Auf der kleinen Atlantikinsel Saint-Rémy bringt eine Reihe sonderbarer Ereignisse Unruhe in das gleichförmige Leben der Bewohner. Die alte Madame Gelli wird eines Morgens tot auf der Treppe ihres Hauses aufgefunden. Diagnose: Herzversagen. Nachts zuvor wurde bei ihr eingebrochen. Ein paar Tage später meldet man einen zweiten Einbruch. Diesmal traf es Monsieur Grandieu. Eine Meute Kinder, mit Fantasiemasken getarnt, stürmte sein Haus, warf alles durcheinander und fesselte ihn und seine Frau. Am nächsten Morgen findet man die Frau Grandieus erhängt.
Der dritte Einbruch geschieht im Hause der Mutter von Président Gassé. Diesmal fehlt Bargeld. Lorge, der neue Kommissar der Insel, der die Fälle aufklären soll, steht vor einem Rätsel: Wer sind die Täter? Touristen? Verbrecher vom Festland? Unter den alteingesessenen Inselfamilien scheint es allerdings auch welche zu geben, bei denen Schwierigkeiten und Streitereien zu Hause an der Tagesordnung sind: Die blutjunge Tochter des Bäckers hat Président Gassé zu Diensten zu stehen, Mutter Seignelet malträtiert ihre Kinder und stiftet ihren Mann, der häufig einen über den Durst trinkt, immer wieder an, die Kinder zu schlagen. Der ständig betrunkene Maurice Glairat, der auf seinen Durchbruch als Literat wartet, kümmert sich ebenfalls nicht um Sohn und Tochter.
Die Kinder jedoch halten untereinander fest zusammen. Einige von ihnen bilden eine kleine Bande. Sie versuchen, der brutalen, gewalttätigen und ignoranten Welt der Erwachsenen ihre eigene Welt entgegenzusetzen: eine kleine Welt der Anarchie, in der jeder jedem hilft und allen alles gehört. Doch zuletzt haben die Inselbewohner wieder einen Todesfall zu beklagen: Der jüngste Sohn der Seignelets stirbt an den Folgen der Misshandlungen, die sein Vater ihm antat. Wird es den Kindern gelingen, dem Teufelskreis zu entfliehen? Wird Kommissar Lorge die Verbrechen aufklären können?
"Insel der Diebe" ist ein bewegendes Drama über die Heuchelei einer Gesellschaft, in der Kinder praktisch keine Chance bekommen, sich individuell zu entfalten. Weil sie nicht gehört werden, entfliehen die Kinder in ihre eigene Welt oder verwahrlosen völlig. Das Gute in ihnen droht zum Bösen umzuschlagen. Die individuelle Freiheit kann sich schwerlich gegen elterliche Misshandlung behaupten, das unbedingt zu wahrende Geheimnis steht der Pflicht zur Solidarität entgegen. Gérard Mordillats Film ist packend und erschütternd, dabei aber nie voyeuristisch. Unbeirrt erteilt er den Kindern das Wort und zeigt die Insel als mythisches Symbol des Kampfes der Schwachen um Freiheit und Würde.Regisseur Gérard Mordillat, der sich für "Insel der Diebe" auf den Roman "L'Ile Atlantique" von Tony Duvert stützt, schreibt seit Jahren erfolgreich Drehbücher und realisiert auch immer wieder selber Filme. Für seine Komödie "Vive la sociale!" gewann er 1983 den Jean Vigo Preis. 1993 bekam er für "An der Seite von Antonin Artaud" (auf ARTE am 26.02.1994), bei dem er auch Regie führte, den Goldenen Bayard. Ab 1990 realisierte Mordillat die Serie "Corpus Christi" (erste Folge auf ARTE am 25.03.1997) und 2000 den Fernsehfilm "Die Eroberung der besseren Kreise" (auf ARTE am 22.01.2001). Zuletzt drehte er den Film "Simon le juste" (2003).
Catherine Jacob ist aus vielen französischen Filmen bekannt. 1989 gewann sie den César für ihre Rolle der Marie-Therèse in Étienne Chatiliez "La Vie est un long fleuve tranquille" (1988). Sie spielte 2001 die Lilly in der Komödie "J'ai faim!!!", 2004 spielte sie in Lorraine Levys "La Première fois que j'ai eu 20 ans" oder auch zuletzt in Laurent Firodes "Quartier V.I.P." (2005).
Franck de la Personne ist ebenfalls ein beliebter französischer Darsteller, bekannt aus "Balazc - Ein Leben voller Leidenschaft" (1999) oder zuletzt aus "Palais royal!" (2005).
Für die Besetzung der Kinderrollen hat sich Mordillat ausreichend Zeit genommen und eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Die jungen Darsteller spielen ihre ersten Rollen überraschend unaffektiert und versetzen sich ergreifend in die Not ihrer Figuren. Insel der Diebe
(L'Ile Atlantique)
Frankreich 2003, ARTE F, Original mit deutschen Untertiteln, Erstausstrahlung, 16:9 / 92 Min.
Regie: Gérard Mordillat, Drehbuch: Gérard Mordillat, Kamera: Laurent Barès, Musik: María Elena Doncel, Kostueme: Fabio Perrone, Schnitt: Sophie Rouffio; Ausstattung: Henri Labbé; Maske: Maud Baron; Ton: Michel Vionnet, François Groult, Produktion: Archipel 33
Mit: Franck de la Personne (Robert Seignelet), Catherine Jacob (Chantal Seignelet), Marianne Basler (Yvonne Lescot), Julie Jézéquel (Laure Boitard), Jean-Damien Barbin (Maurice Glairat), Patrice Valota (Hugo Grandieu), Judith Burnett (Jill Grandieu), Jacques Pater (Lorge), Luc Thuillier (Président Gassé), Finnegan Oldfield (Jean-Baptiste Seignelet), Léo Poupart (Philippe Seignelet), Adrien Fontanaud (Bertrand Seignelet), Arthur Verret (Dominique Seignelet), Louis Fresse (Joachim Lescot), Ivan Assouline (Hervé), Martin Jobert (François-Gérard), Sara Summa (Amélie-Lyane), Elias Magnin (Alain), Nathan Franck (René), Laurent Cazanave (Marc), Jean-Charles Deval (Camille)








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