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2. August 2009 um 20.15 Uhr - 28/07/09

Is’ was, Doc?

Regie: Peter Bogdanovich


Eine abenteuerliche Hommage an das Goldene Zeitalter der amerikanischen Komödie

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„Is’ was, Doc? (What’s up Doc?), der dritte Langspielfilm von Peter Bogdanovich, knüpft an die Tradition der großen amerikanischen Studios an, obwohl der Regisseur in den 1970er-Jahren zusammen mit Francis Coppola, Brian de Palma und Martin Scorsese auch an der innovativen Strömung „New Hollywood“ beteiligt war. In dieser abenteuerlichen, mit Filmzitaten gespickten Verwechslungskomödie geht es um vier Koffer, die aufgrund ihres gleichen Aussehens in einer einzigen Nacht im San Francisco Hilton durch viele Hände gehen, darunter die einer Diebesbande.

Is’ was, Doc?
von Peter Bogdanovich
1972, USA, 89 Min.
Mit Barbara Streisand, Ryan O’Neal, Kenneth Mars u.a.

Der Titel spielt auf den Namen des Trickfilmhasen Bugs Bunny an, der seinen Feind mit der Formel „Is’ was, Doc?“ entwaffnet. Viele Szenen des Films beziehen sich spiegelbildartig auf Filme aus den 1930er-Jahren, insbesondere auf „Bringing up Baby“ (deutscher Titel „Leoparden küsst man nicht“) von Howard Hawks mit Katharine Hepburn und Cary Grant. Warum war Bogdanovichs stark kodifizierte Hommage an das Genre der Screwballkomödie beim Publikum der 1970er-Jahre und dann bei Generationen von Fernsehzuschauern so beliebt? Das liegt vor allem an ihrem kunstvollen Aufbau, an den pointierten Dialogen und am perfekt beherrschten Slapstick-Rhythmus, aber auch an der überzeugenden Hauptdarstellerin Barbara Streisand. Die chronisch ungeschickte, ziemlich merkwürdig angezogene Sängerin und gelegentliche Schauspielerin spielt in Bogdanovichs Film die freche, chaotische und auf den ersten Blick keineswegs attraktive Judy Maxwell. Diese verliebt sich in den schüchternen (und bereits verlobten) Musikwissenschaftler Howard Bannister (Ryan O’Neal) und wird mit der Zeit so verführerisch, dass sie die versammelte Mannschaft der Wissenschaftler bezaubert.

Der Regisseur ließ sein Pastiche nicht in den 1930er-Jahren spielen. Entgegen dem gegen ihn erhobenen Vorwurf, die Gags seiner Farce seien zu stark kalkuliert, probierte er mit der für die 1970er-Jahre typischen Unbefangenheit viele seiner Ideen direkt am Set aus. Letztendlich kamen seine Anspielungen auf Michael Curtiz’ „Casablanca“ und Buster Keatons „Cameraman“ beim Publikum hervorragend an. Auch Ryan O’Neal (zwei Jahre zuvor mit Arthur Hillers „Love Story“ bekannt geworden), der den jungen Wissenschaftler wunderbar ironisch spielt, hatte großen Erfolg. In „Is’ was, Doc“ macht er sich sogar über Barbara Streisands Nase lustig. Übrigens hatte er mit ihr kurz darauf eine in den Medien stark beachtete, aber sehr kurzlebige Affäre. Der Warner Bros. Machte Bogdanovich sein Filmprojekt mit dem Verweis auf die darin vorkommenden Anleihen an vergangene Kassenschlager schmackhaft. Angesichts vieler Kritiken und Fehldeutungen bekannte er jedoch später: „Dass ich ‚Bringing up Baby’ als meine Inspirationsquelle angegeben habe, war ein Fehler! Man darf den Journalisten niemals selbst Munition liefern. Es wäre besser gewesen, ich hätte gänzlich geschwiegen oder einfach behauptet, ich wolle eine Hommage an einen anderen, völlig unterschiedlichen Film drehen. Dann hätte niemand die beiden Filme miteinander verglichen!“

Vom Erfolg von „Is’ was, Doc?“ bestärkt, konnte er dann befriedigt zu seiner Entscheidung stehen: „Ich weiß nicht, ob es eine Pflicht ist, aber ich glaube, wir schulden unseren Vorgängern alle etwas. Film ist Kunst, und für mich war die Kunst immer eine Art Staffellauf. Eine Zeitlang hat man den Stab in der Hand, dann gibt man ihn weiter. Nur wer wenig zu sagen hat, umgibt seine Arbeit mit einem Geheimnis.“ „Is’ was, Doc?“ ist eine großzügige Stilmischung aus antiquierter Komik, burleskem Chaos und Selbstironie.

Im Interview mit dem „Cahiers du Cinéma“ sagte Bogdanovich 1982: „Alle suchen in dem Film Hommagen, aber niemand sieht ihn sich richtig an. In einigen Fällen berufe ich mich natürlich auf die Meister, in anderen drehe ich einfach meinen Film. Wenn er gut funktioniert, kommt es überhaupt nicht auf seine Machart an.“ 1979 spielten Barbara Streisand, das kleine Biest von Brooklyn, und Ryan O’Neal, der nette amerikanische Verlobte, wieder zusammen, und zwar in „Was, du willst nicht?“, der Abenteuergeschichte eines Boxers, der eine Frau als Trainerin engagiert.

Julien Welter


Verwendet Literatur:

  • „Bogdanovich's picture shows“ von Thomas J. Harris (Scarecrow Press, 1990)
  • Les Cahiers du Cinéma (Oktober 1982)

Is' was, Doc ?
Donnerstag 13. August 2009 um 15.15 Uhr
Keine Wiederholungen
(Usa, 1972, 89mn)
NDR

Erstellt: 24-07-09
Letzte Änderung: 28-07-09