Die Zeichnerin hat uns mit ihrem frischen und modernen Zeichenstil ebenso überzeugt, wie die Story mit einer Mischung aus Detektivarbeit á la Sherlock Holmes zum aktiven Mitraten und der Spannung aus dem Geschichtenfundus mystischer nordischer Götterwelt.
Mang'Arte: Loki ist der Held der Manga-Reihe »Detektiv Loki – Meister für mysteriöse Fälle«. Er ist ebenso jung wie die anderen Figuren in dem Manga, die zum Großteil noch Schüler sind. Sind die Manga auch für ältere Manga-Fans lesenswert?
Loki bietet als Figur eine direkte Identifikationsfläche für jüngere Leser, ebenso wird aber betont, dass er bereits erwachsen bzw. selbst eine Gottheit ist – somit auch auf ältere Leser nicht zu kindisch wirkt.
Mang'Arte: Mit wie vielen Bänden ist die Mangareihe angelegt? Was erwartet den Meisterdetektiv alles an Abenteuern?
»Detektiv Loki – Meister für mysteriöse Fälle« umfasst sieben Bände, die Nachfolgeserie »Detektiv Loki Ragnarok – Meister für mysteriöse Fälle« nochmals fünf Bände. Jeder Band ist auch einzeln lesbar, ein Einstieg somit jederzeit möglich – aber wenn, dann möchte man auch alle Bände lesen! Die zu knackenden Fälle umfassen eine Mischung aus realem Verbrechen in Kombination mit dem Auftauchen einer Gottheit der nordischen Götterwelt. Die Götter scheinen sich ansonsten zu langweilen und treiben gern Unfug – besonders auf Kosten Lokis. Mehr sei nicht verraten, selbst lesen ist angesagt!
Mang'Arte: Welche weiteren Manga können Sie Lesern empfehlen, die sich für Detektivgeschichten oder krimiähnliche Manga interessieren?Bei Carlsen Comics liegen zur Zeit eine Reihe von Thrillern vor, die sich an eine Leserschaft ab ca. 14 Jahren wenden, zum Beispiel die Serien »Anne Freaks«, »IWGP – Ikebukuro West Gate Park«, »Wild Adapter« und der Einzelband »Line«. Dieses Segment wird weiter ausgebaut, im September erscheint die überaus spannende vierbändige Serie »Heads«, deren Autor Keigo Higashino in Japan als Krimiautor mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.
Auch »Adolf«, die fünfbändige Serie des Altmeisters Osamu Tezuka um die Verstrickungen dreier Männer namens Adolf vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, ist als Spionagethriller sehr zu empfehlen. Für Leser ab 12 Jahren sei »Black Cat« genannt, ein Kopfgeldjäger mit dem nicht zu spaßen ist. Jede Menge Action und flotte Sprüche! Beim Verlag EMA erscheint »Conan«, ein gewitzter Privatdetektiv mit großer Spürnase für jüngere Leser, einem älteren Publikum empfehle ich die großartige 18-bändige Serie »Monster«.
Mang'Arte: Was macht für Sie als Lektorin ein guter Manga aus? Worauf achten Sie bei Ihrer Auswahl für den Verlag?
Der richtige Mix aus guter Story und dazu passenden Zeichnungen muss stimmen. Ein Manga bzw. ein Comic soll spannende, komische, informative, etc. Unterhaltung bieten, wie jedes gute Buch, jeder gute Film. Eintauchen in ferne Welten, Phantasiewelten, Geschichte, Abenteuer, Alltagsstorys, Gefühle... der Leser kann für jede Stimmung, jede Laune, jeden Bedarf die richtige Lektüre finden.
Wichtig für mich ist es, die große Bandbreite der Manga herauszustellen... von »One Piece« als Abenteuer-/Gag-Story über die »Manga Love Story«, die sich das Thema Aufklärung zur Aufgabe gemacht hat, bis hin zu einem Titel wie »Barfuß durch Hiroshima«, dessen Zeichner Keiji Nakazawa als Sechsjähriger den Abwurf der Atombombe auf seine Heimatstadt erlebt hat und seine Eindrücke intensiv in Text und Bildern verarbeitet hat. Eine Arbeit, die mich persönlich tief beeindruckt hat und so viele Leser wie möglich erreichen sollte. Denn das Thema bleibt leider immer aktuell...
Und dann gibt es natürlich noch die wirtschaftliche Komponente. Jeder Verlag ist immer auf der Suche nach gleichzeitig inhaltlich wie kommerziell erfolgreichen Titeln.
Mang'Arte: Welches Manga-Genre ist bei Carlsen Comics das meist gefragteste?
Das ist nicht so eindeutig zu sagen, jedes Genre hat seine Fans. In allen Sparten, ob nun Fun+Action, Thriller, Boys Love, Fantasy, etc. können sich die Leser aus einem großen Angebot bedienen.
Mang'Arte: In Deutschland sind Manga mittlerweile Bestandteil jeder guten Buchhandlung. Japanische und koreanische Mangaka sind bei den Manga-Fans nach wie vor sehr beliebt. Können deutsche Zeichner Ihrer Meinung nach eines Tages ebenso erfolgreich werden?
Natürlich, Beispiele gibt es bereits ausreichend. Unsere Zeichnerin Judith Park (»Dystopia«, »Ysquare«) zum Beispiel erfreut sich enormer Beliebtheit, ebenso wie Nina Werner mit »Jibun Jishin« – und viele, viele Nachwuchszeichner schwingen den Zeichenstift. Erstaunlich dabei ist, das es zu mindestens 90% junge Frauen sind, die als Zeichnerinnen auf den Markt drängen – das gibt es nur bei Manga!
Mang'Arte: Wie wird die Präsenz von deutschen Mangaka in Japan oder anderen Ländern wahrgenommen? Gibt es einen Austausch zwischen Verlagen aus verschiedenen Ländern?Die Japaner bestaunen zunehmend die Entwicklung der deutschen Mangaka, und der deutsche Zeichner Schluse (René Scheibe) wurde als Gewinner des SHONEN JUMP BANZAI!-Preises 2005 mit einer Kurzgeschichte im japanischen Magazin AKAMURA JUMP veröffentlicht. Zahlreiche Lizenzverkäufe ins Ausland beweisen die Qualität deutscher Mangaka, von Judith Park wurden Lizenzen nach Frankreich, Korea, Griechenland, Italien und Russland vergeben. Nina Werners Manga wird in Griechenland und Frankreich erscheinen, mit weiteren europäischen Ländern wird gerade verhandelt.
Mang'Arte: Was sind die Manga-Highlights von Carlsen Comics für diesen Sommer?
Auf jeden Fall zu nennen ist der neue Comedy-Hit »Mirmo!«, eine erfrischende Geschichte um ein junges Mädchen, das sich verliebt und unerwartet Hilfe von recht ungewöhnlichen Feen erhält. Ein großer Spaß! Das gilt auch für den Titel »Der Entenprinz«, einer äußerst komischen Umsetzung des Klassikers »Hässliches Entlein wird zum schönen Schwan«. Die Fun+Action-Serie »Naruto« ist bereits seit einigen Jahren Dauerbrenner und wird immer erfolgreicher. Geballte Action für Leser ab 14 verspricht »Black Lagoon«, bislang sind in Japan vier Bände der modernen Piratenstory im Lara-Croft-Stil erscheinen. Und wer es ein wenig frecher mag, dem sei »Girls Bravo« ans Herz gelegt... ein junger Mann, der allergisch auf Frauen reagiert, nur nicht auf hübsche Außerirdische! Weiterhin der bereits oben erwähnte neue Thriller »IWGP – Ikebukuro West Gate Park«, in dem reale Fälle aus der heutigen Zeit im Tokioter In-Viertel Ikebukuro gelöst werden. Und last but not least, das Rache-Epos »Lady Snowblood«, das unter anderem als Inspirationsquelle für Tatantinos »KILL BILL« gilt und bei Carlsen in zwei dicken Bänden mit je über 500 Seiten erscheint.
Interview wurde von Patricia Czarkowski durchgeführt. Juni 2006






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