In meiner Heimat gibt es noch immer eine große Tradition und viel Volksmusik, wir haben auch viele Lieder zuhause gesungen. Ich hege eine große Liebe zur Musik von Janacek, nicht nur wegen seiner Volksmusik. Die Musik ist so persönlich und emotional für mich, denn sie erinnert mich an meine Heimat, an meine Kindheit.
"Alles was man erlebt, schlägt sich in der Stimme nieder!"
- Dabei hatten Ihre Eltern nicht unbedingt mit Musik zu tun
Meine Eltern waren Wissenschaftler, meine Mutter ist Biologin, mein Vater starb, als ich elf war, er war Mathematiker. Beide aber haben sehr früh erkannt, dass ich begabt war und es war sehr spannend für beide, die Welt der Musik zu entdecken.
- Mathematik und Musik stehen ja auch in mancher Verbindung
Ja, das stimmt, mein Vater hat sogar Violoncello gespielt, aber er war kein Musiker. Ich war im Kinderchor und sie haben mir ein Klavier gekauft, plötzlich gab es mit mir noch sehr viel mehr Musik zuhause als vorher.
- Haben Sie eine naturwissenschaftliche Ader an sich entdeckt?
Nein, eigentlich nicht. Ich war in meinem Leben eigentlich immer nur auf Musik konzentriert. Doch ich liebe es, Menschen zu treffen, die andere Dinge machen. Und ich möchte mich in meinem Leben auch nicht auf bestimmtes Repertoire konzentrieren, das wäre doch viel zu langweilig. Ich studiere gern etwas ganz Neues ein und entdecke darin oft Bezüge zu dem, was ich bereits kenne. Das ist eine große Bereicherung für meinen Gesang.
- Wie war Ihre Jugend?
Wir sind im Sozialismus aufgewachsen, doch meine Situation war sehr glücklich, denn ich kam in den Genuß der guten Seiten dieses Systems. Die Ausbildung war sehr gut, es war keine Frage von Geld, sondern nur von Talent, ob man ein Ausbildungsplatz bekam. Es war eine gute Schule, sehr streng geführt, wir haben sehr viel gelernt. Ich habe eine gute Basis aufbauen können, von der ich heute sehr profitiere. Ich dachte mir als junge Frau immer nur: ‚Wenn ich richtig gut bin, dann kann ich eines Tages am Nationaltheater in Prag singen’. In den Westen zu gehen, im Ausland aufzutreten, daran habe ich damals nie gedacht. Das war eigentlich gut, denn das Wichtigste war wirklich nur die Musik für mich und nicht der Wunsch, diese oder jene Rolle etwa an der Met singen zu wollen.
- Eigentlich wollten Sie auch Pianistin werden
Ich war so verliebt in das Klavier, wir hatten ein Klavier im Kindergarten. Gleichzeitig habe ich aber viel gesungen. Mit 14 musste ich mich entscheiden. Zunächst wollte ich mich als Pianistin ausbilden lassen, dann habe ich mir, vor der Aufnahmeprüfung, die Hand verletzt, es war nichts Schlimmes, aber ich hätte nicht die Prüfung machen können. Dennoch wollte ich unbedingt an das Konservatorium und habe dann einfach die Gesangsprüfung gemacht. Ich wurde akzeptiert. Ein Jahr später habe ich dann auch die Klavierprüfung bestanden und habe beide Fächer studiert. Das war viel Arbeit. Ich bekam eine Spezialerlaubnis. Nach vier Jahren aber musste ich mich endgültig entscheiden. Das Singen lag mir mehr.
-Wie haben Sie das gemerkt?
Ich hatte weniger Lampenfieber, es entsprach mir mehr. Ich glaube, es hat etwas mit Kommunikation zu tun. Mit dem Klavierspielen fühlte ich mich immer so alleine, hatte keinen Kontakt zum Publikum. Beim Singen kann man den Menschen auch mal in die Augen schauen. Ich war gerade 16, da habe ich mit einem Renaissance-Ensemble schon Konzerte gegeben. Die Wahl eines Instrumentes hängt auch mit den Charakter ab. Singen ist eine schöne körperliche Erfahrung, aber auch eine gefährliche und anfällige Angelegenheit, etwa wenn man eine Erkältung hat. Auch psychologisch ist man anfällig. Es ist alles sehr zerbrechlich. Alles was man erlebt, schlägt sich in der Stimme nieder. Sie zeigt, wie man sich fühlt. Wenn etwas was nicht funktioniert, ist dies schwer zu beherrschen.
-Hat Sie die Klavierschulung dennoch im Singen beeinflusst?
Ja sehr. Zum einen in praktischer Hinsicht, ich brauche keinen Korrepetitor, zudem bekommt man ein Gefühl für Harmonien. Wenn ich mit Orchester singe, dann höre ich auch die Stimmen der anderen Instrumentalisten heraus. Ich denke nie nur an meine Linie, ich höre den gesamten Klangkomplex. Manche Sänger hören nur sich und ihre Linie und merken noch nicht einmal, dass sie begleitet werden (Lachen). Das Interessante am Klavier ist, man kann alle Stimmen gleichzeitig spielen und das Ganze hören. Beim Singen geht das nicht. Man lernt auch manche Partien schneller, wenn man Klavier spielen kann. Man hat dann auch eine visuelle Vorstellung des Werkes.
-Wie kein anderer beobachtete Janáček die Sprache seiner Landsleute, sammelte Volkslieder und prägte die so genannte „Sprachmelodie“. Ist die tschechische Sprache tatsächlich „musikalischer“ als andere?
Wichtig sind der Akzent und der Vokallaut bzw. dessen Länge. Die Akzente sind notiert, fallen in der Regel wie beim Deutsch auf den Hauptstamm und das ist bereits musikalisch und interessant. Bei vielen Wörtern folgt nach dem Akzent auf der ersten Silben gleich ein lang anhaltender Vokal. Das ist fast wie Musik! Ich glaube, Janacek hat viel mit diesem Aspekt gearbeitet.
- Sie haben auf Französisch viel gesungen, in der ARTE Sendung singen Sie nun mit den Rückert-Liedern von Gustav Mahler auf Deutsch. Bei welcher Sprache haben Sie das Gefühl, dass sie in Harmonie mit Ihrem Gesang ist?
Ich glaube, die Muttersprache liegt einen immer am meisten. Alles ist selbstverständlich, man findet leichter Farben. Ich liebe es aber auch, in Französisch zu singen, obwohl ich mich anfangs sehr schwer tat. Nicht nur die Sprache selbst, sondern auch die Artikulation und das Zusammenbringen der Töne mit den Silben, den Buchstaben ist nicht einfach. Da gibt es ja nicht unbedingt eine Analogie zur Musik wie zum Beispiel in der italienischen Musik. In Französisch wird mit jedem Wort etwas anderes gesagt, dafür muss man immer andere Farben finden. Italienisch ist natürlich sehr theatralisch. hier ist die melodische Linie das Wichtigste, es braucht nicht so viel Detailarbeit wie beim Französisch. Französisch ist wie ein Mosaik. Man muss das Ganze von vielen Ebenen aus zusammentragen, Italienisch kann man eher in einem Bogen bewältigen und Deutsch steht irgendwie zwischen diesen beiden Polen.







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