Mang'Arte: Wann bist Du das erste Mal in Kontakt mit Manga gekommen und was hat Dich daran fasziniert?Ich bin zum ersten Mal mit ca. 12 Jahren durch die TV-Serie Sailormoon auf den Mangastil aufmerksam geworden. Vom ersten Moment an hat mich der Stil fasziniert. Ich war beeindruckt von der starken Ausdruckskraft der Figuren und der Rolle der Frau, die als normales Schulmädchen eine Heldin ist.
Mang'Arte: Du hast Dir das Manga-Zeichnen selbst beigebracht, indem Du erst Manga-Figuren abgezeichnet hast; mit der Zeit entwickelte sich dann Dein eigener Stil. Wer waren Deine Mangaka-Vorbilder?
In der ersten Zeit habe ich ausschließlich Figuren der Serie Sailormoon abgezeichnet und mich wie verrückt gefreut, wenn es hier in Deutschland mal einen Aufkleber, Haarspangen oder Ähnliches von der Serie gab. Doch als ich bemerkte, dass es über Sailormoon hinaus noch mehr innerhalb des Mangastils zu entdecken gibt, ließ ich mich von vielen verschiedenen Zeichnern inspirieren. Lange Zeit war Satoshi Urushihara mein Idol.
Mang'Arte: Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben und was kennzeichnet diesen Stil?
Ich liebe den Mangastil, doch als deutsche Zeichnerin ist es mir wichtig, den Figuren auch einen gewissen europäischen Touch zu geben. Mir ist wichtig, etwas Eigenes zu entwickeln. Für mich ist es wahnsinnig spannend den japanischen Mangastil mit europäischen Elementen zu verbinden. Daher spielen meine Geschichten auch immer in europäischen Gegenden und nicht in Japan. Hier kenne ich mich aus und kann mir vorstellen, wie die Figuren agieren würden. Eine Geschichte in Japan spielen zu lassen, wäre mir außerdem viel zu riskant, da ich mich nicht genug mit den Sitten und Gebräuchen der Menschen auskenne.
Mang'Arte: In Zusammenarbeit mit Guido Neukamm sind bereits einige Deiner Zeichnungen im renommierten Tokyopop-Verlag veröffentlicht worden. Wie ist der Kontakt zu Tokyopop entstanden?Ich habe seit 2001 an vielen verschiedenen Wettbewerben teilgenommen. 2003 hatte ich dann das Glück von Tokyopop direkt gefragt worden zu sein, ob ich Lust hätte eine Kurzgeschichte für den Verlag zu zeichnen. Ich habe mich riesig gefreut und sagte natürlich zu, doch bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich lediglich einzelne Illustrationen und keine Geschichte im Mangastil gezeichnet. Durch die Arbeit an der Kurzgeschichte für den Sammelband „Mangafieber 1“ konnte ich sehr viel lernen. Diese Erfahrung war die Grundlage für meinen ersten Manga „Sketchbook Berlin“, der wieder in Zusammenarbeit mit Guido entstanden und bei Tokyopop erschienen ist.
Mang'Arte: Hast Du weitere Projekte mit Tokyopop geplant?
Ja, zur Zeit arbeite ich wieder zusammen mit Guido voller Begeisterung an einem etwas größeren Projekt, welches voraussichtlich aus drei Bänden bestehen wird. Die Geschichte spielt in Deutschland im 19. Jahrhundert und handelt von drei Freunden, die eine gefährliche Entdeckung machen... Der erste Band wird im Sommer 2007 erscheinen.
Mang'Arte: Du bist mit Deinen 20 Jahren noch sehr jung. Welche Ziele hast Du Dir – was Deine Manga-Karriere betrifft – gesteckt?Ich habe mir ehrlich gesagt keine konkreten Ziele gesteckt, was das Mangazeichnen betrifft. Ich möchte auf jeden Fall noch einige schöne Manga zeichnen, was aber außerdem für mich wichtig ist, ist Kunst zu studieren. Ich möchte mich auf möglichst vielen künstlerischen Gebieten weiterbilden und dann werde ich sehen, was sich daraus ergibt.
Mang'Arte: Wie schätzt Du den derzeitigen Manga-Boom in Deutschland ein? Ist das nur eine kurze Mode oder glaubst Du, dass Manga auf Dauer Bestand bei uns haben?
Mittlerweile begegnet uns in Deutschland Manga schon in den unterschiedlichsten Formen im Alltag. Es gibt eine große Fangemeinde, welche weiter anwächst. Besonders die Tatsache, dass immer mehr deutsche Mangazeichner damit Geld verdienen können, finde ich beeindruckend. Ich würde mir wünschen, dass Manga in Deutschland nicht nur eine kurze Mode ist, sondern immer mehr Menschen Manga als eine Kunstform anerkennen. Die Chancen stehen nicht schlecht.
Mang'Arte: Tauschst Du Dich mit anderen deutschen Manga-Zeichnern aus was Ideen und Erfahrungen angeht?Übers Internet habe ich regelmäßig Kontakt zu vielen anderen deutschen Zeichnern, persönliche Treffen finden allerdings vor allem auf Messen oder Ähnlichem statt. Diese Treffen sind dann immer Highlights für mich.
Mang'Arte: Welchen Termin sollte man sich vormerken, wenn man Dich und Deine Manga-Zeichnungen kennenlernen will?
Wer in Berlin und Umgebung wohnt, kann mich auf dem diesjährigen Japanfestival treffen (20.-23.Oktober). Ich werde außerdem wieder auf der Leipziger Buchmesse sein und im Sommer 2007 erscheint ja mein neuer Manga. Immer neue Arbeiten von und Informationen zu mir, sowie weitere aktuelle Termine kann man auf meiner Homepage finden.
Interview wurde von Patricia Czarkowski durchgeführt. September 2006
Internetseite: www.marie-sann.de






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