Berlinale 2009 - Richard Bellia - 07/02/09
Interview vor dem Start
Vom 5. bis 15. Februar erhält das ARTE-Journalistenteam Verstärkung durch den Rockfotografen Richard Bellia, der ein neues Blog mit täglichen Posts anbietet. Ein Interview vor dem Start.
Was haben Sie seit unserer letzten Begegnung bei den Filmfestspielen von Cannes im Mai 2009 gemacht, und welche Projekte laufen zurzeit?
Richard Bellia: Ich habe rund ein Drittel meiner Zeit verschlafen, wie es jeder Mensch durchschnittlich tut. Ansonsten bin ich viel unterwegs, um mein Buch „Un Œil sur la Musique“ vorzustellen. Gleichzeitig zeige ich eine Ausstellung mit Fotos im Großformat. Und da unser Planet von Musikfreunden bevölkert ist, ist das eine sehr angenehme Art zu reisen.
Dieses Jahr ändert sich das Konzept Ihres Blogs für ARTE. Was ist neu?
Am Rande der Berlinale werden wir auch einen Blick auf das Leben in Berlin werfen. Denn schließlich gibt es nicht nur Filme im Leben! Ich versuche schon lange, das den Leuten von ARTE klarzumachen, und ich glaube, so langsam kann ich sie überzeugen. Das ist fast so etwas wie ein persönlicher Sieg für mich.
Außerdem werde ich wieder einmal anregen, dass alle Journalisten eine La Ola machen, sobald ein Schauspieler in einer Pressekonferenz den Satz „When I read the script“ sagt. Ich habe immer noch Hoffnung, dass das eines Tages klappt.
Wie bereiten Sie sich darauf vor, mit Hilfe Ihrer Fotos und Kommentare einen Eindruck von „der Stadt und ihren Bewohnern“ zu vermitteln?
Cannes und Berlin, die beiden bedeutendsten Filmfestspiele in Europa, sind grundverschieden: In Cannes ist es heiß und alle laufen halbnackt herum, um sich interessant zu machen. In Berlin ist es kalt, und es wird weniger angegeben. Rund zehn Grad Temperaturunterschied erklären dieses Phänomen. Ansonsten bezeichnen alle, aber auch wirklich alle Berliner, denen ich bisher begegnet bin, das Stadtviertel, in dem sie leben, als „cooler als die anderen Viertel von Berlin“. In Cannes schwärmen die Leute eher von ihrem Fitnessclub oder ihrem Schönheitschirurgen. Das ist nicht dasselbe.
Was halten Sie von der deutschen Kultur und den Deutschen im Allgemeinen?
Wissen Sie, ich bin an der deutsch-französischen Grenze groß geworden; hinten in unserem Garten war ein Bunker der Maginot-Linie. Wenn früher Deutsche im Dorf waren, konnte man sicher sein, dass zwei Wochen später ein Weltkrieg ausbrach. Aber das ist jetzt Geschichte; ich habe Deutschland kennen gelernt und habe viele Freunde dort.
Welches allgemeine Bild haben Sie von der Berlinale?
Die Berlinale ist wie ein Mikrokosmos innerhalb Berlins. Dort wird von nichts anderem geredet als von Filmen, und zwar auf Englisch. Wirklich kurios.
Sind Sie ein Filmfreund? Welches war der letzte Film, der Ihnen gefallen oder nicht gefallen hat, und warum?
Im Jahr 2000 habe ich „Dancer in the Dark“ gesehen; den Film fand ich gut. Am Ende stirbt die Heldin, wenn ich mich recht erinnere. Ansonsten gehe ich selten ins Kino. Ich finde das viel zu teuer.
Gibt es in anderen Bereichen Dinge, die Sie besonders mögen (oder auch nicht)?
Das Album der Gruppe Variety Lab (das mit Sicherheit 2009 ein weltweiter Hit wird) und die amerikanische Fernsehserie „How I Met Your Mother“.
Könnten Sie zum Abschluss zusammenfassen, was Sie von Ihrem neuen „Photo Report“ für ARTE erwarten?
Ich würde gern im Pressebereich des Festivals eine Nachricht finden: „Lieber Richard, wir sind uns letztes Jahr hier kurz begegnet; bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie diese Nachricht lesen. Ihr Neil Young.“ Man darf ja träumen ...
Erstellt: 29-01-09
Letzte Änderung: 07-02-09