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ARTE Journal - 19. August 2010 - 20/08/10

Irak: Good bye Bagdad

Am Donnerstag früh ist die letzte Kampfbrigade der USA abgezogen. Damit beendet die amerikanische Armee ihre Operation irakische Freiheit, die sie vor siebeneinhalb Jahren begann.

Damit beginnt die „Operation neue Morgendämmerung“: 56.000 Soldaten bleiben im Land. Sie helfen beim Wiederaufbau und bilden irakische Sicherheitskräfte aus. Außerdem helfen sie weiter bei der Terrorbekämpfung. Für die US-Regierung ist der Abzug ein „historischer Moment. Die großen amerikanischen Fernsehsender übertrugen die Bilder live, als die Soldaten die Grenze zurück nach Kuwait überschritten.

Operation iraqi freedom“

2003 waren die Panzer in die entgegengesetzte Richtung gefahren. Durch die irakische Wüste fuhren sie Richtung Bagdad. Der damalige US-Präsident George W. Bush hat seine Armee in den Irak geschickt, um Saddam Hussein zu stürzen. Begründet hatte er den Einmarsch mit der Gefahr durch Massenvernichtungswaffen des irakischen Regimes. Die Waffen jedoch wurden nie gefunden. Der Einmarsch der US-geführten Truppen in den Irak im März 2003 war international höchst umstritten.

Das Zweistromland versinkt in blutigem Chaos

Ein paar Jahre später drohte der Irak im Chaos zu versinken, Anfang 2007 änderte die US-Armee ihre Strategie. Sie kooperierte stärker mit einheimischen Kräften und stellte den Schutz der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt. So konnte die Macht der Extremisten langsam eingedämmt werden. Doch insgesamt ist eine blutige Bilanz: über 100.000 Zivilisten fielen der Gewalt im Irak zum Opfer.

Iraker sind gespalten

Die Iraker stehen dem Abzug der US-Soldaten gespalten gegenüber. Die einen sind froh, dass die Besatzungsmacht nun endlich geht, die anderen fürchten mehr Gewalt, die die irakischen Sicherheitskräfte nicht in den Griff bekommen. Auch der irakische Generalstabschef Babaker Sebari warnte vergangene Woche, für die Sicherheit werde die irakische Armee erst 2020 sorgen können. Viele haben nun Angst vor einem neuen Bürgerkrieg.

Seit Monaten mehr Gewalt

Schon in den vergangenen Monaten hatten sich blutige Anschläge wieder gehäuft. Die Aufständischen griffen verstärkt irakische Sicherheitskräfte an. Erst am Dienstag töteten sie bei einem Attentat auf Armee-Bewerber in Bagdad fast 60 Menschen. Im Mai starben bei einer Serie von Anschlägen fast 100 Menschen. Viele fürchten, dass extremistische Kräfte das momentane Machtvakuum ausnutzen.

Irak steckt in politischer Krise

Denn die Gewalt hatte auch zugenommen, da der Irak seit fünf Monaten keine Regierung hat. Auch deswegen fällt der Abzug der US-Armee in eine für die Iraker kritische Zeit. Seit den Parlamentswahlen Anfang März konnten sich die Rechtsstaat-Allianz des amtierenden Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und die Al-Irakija-Liste des Wahlsiegers Ijad Allawi nicht auf eine Regierung einigen. Gerade haben die beiden größten Bündnisse die Koalitionsverhandlungen abgebrochen. Der beschleunigte Abzug kam für die politische Führung überraschend. Der irakische Präsident Talabani rief die Parlamentarier auf, sich endlich auf eine Regierung zu einigen und sagte: „Ich rufe alle Parlamentarier, die Parteipolitiker und die Journalisten auf, alles zu unterlassen, was Zwietracht sät und die Stabilität unseres Landes gefährdet“.

Abzugsdatum keine Frage

Für die USA jedoch stand der vereinbarte Abzugstermin nicht zur Debatte. Erstens muss der US-Präsident sein innenpolitisches Versprechen einhalten, zweitens stockt er gerade die Truppen in Afghanistan auf. Der Irak-Einsatz kostet die USA mehr als eine Billion Dollar. Mehr als 4400 Soldaten sind bei dem Einsatz gestorben.

Rebecca Donauer für ARTE Journal

ARTE Journal Moderator Jürgen Biehle sprach mit dem Nahost-Experten Michael Lüders über den Abzug und den Zukunft des Iraks



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Erstellt: 19-08-10
Letzte Änderung: 20-08-10