehr schöne Rolle!
Quelle: Das Opernglas 7-8/02
Wiedergabe mit freundlicher Unterstützung von






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