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ARTE Journal - 29. Januar 2010 - 29/01/10

Iran - Geschäfte mit Europa gehen weiter

Wegen des Atomstreits haben die Vereinten Nationen den Iran in 4 verschiedenen Resolutionen mit Sanktionen belegt. Auch die EU hat Wirtschaftssanktionen gegen Teheran beschlossen. Dennoch haben deutsche und französische Unternehmen dort Fuß gefasst: Unter anderem im Automobilsektor und im öffentlichen Transportwesen. ARTE Journal berichtet aus Teheran.



Der Autoverkehr ist in Teheran so dicht wie eh und je - unermüdlich brandet der Strom um eines der Wahrzeichen der iranischen Hauptstadt, um den Azadi-Turm. Viele Fahrzeuge sind französische Modelle. In einem Aussenbezirk der Metropole: ein Werk des staatlichen Autokonzerns Iran Khodro. Hier werden Peugeot-Modelle in Lizenz gebaut. Der größte iranische Fahrzeugbauer und der französische Konzern sind schon lange Partner.

Hossein Najari, stellvertretender Generaldirektor von Iran Khodro: „Wir arbeiten seit circa 20 Jahren mit Peugeot Frankreich zusammen - und diese Zusammenarbeit funktioniert ziemlich gut.“

Hier wird ein Sondermodell des Peugeot 206 gebaut. Mit seinem kleinen Kofferraum ist es speziell auf den iranischen Markt zugeschnitten. Es verkauft sich gut. 500 Autos laufen jeden Tag vom Band. Und noch ein Peugeot-Modell: der 207. Seine Produktion läuft gerade erst an - auf Probe.

Habibi Ali Akbar, Produktionsleiter: „Falls sich der 207 hier im Iran gut verkauft, werden uns die Franzosen sicher erlauben, auch noch andere Modelle für den hiesigen Markt zu produzieren.“

18 Franzosen arbeiten als Führungskräfte in diesem Werk. Sie zogen es vor, nicht mit uns zu sprechen. Das gespannte politische Klima zwischen Frankreich und dem Iran spielt da sicher eine Rolle. Die seit Jahren gültigen internationalen Wirtschaftssanktionen treffen die iranische Industrie schwer. Deshalb baut Iran Khodro immer mehr selbst - auch Fahrzeugteile.

Abuzar Ghaffari, Ingenieur: „Wegen der Sanktionen mussten wir den Anteil der im Land hergestellten Teile deutlich erhöhen. Dieses Jahr liegt er bei 70% der gesamten Produktion.“

Ebenfalls stark vertreten sind europäische Unternehmen beim Ausbau der Teheraner U-Bahn. Ein Mega-Projekt mit einem Auftragsvolumen von 750 Millionen Euro - die Züge mit eingeschlossen.

Mohsen Hashemi, Generaldirektor der Teheraner U-Bahn: „Vieles, von dem was wir da brauchen - Antriebssysteme, Bremsen oder die Türschließ-Mechanismen - kaufen wir im Ausland. In Frankreich, in Deutschland oder Italien. Aber in erster Linie arbeiten wir mit den Chinesen zusammen.“

In Deutschland verdient auch die Münchner Firma Knorr-Bremse und in Frankreich der Zugbauer Alstom am Ausbau der U-Bahn in Teheran.

Reportage: Alain Chabod und Véronique Landolfini

Erstellt: 29-01-10
Letzte Änderung: 29-01-10