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ARTE Reportage Mittwoch, 5. April 2006 - 06/04/06

Irak : US-Mütter an der Front

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Von Véronique Mauduy, Nicolas Grimard und Coline Tison - ARTE GEIE - Frankreich 2006

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Der Irak. Ein Vorort von Bagdad. Oktober 2005 – mehr als ein Jahr nach dem offiziellen Ende des Krieges. Noch immer sind 133.000 GIs im Land stationiert, um für Sicherheit zu sorgen und beim Wiederaufbau zu helfen.
Der Stützpunkt Loyalty Base, im Nordosten der Hauptstadt: Hier ist das dritte Infanterieregiment mit 800 Soldaten stationiert. Darunter 50 Frauen.
Leutnant Leslie Waddle, 23 ist seit acht Monaten im Irak. Es ist ihr erster Auslandseinsatz. Unter ihrem Kommando: Zwölf Männer zum Schutz einer Einheit des Minensuchkommandos. Letzte Anweisungen vor dem Ausrücken : "Es kommt bestimmt zu Ausschreitungen, Demonstrationen, Schusswechseln. Bei Saddams Prozess müssen wir auf alles gefasst sein. Nehmt euch also in Acht, besonders vor versteckten Sprengsätzen. Noch Fragen? OK. Los geht’s!!!"

Offiziell verbietet es das Gesetz, dass Leslie als Frau an vorderster Front steht oder auf Posten, die sie in Gefahr bringen. Doch hier lauert die Gefahr überall. Die Kämpfe haben nie wirklich aufgehört. Ihre größte Angst: versteckte Sprengsätze und Selbstmordattentäter in Autos.
Leslie Waddle: "Bei einem Einsatz muss man schnell fahren, um nicht Opfer einer selbstgebastelten Bombe zu werden. Je schneller wir fahren desto schwieriger ist es, uns zu erwischen".
Jeden Tag werden zwei GIs von einem oft unsichtbaren Feind getötet. Leslie tut, was sie kann, um ihre Männer zu schützen, auch wenn sie dafür nicht ausgebildet ist. Ihre eigentliche Aufgabe : Die Versorgung der Stützpunkte mit Nachschub. Doch hier im Irak fehlt es an Soldaten...
Fernab von Wohngebieten muss ihr Minensuchtrupp in dieser Grube Reste amerikanischer oder irakischer Granaten vernichten. Sie sollen kontrolliert gesprengt werden, um sie für die Rebellen unbrauchbar zu machen. Leslie hat Wachposten aufgestellt: "Ich vertraue meinen Soldaten. Wenn sie irgendwas bemerken, werden sie schießen. Wir wissen dann alle, dass wir angegriffen werden".

Gefahr droht nicht alleine durch Angriffe der Rebellen. Unfälle beim Hantieren mit Sprengstoff sind keine Seltenheit. Sobald sie Grünes Licht von oben haben, sprengen die GIs die Granaten in die Luft. Nach erfüllter Mission kehrt ein Teil des Konvois zurück zum Stützpunkt.
Leslie verteilt Spielzeug an die Kinder, die von der Explosion angelockt wurden. Ihr Lächeln gibt ihr die Gewissheit, dass sie dem irakischen Volk einen Dienst erweist: "Es ist sehr wichtig, dass die Iraker das Wahlrecht und Religionsfreiheit haben und nicht länger von einem Tyrannen regiert werden, der sie foltert. Ein böser Mensch. Ob das Leben all der Soldaten wert war, die wir verloren haben? Es steht mir nicht zu, das zu sagen, doch ich bin sicher, dass wir hier einen guten Job machen und die Iraker uns brauchen".
Hundert Meter weiter: Eine weitere Detonation und schwarzer Rauch. Die beiden Panzer, die zuerst aufgebrochen waren, werden von Rebellen angegriffen. Die GIs sind entsetzt: "Die Bombe ist wohl direkt hinter ihnen explodiert. Sie sind weitergefahren. Nein, nein, ich glaube nicht, dass sie getroffen wurden. Sie waren schon vorbei, als das Ding explodierte".
Zum Glück keine Verwundeten. Leslie ändert die Route. Doch trotz des hoch entwickelten GPS verfährt sich der Konvoi und findet erst bei Einbruch der Dunkelheit zurück auf die Hauptverkehrsstraße. Ein irakisches Taxi weigert sich, den Konvoi vorbei zu lassen: "Scheiße ! Verschwinde ! Mach die Straße frei !!!"
Diese Methode wirkt: "Es kommt häufig vor, dass ein Wagen abbremst, sich einem Panzer nähert und explodiert. Eine heikle Situation. Ich möchte keine Fahrzeuge rammen oder von der Straße abdrängen. Aber es geht nicht anders. Und wenn man glaubt, es handle sich um eine Falle, muss man das tun oder das Feuer eröffnen".
Besonders nachts ist Vorsicht gebotent. Der Stützpunkt liegt im Dunkeln.
Leslie nutzt eine Pause, um sich in ihre Unterkunft zurückzuziehen. Wie viele Amerikaner war sie – etwas naiv - in die Armee eingetreten, um – wie sie sagt - ihr Studium zu finanzieren und finanziell unabhängig zu werden. Im Irak verdient sie monatlich 4 000 Euros: "Ich hätte Reservistin bleiben können, doch ich wollte für eine gewisse Zeit in den aktiven Dienst, weil ich reisen wollte… Das habe ich ja dann auch getan. Ziemlich bald schon und weiter weg als geplant!!!"
Einziger Wermutstropfen: Sie musste ihre zweijährige Tochter Ashia in den USA zurücklassen. Leslie tröstet sich mit Fotos, die ihr die Familie geschickt hat. Auch ihr Glaube an Gott gibt ihr Halt: "Wenn meine Stunde gekommen ist, dann muss ich eben sterben – ob hier oder zu Hause in den USA. Das liegt in Gottes Hand. Es kommt, wie es kommt. Hier lebe ich natürlich gefährlicher, doch ich versuche heil hier raus zu kommen, um meine Tochter so bald wie möglich wieder zu sehen".

Sechs Uhr morgens. Fitnesstest für Oberleutnant Lauren Rowe und ihren Zug.
Lauren ist wie Leslie 23 Jahre alt. Sie kommt direkt von West Point, der amerikanischen Militärakademie.
Vier Jahre Ausbildung, um sich geistig und körperlich darauf vorzubereiten, ein guter Offizier zu werden. Lauren ist seit acht Monaten im Irak. Rasch hat sie sich in ihrer Einheit Respekt verschafft. Sie geht stets an ihre Grenzen, versucht andauernd, diese auch zu überwinden: "Ich wollte schon immer die beste sein – ob bei der Arbeit, in der Schule oder beim Training. Ich messe mich nicht mit anderen. Meine einzige Konkurrentin bin ich selbst".

Das dritte Infanterieregiment hat im ehemaligen irakischen Sicherheitsministerium, einem Foltergefängnis, Quartier bezogen. Hier haben während Saddams Diktatur ein paar tausend Iraker ihr Leben verloren. Stolz führt uns Lauren durch ihr Hauptquartier: "Hier können die Soldaten abschalten. Manche spielen Fußball oder Basketball. Als wir hier ankamen, war es ein mulmiges Gefühl, sich in einem ehemaligen Saddam-Gefängnis aufzuhalten. Wir haben gründlich geputzt, um uns wie zu Hause zu fühlen. Manchmal versuchen die Soldaten, mir Angst zu machen und sagen, sie hätten Geister gesehen. Da hör ich einfach nicht hin.
Diese Zellen haben wir zu Waffenlagern umfunktioniert. Sehen Sie nur – diese Türen, diese Schlösser. Ich denke, durch diese Öffnungen hat man den Gefangenen das Essen gereicht. Hier ist es dunkel und staubig…

Meine Spezialität sind die M4 und die M203. Dieses Teil hier ist ein Granatwerfer. Die Granate wird hier geladen, dann entsichert, und dann schieße ich. Und – paff – ist die Granate abgefeuert.
Ich bin zum Töten ausgebildet. Wenn ich eines Tages mich oder einen meiner Soldaten verteidigen muss, indem ich einen irakischen Rebellen erschieße, dann werde ich keinen Augenblick zögern. Nein, das macht mir keine Angst".

Leslie ist sich da nicht so sicher. Sie hat ihren Platz in dieser Männerwelt noch nicht gefunden und immer noch Probleme, sich Respekt zu verschaffen. In diesem Lager müssen sich 50 Frauen gegen 750 Männer behaupten.
"Hast du die Karten für die Show?"
"Welche Show?"
"Die Striptease-Show, Baby!!!"
"Hör auf, dämlich zu quatschen, sonst dreh ich dir den Hals um!!!
Als Frau in der Armee zu sein, ist wirklich eine interessante Erfahrung. Ich habe nur Männer unter meinem Befehl – keine einzige Frau. Am Anfang war es schwierig, mir Respekt zu verschaffen, weil ich erst nach ihrer Ausbildung dazugekommen bin. Doch als wir dann in den Irak geschickt wurden und unsere Mission in Angriff nahmen, habe ich ihr Vertrauen gewonnen, und die Lage hat sich entspannt.

Dennoch sitzt Leslie bei den Mahlzeiten oft alleine. In diesem riesigen Speisesaal sind Menü, Raumgestaltung und alles weitere darauf ausgerichtet, die Truppenmoral zu stärken. Im Offizierskasino sucht Leslie Trost beim Gebet: "Hier sein zu müssen, ist sehr hart, weil man so weit weg ist von seiner Familie und seinen Kindern. Ohne meinen Glauben würde ich damit wohl nicht klar kommen".
Sie ist außerdem auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Judy und John warten in den USA auf ihre Rückkehr und kümmern sich in der Zwischenzeit um ihre Tochter: "Das war Johns Idee. Er ist zum Militärshop gegangen und hat ihr kleine Hosen, ein T-Shirt und eine Mütze gekauft, damit sie nachspielen kann, was ihre Mama so tut".
Ihre Mama hat Ashia seit sechs Monaten nicht mehr gesehen. Leslie berichtet kaum Neues von der Front, um sie nicht zu beunruhigen. Beim Anblick unserer Bilder haben Großmutter und Enkelin Mühe, ihre Gefühle zu verbergen: "Ja, ihre Mama fehlt ihr. Sie spricht von ihr, wann immer sie ein Foto von ihr sieht".
Judy bewundert den Mut ihrer Tochter, doch sie rechnet mit dem Schlimmsten:
"Verletzungen oder Tod. Sie zu verlieren – davor habe ich Angst. Ich weiß nicht, ob ich damit weiterleben könnte. Obwohl…andere Eltern können es… Das tägliche Gebet hilft mir. Ich vertraue auf Gott. Sie wird lebend nach Hause zurückkehren".
Tom, Leslies Vater, hat die Hölle des Vietnamkrieges miterlebt. Dennoch hat er Leslie ermutigt, in die Armee einzutreten. Doch heute macht er sich große Sorgen um seine Tochter. Eine Autobombe in Bakuba hat mindestens 25 Menschenleben gefordert:
"Sie hat wirklich einen harten Job. Damals in Vietnam bin ich immer nur drübergeflogen… Sie dagegen steckt wirklich mitten in der Hölle, dort, wo es brennt. Sie wird von Heckenschützen beschossen, riskiert durch die Bombenattentate Tag für Tag ihr Leben. Und der Feind wird, wie sie sagt, immer raffinierter".

Die Kommandozentrale der Loyalty Base. Vor jedem Aufbruch zu einer Mission wägt Leslie die Risiken ab. Denn der Irakkrieg von heute wird mit versteckten Sprengsätzen, Selbstmordattentaten und Kidnapping geführt.
Leslie Waddle: "Risiken hin oder her – unsere Einheit hat keine Wahl. Wir müssen trotzdem aufbrechen".
Turron Dixon: "Wenn irgendwo Sprengkörper gefunden werden, müssen wir so oder so dahin".

Lauren bereitet sich ihrerseits auf einen Einsatz vor. Ihre heutige Mission: Die Zerschlagung eines Terroristennests. Am Abend zuvor wurden zwei Panzer ihres Stützpunktes von Rebellen angegriffen. Trotz ihrer Ausrüstung können sich die amerikanischen Soldaten nie in Sicherheit wiegen: "Vergesst nicht, seid wachsam, bleibt auf euren Posten und noch einmal: Seid vorsichtig, legt eure Gurte an, schließt eure Türen – und los geht’s".
"Im Irak ist jeder Soldat in Gefahr. Manche gehen davon aus, dass die Frauen schwächer oder unprofessioneller sind als die Männer. Also müssen wir uns doppelt anstrengen".

Die Operation wird gemeinsam mit der neuen irakischen Armee durchgeführt. 150 Männer, ausgerüstet, ausgebildet und trainiert von den GIs. Sie sollen solche Operationen leiten. Lauren und ihre 35 Militärpolizisten sind nur zu ihrer Unterstützung hier. Doch vor einer Truppe muslimischer Männer hat Lauren oft Probleme, sich Gehör zu verschaffen: "Oft verstehen die irakischen Soldaten nicht, dass ich einen Zug Männer befehligen darf. Es fällt ihnen schwer, mich als Vorgesetzte zu respektieren. Manche haben den Bogen raus: Sie ignorieren, dass ich eine Frau bin und behandeln mich wie einen männlichen Vorgesetzten. Wenn ich ihnen einen Befehl erteile, ist das für sie kein Befehl einer Frau, sondern eines Offiziers".
Die Iraker führen den Konvoi an. Ziel: Das Arbeiterviertel von Khana Bagha im Nordosten Bagdads. 16 Uhr. Der Markt ist in vollem Gang. Die Iraker haben sich einen Weg gebahnt. Doch Lauren und ihr Konvoi kommen ein paar Kilometer entfernt nicht mehr weiter: "Stehen zu bleiben, ist gefährlich. Besonders zwischen diesen hohen Gebäuden. Das lockt Selbstmordattentäter und Scharfschützen an. Wir hatten deshalb schon einen Verletzten. Einer unserer Soldaten wurde von einem Heckenschützen am Arm getroffen. Inzwischen geht es ihm besser. Er ist auf dem Rückweg in die USA. Aber das war genau die gleiche Situation wie jetzt. Einheit eins und Einheit zwei, wachsam bleiben!".
Laurens Männer sichern den Konvoi. Dieses Viertel war bereits Ziel eines Anschlags, der zig Todesopfer forderte. Die Soldaten fürchten sich auch vor weiblichen Selbstmordattentätern.
Die irakische Armee hat das Gebäude bereits umstellt. Endlich tauchen auch die Amerikaner auf. Die Lage ist gefährlich. Offiziell dürfte ein weiblicher Soldat gar nicht vor Ort sein.
Lauren Rowe: "Ich habe mich für die Militärpolizei entschieden, weil es am spannendsten ist und ich hier als Frau an vorderster Front stehen kann. Die Aufgaben, die ich erfüllen muss, sind vergleichbar mit den Aufgaben der Infanterie oder der Artillerie. Das ist wirklich aufregend, besonders für eine Frau".
Die amerikanischen Soldaten beginnen, das Gebäude zu inspizieren. Die Iraker können erste Erfolge vorweisen und nehmen bereits Verhaftungen vor. In den vier Stockwerken des Gebäudes finden sich ganze Regale voller Chemikalien, Pestiziden und ähnlichem. Auch Hand- und Lehrbücher, wie zum Beispiel dieses Chemiebuch. Das Gebäude entpuppt sich als Bombenwerkstatt. Lauren und ihre GIs machen weiter mit der Razzia: "Das sind Zeitschaltungen von Waschmaschinen und das da Sprengköpfe".
Außerdem elektrische Schaltungen und Zünder – alles, was man braucht, um eine Bombe mit Fernzünder zu basteln. In diesem Zimmer entdeckt Lauren Metallsplitter, die für den Bau noch grausamerer Bomben bestimmt waren: "Es überrascht mich, das hier zu sehen. Ich wusste zwar, dass es so etwas gibt, aber es selbst zu entdecken, ist schon etwas anderes".
Doch mit den Überraschungen ist es noch nicht vorbei. Mitten in diesem Arsenal: Eine Mutter mit ihrer Tochter…
Lauren Rowe: "Ist das ihre Tochter? Nur ein Mädchen, OK. Ah, sie ist mit einem der Verhafteten verheiratet?!
"Nein, nein!!!"
"Ist er da oben? Wo ist er? Es ist mühselig, wenn man die Sprache nicht kann. Ich würde sie lieber selbst verhören… Ich verstehe ein paar Fetzen von dem, was sie sagt, aber es ist trotzdem frustrierend…"

Die Hände der Verhafteten werden untersucht, um herauszufinden, wer von ihnen Bomben gebastelt hat. Alle, die überführt sind, werden von den irakischen Soldaten sofort mitgenommen. Sie werden zum irakischen Stützpunkt gebracht und dort verhört.
Der Einsatz hat Schaulustige angelockt, darunter vielleicht auch Terroristen. Die Soldaten sind wachsam.
Doch Lauren freut sich über den Erfolg der Mission: "Ich habe wirklich das Gefühl, diesem Land mit solchen Einsätzen zu helfen. Das beweist, dass wir hier eine Aufgabe haben, dass wir aus gutem Grund hier sind und die Iraker davon profitieren. Nur das zählt".
Auch die irakischen Soldaten feiern ihren Sieg:
"Wo verstecken sich die Terroristen?
Wo versteckt sich dieser Bastard Al-Sarkaui?
Sarkaui, wir kriegen dich!!!"
Leslie und ihr Minensuchtrupp wurden zu einem unbebauten Gelände gerufen, um rund 100 Granaten kontrolliert zu sprengen. Wie gewohnt erscheint Leslie betont unbekümmert: "Wenn Vorgesetzte ihre Furcht offen zeigen, bekommen auch die Soldaten Angst. Deshalb versuche ich, die ganze Zeit ruhig zu bleiben. Das ist für alle das Beste".
Nach der Sprengung, erobern die Kinder ihren Spielplatz zurück: "Unser Vater verbietet uns, hier zu spielen, aber wir tun es trotzdem!!! Einmal gab es hier sogar eine Explosion, und in unserem Haus sind alle Fenster zersplittert!Wir hätten tot sein können!!! Jetzt nehmen wir einen anderen Weg".
Leslie Waddle: "Hey, wir müssen los. Ein neuer Einsatz!!!"
Ziel: Sader City. Ein extrem armes Viertel, in dem überwiegend Schiiten leben. Eine Million von Saddam im Stich gelassene Bürger. Hier schlägt man sich mehr schlecht als recht durch. Von den Amerikanern erhofft man sich nichts mehr: "Es handelt sich wohl um acht Granaten, die nicht explodiert sind. Da vorne, wo die Leute stehen".
Die Anwohner sind auf dem unbebauten Grundstück auf ein riesiges Waffen- und Sprengstoffversteck gestoßen. Eilig schicken die GIs nach ihrem Dolmetscher.
Alter Mann: "Wenn man dort gräbt, findet man gut 100 Granaten, von denen manche noch nicht explodiert sind".
Irakischer Dolmetscher : "Wenn du wieder etwas hörst, rufst du uns an?!"
Alter Mann : "Aber ich rufe mit meinem Handy doch ständig die 130 an! Da nimmt nie einer ab!!!"
Dialogversuch mit der irakischen Polizei:
"Was brauchen Sie?"
Irakischer Polizist:
"Wir brauchen nichts. Danke".
Die irakischen Polizisten haben beschlossen, die Granaten selbst zu beseitigen.
Ein GI: "Es ist sehr gefährlich. Daran sind die Iraker gewöhnt. Doch ich bezweifle, dass ihnen wirklich bewusst ist, in welche Gefahr sie sich begeben. So was erleben wir jeden Tag. Sie nehmen das ganze etwas zu locker".

Zurück im Hauptquartier ist es nicht das Schicksal der Iraker, um das Leslies Gedanken kreisen. Sie denkt immerzu an ihre Familie: "Das ist für meine Tochter. Ein Anhänger, auf dem steht: „In Liebe von deiner Mama, Amerikanische Armee, Irak 2005“. Eine Kleinigkeit für sie, die sie hoffentlich hüten wird wie einen Schatz. Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Ich kann nicht mehr. Für mich gibt es hier nichts, was mich hält. Ich will nach Hause".

Doch für manche Frauen endet die Rückkehr in die Heimat erneut in der Hölle. 17% werden Opfer einer posttraumatischen Depression. Nach dem „Vietnam-“ nun das „Irak-Syndrom“. Abbie war ein Jahr lang als Fahrerin in Mossul. Ihr Stützpunkt wurde mit Granatwerfern angegriffen.

Abbie Pickett, Kriegsveteranin im Irak: "Seit meiner Rückkehr denke ich oft an Selbstmord. Wenn ich im Auto sitze, stelle ich mir vor, ich könnte einen Unfall haben. Oder ich könnte mir in der Küche die Pulsadern aufschneiden. Das wäre ganz einfach".
Eine stattliche Anzahl Antidepressiva und Beruhigungsmittel gegen die Alpträume und Phobien. Ein Jahr lang musste Abbie darauf warten. Die amerikanische Regierung ist überfordert, die psychologische Betreuung alles andere als gesichert: "Die Armee hat mein Leben zerstört, und jetzt erwarte ich, dass sie mir hilft, gesund zu werden. Mit 17 habe ich mich bereit erklärt, für mein Land zu kämpfen, und heute, mit 21, lässt mich die Armee im Stich".

15.000 Frauen wurden in den Irak geschickt. Wohl nicht alle von ihnen waren physisch und psychisch ausreichend gewappnet, um sich diesem vielschichtigen Konflikt zu stellen. Für diese Frauen ist das Leben nicht mehr wie vorher: "Früher wollte ich als Assistentin in der Chirurgie arbeiten. Das geht jetzt nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich mit Kriegsveteranen arbeiten und den Leuten helfen möchte. Ansonsten, habe ich keine Ahnung, was die Zukunft bringt".


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Das internationale Nachrichtenmagazin
mittwochs gegen 21.35 Uhr
>> Ab 1. April 2006 wird ARTE Reportage samstags um 9h00 ausgestrahlt (Wiederholung).

Erstellt: 06-04-06
Letzte Änderung: 06-04-06