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Heute trage ich Rock!

Eine Lehrerin nimmt ihre Schüler als Geisel ... Mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle.

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Heute trage ich Rock!

Eine Lehrerin nimmt ihre Schüler als Geisel ... Mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle.

Heute trage ich Rock!

Auszüge aus einem Interview - 19/03/09

Isabelle Adjani - Heute trage ich Rock!

Isabelle Adjani


Ihre Stellungnahmen zu aktuellen politischen Themen sind bekannt. Sie sind gegen Fundamentalismus und Rassismus, sie setzen sich für Algerien und Darfur ein. Sie sind für das Kopftuchverbot in der Schule und gegen DNA-Tests für Einwanderer. Nun stehen diese Themen zum ersten Mal im Mittelpunkt eines Films, in dem Sie die Hauptrolle spielen. Haben Sie sich deshalb für „Heute trage ich Rock“ entschieden?

Neben der Figur der Lehrerin, die die Kontrolle verliert, hat mich tatsächlich besonders die zutreffende Analyse der sozialen Lage interessiert. Wie sieht die Erziehung heute aus? Wie sind wir in diese Sackgasse geraten? Die Schule ist doch eine der letzten Institutionen der Integration: Wie kommt es, dass sie sich in einem solchen Zustand befindet? Wieso funktioniert das System nicht mehr, und woher kommt dieses große Missverständnis? Was hat man diesen Schülern angetan? Und was hat man den Lehrern angetan? Warum und wie haben wir vor den Herausforderungen der Erziehung kapituliert? Mir gefällt an dem Film besonders, dass er nicht sozial oder gesellschaftlich moralisiert, dass er keine Lektionen erteilt und keine Lösungen vorgibt, sondern eigentlich nur die nötigen Fragen stellt und dem Zuschauer die harte Realität vor Augen führt.


Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Eines Tages traf ich zufällig Smaïn, der mir erklärte: „Ich habe ein fantastisches Drehbuch gelesen, mit einer interessanten Frauenrolle. Du musst es dir anschauen.“ Zur selben Zeit erzählten mir Freunde von Jean-Paul Lilienfeld davon und gaben es mir zum Lesen. Nach der Lektüre sagte ich in weniger als zehn Minuten zu. Als ich Jean-Paul traf, wollte er aus „Heute trage ich Rock“ noch einen Kinofilm machen. Aber er konnte letztlich nicht genügend Mittel auftreiben. Sehr viel später rief er mich an und sagte: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Wir drehen den Film, aber wir drehen ihn für das Fernsehen.“ Ich antwortete: „Kein Problem. Ich habe gesagt, dass ich zur Verfügung stehe, falls der Film gedreht werden kann, also stehe ich auch jetzt noch zur Verfügung.“ ARTE setzte sich bei seinen Produzenten von Mascaret Films dafür ein, und zwei Monate später begannen wir mit den Dreharbeiten.


Die Dreharbeiten fanden im vergangen Mai fast heimlich statt, ohne großes Medienspektakel.

Niemand wusste, dass ich einen Film drehe, und das war gut so. Es war eine richtige Erleichterung, ohne Druck zu arbeiten. Wir sollten uns alle den Luxus leisten und die Bescheidenheit haben, unter diesen Bedingungen zu arbeiten, wenn man für das steht, was man ist.


Außer Ihnen spielen noch andere Schauspieler wie Jackie Berroyer und Denis Podalydès in dem Film mit, aber Sie stehen in den meisten Szenen mit Jugendlichen vor der Kamera, die vorher noch nie einen Film gedreht haben …

Es war wichtig, dass die Beziehung zwischen der Lehrerin und ihren Schülern wirklich authentisch wirkte. Das war die Grundvoraussetzung für die Glaubwürdigkeit des Films und dafür, den richtigen Ton zu treffen. Die Jugendlichen hatten zwei Monate lang geprobt und kannten ihre Texte aus dem Effeff. Ich lernte sie am ersten Drehtag kennen. Sie sprachen mich gleich mit „Madame“ an, weil ich mich ihnen wie eine Französischlehrerin präsentierte, nicht wie eine Schauspielerin. Ich glaube, die meisten kannten mich nicht. Vielleicht wussten es ihre Eltern, oder vielleicht hatten sie mal einen Film von mir im Fernsehen gesehen. Im Endeffekt war es gut so. Nur die Arbeit zählte. Ich habe nie versucht, ihnen anders näherzukommen als über unsere gemeinsame Aufgabe. Ich habe mich nicht über sie gestellt. Das fand ich sehr wichtig. Das war das Mindeste, was ich ihnen als Gegenleistung für ihr großes Engagement, das ihnen nicht leicht fiel, geben konnte. Diese Jungen und Mädchen mussten unvorstellbar viele verdrängte und unterdrückte Gefühle und Empfindungen bewältigen. Sie nehmen eine Verteidigungshaltung ein und sind zugleich sehr verletzlich. Und sie schauen einem direkt in die Augen und wissen, wovon man redet. Sie wollen, dass man mit ihnen „eine reale Sprache“ spricht. In einer Szene sagte ich zu ihnen: „Nur die Schule kann euch helfen, etwas aus eurem Leben zu machen“. Sie hörten mir zu, aber so, als wollten sie sagen: „Sag uns etwas Glaubwürdiges. Sag uns bloß die Wahrheit. Denn wir werden nicht so tun, als hörten wir zu, wenn es uns nicht interessiert.“ Das war vollkommen klar. Sie sind unglaublich authentisch und unverfälscht. Sie hatten ihre eigene Art, mir mitzuteilen, ob das, was ich in einer Szene vermitteln wollte, sie berührt, erreicht oder überzeugt hatte. Zwischen uns herrschte das, was ihnen am wichtigsten ist: Respekt.


Hätten Sie sich als Jugendliche in Genevilliers vorstellen können, dass 30 Jahre später jemand ernsthaft einen „Tag des Rocks“ fordern könnte, wie es Ihre Filmfigur tut, um die jungen Mädchen vor Angriffen ihrer Klassenkameraden zu schützen?

Ganz bestimmt nicht! Man hat das Gefühl, Zeuge eines furchtbaren Rückschritts zu sein. Es ist einfach verrückt. Leider zeigt sich daran vielleicht das ganze Ausmaß der postkolonialen Problematik. Die Jugendlichen in den Vororten wissen heutzutage oft nicht genau, wer sie sind und woher sie kommen, sie suchen ihre Wurzeln. In ihrem Umfeld genießen diese Wurzeln allerdings kaum Wertschätzung. Aber die Jugendlichen versuchen natürlich, ihre Wurzeln wiederzufinden, zurück zum Ursprung zu gehen, manchmal auf ganz radikale Art.


Das Gespräch führte Jean-Pierre Lavoignat

Erstellt: 12-02-09
Letzte Änderung: 19-03-09