-Sie sind ein bekennender Autonarr.(Lachen) Oh, ja! Ich liebe den Klang eines Motors, jeder hat einen anderen Sound, es ist wie in der Musik.
- Dann machen wir ein kleines Spielchen. Wenn Sie Autos mit Komponisten vergleichen müssten; wer fällt Ihnen bei Porsche ein?
(Lachen) Oh, das ist schwer... Einen Porsche würde ich mit Brahms assoziieren.
- Bei einem Ferrari?
(Lange Pause) Mit Tschaikowski.
- Einem Mercedes?
Mit Beethoven (Lacht).
- Sie selbst haben einen BMW.
Ja, aber ich kann ihn gar nicht fahren. Ich habe aber hier keine Erlaubnis. Die Lizenz ist nur in China gültig.
- Als Sie beim Chopin-Wettbewerb in Warschau im Jahr 2000 mit einer Goldmedaille und 25.000 Dollar Preisgeld die Bühne verließen, war da die Versuchung nicht sehr groß, sich einen Sportwagen zu kaufen?
(Lachen) Nein, erst einmal war ein Klavier wichtig, und dann das Auto. Ach, ich würde schon gerne viele Autos haben. Musiker sind oft an raschen Autos interessiert; Karajan ist das beste Beispiel dafür. Ein Auto ist so aufregend, die Mechanik, die Technik, die Schönheit des Designs, und auch die Gefahr, in die man sich begibt, wenn man schnell fährt, ist faszinierend. Klavierspielen kann auch gefährlich sein. Man weiß nie, was aus dem Konzertabend wird.
- Man kann den Termin auch verschlafen. Wie Sie in einem Spot für einen berühmten Sportschuh, in dem Sie durch die Stadt hetzen und um ein Haar Ihren Auftritt verpassen. Ist Ihnen ein solcher Albtraum einmal passiert?
Ich hatte eine Erfahrung, die dem nahe kommt. Ich war so besorgt, dass ich nicht rechtzeitig zum Konzert komme, wir standen im Stau. Ich komme manchmal zu spät zu den Proben, weil ich einfach zu müde bin. Bevor ich auftrete, bin ich sehr nervös, aber nicht ängstlich. Ich will dann unbedingt auf die Bühne. Nach dem Konzert geht es mir gut.
-Was bedeutet Ihr Name Yundi Li?
Yundi heißt Junge. Li ist der Familienname. Ich bin Einzelkind. Man darf in China nur ein Kind haben. Meine Mutter arbeitete nicht, sie hat sich ganz mir und meiner musikalischen Erziehung gewidmet. Mein Vater ist in der Edelstahlproduktion als Manager beschäftigt. Sie beide lieben chinesische Volksmusik sehr, haben mich aber immer in meiner Liebe und Beschäftigung mit klassischer Musik unterstützt. In Shenzhen, wo ich aufgewachsen bin, ist klassische Musik nicht so populär.
- Obwohl Sie in einem Interview sagten, dass mittlerweile 10 Millionen Kinder in China eine Musikschule besuchen.
Bei 1, 3 Milliarden Menschen, ist das natürlich nicht so viel! Ich glaube aber, dass wir, Lang Lang und ich, sehr dazu beigetragen haben das Klavier populär zu machen.
- Dennoch werden Sie dort eher wie ein Popstar gefeiert. In Hong Kong brach bei einem Ihrer Auftritte eine regelrechte Massenhysterie aus. Hat Sie das nicht gestört?
Ich weiß nicht wie das kam. Meine erste Chopin-CD rangierte in den taiwanesischen Popcharts plötzlich unter den Top 10. Und plötzlich standen viele kreischende Mädchen um mich herum, die mir ihre Telefonnummern gaben. Ich würde nie zurückrufen, aber es stört mich auch nicht. Ich hoffe somit, viele Leute zur klassischen Musik zu bringen.
- Vielleicht lag es ja an den 'designten' Rock’n Roll Leibchen oder schwarzen Meditationsanzügen, mit denen Sie auf PR-Photos zu sehen waren.
Für die erste Aufnahme war das in Ordnung. Dennoch mag ich dieses Image nicht. Es hat nichts mit mir zu tun. Sie sehen ja auch, dass ich auf meiner jetzigen CD ganz anders aussehe. Am Anfang wusste ich nicht, was los war, wie das System funktioniert. Aber jetzt weiß ich es, bin selbstbewusster geworden und kann mehr meine Vorstellungen artikulieren.
- Im Interview betonen Sie, klassische Musik sei keine Modenschau.
Ja, dabei bleibe ich auch. Normalerweise sehe ich ja nicht aus wie auf manchen dieser Bildern. Ich wusste einfach nicht wie das Ganze funktioniert. Man braucht doch einige Erfahrungen, bevor man weiß, was gut für einen ist.
- Sie wollten bereits als Kind immer anders sein; wie sehr kann man das in einem sozialistischen System?
Ich liebte klassische Musik und war damit anders als die Kinder aus meiner Umgebung, die sich prügelten und nur Fußball spielen wollten. Und ich wollte unbedingt erfolgreich sein auf diesem Gebiet. Ich weiß nicht weshalb. Aber ich habe ein starkes Gefühl, erfolgreich sein zu müssen. In China ist man sehr ehrgeizig, man will immer besser sein. So bin ich auch erzogen worden.
- Es heißt, die asiatische Erziehung basiere auf dem Prinzip des Gehorsams. Als Musiker aber müssen Sie stets eigene Entscheidungen treffen. Wie lösen Sie diesen Konflikt?
Sie haben völlig recht und sprechen etwas sehr Wichtiges an. Ich bin selbst ja sehr streng chinesisch erzogen worden, die Erziehung war sehr gut, sehr ernst, die Eltern nehmen sehr acht auf einen, man ist selten sich selbst überlassen. Und was der Lehrer sagte, musste gemacht werden. Ich aber wurde oft wütend als Kind, wenn ich zu sehr bevormundet wurde.
- Seit zwei Jahren leben und studieren Sie in Hannover...
Der Aufenthalt hier hat meinen Horizont ungeheuer erweitert. Ich habe viel von meinem Lehrer Arie Vardi gelernt. Andererseits: Wir Chinesen haben eine Fünftausendjährige Geschichte hinter uns und das hilft uns manchmal die Geschichte anderer Länder besser zu verstehen. Dennoch verstehe ich mich als ein Chinese; ich will mein Land hier repräsentieren und will besser und besser werden.
- Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich weiß es nicht. Jetzt bringe ich nach meiner Liszt-Aufnahme wieder eine Aufnahme mit Chopin heraus. Mozart und Beethoven würde ich gerne spielen. Vor allen Dingen muss ich einfach besser werden. Immer besser.
- Zu einfach für Kinder, zu schwer für Erwachsene, sagte sinngemäß der von Ihnen so bewunderte Pianist Arthur Rubinstein
Ich glaube ich bin im richtigen Alter. Ich habe schon als Kind Mozart gespielt.






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