(Lachen) Ja, ich bin ein echtes „Cowgirl“. Die Stiefel aber habe ich heute zu Hause gelassen (Lachen). Alle meine Verwandten, meine Großeltern machen Rodeo, ich kann sogar reiten. Die Großeltern haben eine Ranch mit vielen Tieren - Tausende Hektar groß.- In Roswell, New Mexico
(Lachen) Das liegt mitten in der Wüste, nicht weit von El Paso und der Grenze zu Mexiko und hat vielleicht 50.000 Einwohner
- Angeblich schlug hier 1947 ein UFO ein
Ja, ich war das! Quatsch, ich kam erst später zur Welt und ein Wunderkind war ich nun wirklich nicht, eher eine Spätentwicklerin! Meiner Mutter war sehr musikalisch und auch meine Schwester. Ich spielte Klavier bereits mit sieben Jahren. Als ich in die Pubertät kam, zog meine Familie ins nahe gelegene texanische Midland. Ich ging in den Chor. Singen, Klavier und überhaupt Musik wurden zu meiner Welt. Ich spürte, dass Singen mir mehr entsprach als das Klavierspielen; es ist einfach eine sehr offene Form des Ausdrucks, unmittelbarer. Wenn man singt, schaut man jemandem in die Augen und das ist eine ganz andere Vermittlung von Musik.
-Sie beschlossen Ihre Stimme ernsthaft ausbilden zu lassen
Ganz spät habe ich gemerkt, dass ich „eine Stimme“ habe. Ich dachte nie, sie sei besonders, aber ich dachte, ich könne gut mit ihr umgehen. Ich hatte ein Gefühl für Musik, doch ich glaubte nicht wirklich daran. Meinem Vater zuliebe schrieb ich mich an der Technischen Universität in Texas ein, um etwas „business“ zu erlernen. Doch ich hatte nicht den Eindruck, dass ich weiter komme. Ich ging nach New York, an die Manhattan School of Music. - Was sagten Ihre Eltern dazu?
Sie konnten nicht verstehen, dass man dies als Job ausüben könnte. Auch heute sind sie manchmal etwas irritiert. Als Helmut Newton mich für ein Porträt in einem amerikanischen Modemagazin mit dramatischem Make-up und schulterfreier Robe fotografierte, konnte sich meine Mutter die Bemerkung nicht verkneifen: ‚Das sieht ja aus wie im Play-boy’. Mein tiefreligiöser Bruder sagte nichts, aber ich weiß: Er war geschockt.
- Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie in Roswell geblieben wären?(Lachen) Vielleicht würde ich heute aussehen wie die Lucy Ewing aus der Serie ‚Dallas’. Nein, im Ernst. Obwohl meinen Eltern viele Dinge eines Künstlerlebens fremd sind, gaben sie mir auch den Glauben an mich selbst. Daraus schöpfe ich die Kraft für dieses Sängerleben. Und: ich habe mir meinen „Cowgirl-spirit“ erhalten. Ich bin ziemlich hart im Nehmen. Das braucht man auch bei diesem Wanderzirkus Oper.
- Erzählen Sie!
Wir sind wahre ‚dare devils’. Immer wieder hat man die unterschiedlichsten Krankheiten im Hals und in der Kehle. Doch, schauen Sie mich an: Ich laufe nicht mit einem Schal im Hochsommer herum, aus Angst eine Erkältung aufzuschnappen. Ich liebe die körperliche Freiheit.
- Die manchmal ziemlich eingeschränkt sein kann auf der Bühne
Da sprechen Sie genau das richtige Thema an! Mal muss ich Balkons hinaufzuklettern, mal Wände überspringen; dann wieder auf einer steilen Treppe die Stimme ohne jegliche Anspannung gleiten lassen. Und dann die albernen Regieeinfälle verkraften, wie damals in Mozarts „Indomeneo“ in Paris. Einen Tanz der Seefrüchte wollte der Regisseur. Jetzt stellen Sie sich mich mal im Kostüm eines Tintenfisches vor! (Lachen) Das Liebes-Duett von Idamante und Ilja fand dann sogar auf einem Schaukelpferd statt - es war fast wie im Rodeo! (Lachen)
-Sie haben viele„Hosenrollen“ verkörpert: Cherubino in Mozarts "Hochzeit des Figaro", den Octavian in Strauss' "Rosenkavalier".
Meine Größe prädestinierte mich schon für diese Rollen. Ich bin ja sehr groß und recht athletisch für eine Sängerin. Und natürlich auch meine Stimme
‚Ein bisserl oben, ein bisserl in der Mitte und ein bisserl unten’, nannte es kokett die große Mezzosopranistin Christa Ludwig.
(Lachen) Ja. So ärgert man die Soprane und die Altistinnen. Irgendwie brauchen wir ja einen Ausgleich, denn im Gegensatz zu den anderen gelten wir ja als unkompliziert. (Lachen)
- Ihre große Liebe aber gilt der französischen Musik
Ja. Gefühle, die wie aufgesetzte Gesten wirken, wie oft im italienischen Belkantorepertoire mag ich nicht. Die französische Musik ist sehr klar und braucht eine Stimme, die eine grosse dynamische Spannbreite hat, aber auch sehr schlank, sehr sanft sein kann. Beim Französisch muss man ebenso wie beim Spanisch aufpassen, dass der musikalische Rhythmus nicht den sprachlichen Rhythmus unterdrückt oder umgekehrt. Die Verständlichkeit des Textes ist sehr wichtig. Noch wichtiger die Sensualität der Sprache. French is sexy, hat so viele Farben. (Lachen)
- Gluck und Mozart aber sind Sie auch sehr verbunden
Oh ja und bei Händels "Alcina" hatte ich gar das Gefühl nach Hause zu kommen.
-Fast zuhause waren Sie, als Sie in der Uraufführung von Jake Heggies Oper "Dead Man Walking" die Sister Helen mimten, jene Rolle, die seinerzeit eindrucksvoll von Susan Sarandon im Kino verkörpert wurdeJa, das war im September 2000 in San Franzisko. Ich weiß das noch, weil mein Vater in einem Krankenhaus in Texas im Sterben lag. Jeden Tag habe ich ihn angerufen. Erst nach der Premiere konnte sie zu ihm. Wir lachten, sprachen und weinten sehr viel. Nach drei Tagen musste ich zu Aufnahmen wieder fort und ich versprach ihm, in einer Woche zurückzukommen. Er starb noch am gleichen Abend. Da man mich bei den Aufnahmen nicht stören wollte, wurde ich erst am nächsten Morgen benachrichtigt. Meine ganze Familie war da als er starb, nur ich nicht.
-Wollen Sir irgendetwas an Ihrer Lebensführung einmal ändern? Fast das ganze Jahr sind Sie unterwegs...
(Lachen).... Und meine Wohnung in New York sehe ich nur, wenn ich dort Konzerte habe. Ich gebe zu, ich weiß oft nicht mehr, was ‚normal’ ist. Andererseits: Ich mag auch kein Dasein, das auf die unkomplizierte Mittelmäßigkeit spekuliert. Wer Angst vor emotionalen Pannen hat, Angst vor Schmerz, der hat auch Angst vor der bedingungslosen Freude. Ich habe mich entschieden. Die Karriere ist wie ein Kind, sie verlangt sehr viel Aufmerksamkeit und Arbeit. Man muss alles für diesen einen Moment geben, wenn die Lichter auf der Bühne angehen.
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