- Wie schafft man den Sprung von der absoluten Anonymität eines Hochschülers an der dänischen Musikhochschule bis hin auf die internationalen Podien?
Immer wieder sagen mir Leute: „Ich will eine Karriere. Wie macht man das?“ Mein Professor hat gleich gesagt: „Vergiss das Wort . Schau, dass Du so gut wie möglich spielst, dass Du Dein Potential nützt.“ Deshalb habe ich viel Geduld gehabt. Dabei war ich, als alles anfing, mit einundzwanzig Jahren ja relativ alt; heutzutage haben schon viele mit vierzehn eine Karriere.
- Doch wie schafft man den Sprung dann tatsächlich?Der Sprung ist natürlich schwer, man muss auch Glück haben. Der Brüsseler Wettbewerb war für mich Glück. Und dennoch ist nach dem Wettbewerb nicht alles automatisch gegangen. Es gibt so viele erste Preise, doch an wie viele Künstler kann man sich noch erinnern?
- Dann aber sind Daniel Barenboim und Rostropovitsch ins Spiel gekommen...
Das war ein Jahr danach. Und dann ging alles sehr schnell.
- Zweites Problem: Wie kommt man an eine gute Geige?
Wir jungen Geiger haben alle Probleme, weil die Geigen so teuer geworden sind. Vor dreißig Jahren hätte man sich noch eine leisten können; heute bekommt man unter 2,5 Millionen Dollar nichts Besonderes. Normal sind drei oder vier Millionen Dollar. Mit vierzehn hatte ich eine Guarnerius allerdings nicht del Gesu von einer Stiftung in Dänemark. Seitdem habe ich mich durchgewurschtelt und das war sehr frustrierend. Eine Geige gehörte einer Geigenhändlerfirma, die sie mir einige Jahre zur Verfügung stellte. Immer wieder war ich auf der Suche nach Sponsoren, in Dänemark sagte man mir zunächst wieso man soviel Geld für eine Person ausgeben sollte, wenn man dafür für zwanzig Personen zwanzig sehr gute Geigen kaufen könnte.
- Das klingt plausibel
Ja. Da haben Sie Recht. Dabei gibt es Geigen genug. Bei Stiftungen und Sammlern sind die alle. In meinem Fall war es nur eine Sache des Geldes. Meine Familie, die mich immer sehr unterstützt hat, konnte das Geld nicht aufbringen. Welche Familie könnte das?
- Wie sieht es jetzt aus?
Das Königlich Dänische Theater – unterstützt durch die Velux Foundations und die Knud Højgaard-Stiftung – hat mir dann doch ein Instrument als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt, die Stradivari "ex-Liebig" von 1704.
- Apropos Familie; Sie beschäftigen sich sehr mit ihrer Geschichte...
Die ganze Familie stammt aus Polen, die Familie meiner Mutter ist noch vor dem Krieg ausgewandert, wegen des Antisemitismus in Polen. In Dänemark konnten sie bleiben, dort ist auch meine Mutter geboren. Mein Vater stammt aus Polen, hat seine Teenager Zeit in Israel erlebt . Eines Tages wollte er eine Bekannte in Kopenhagen besuchen und hat dort meine Mutter getroffen. Er ist immer noch da. Der Antisemitismus in Polen wurde in den Sechziger Jahre wieder schlimmer und deshalb sind sie auch nicht zurückgekehrt. Untereinander sprechen wir Dänisch, meine Eltern hebräisch.
- Spielen auch speziell jüdische Traditionen in Ihrem Leben eine Rolle?
Ja. auf jeden Fall. Ich bin jüdischen Glaubens. Ich habe eine starke jüdische Identität, eine große Liebe zu dem Land Israel. Mein Hauptwohnsitz ist in Israel. Ich finde die Situation derzeit so tragisch. Die Menschen haben einfach Angst, die Leute wollen Frieden, mehr als alle andere auf der Welt. Meine Großeltern und Cousins leben dort und bekommen alles unmittelbar mit.
- Wir kommt es, dass es so viele gute jüdische Geiger gibt?
Das ist eine sehr gute Frage, das ist vielleicht die Tradition. Das Instrument gehört zum Folklore; bei den vielen Progromen war es praktischer eine Geige mitzunehmen, als ein Klavier. Manche Leute sprechen auch von einem spezifischen „jüdischen Ton“. Das kommt vielleicht vom Kantor aus der Synagoge. Vielleicht ein bisschen ähnlich wie bei den Zigeunern.
- Als Jüdin erlaube ich mir die Frage: Hat man als jüdischer Musiker speziell im politisch korrekten Deutschland und in Amerika einen Bonus, gerade weil es einem Tabubruch gleichkommt, wenn man einen Ausländer oder einen Juden kritisiert?
Ich habe davon noch nichts gemerkt. Heute muss man nur gut spielen. Es geht um Leistung. Doch ich möchte Ihnen eine ganz andere bittersüße Geschichte erzählen. Der größte Traum meines polnischen Großvater war es, Geige zu spielen. Sie waren sehr arm, doch er hat seinen Vater überredet. Dann starb der Vater und sie hatten noch weniger Geld. Es war Winter, es war kalt und die Geige wurde in den Ofen getan, für ein Paar Minuten Hitze. Ich bin so stolz darauf, dass ich das weiterführen kann, was mein Großvater wollte.






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