Auf der kleinen Insel Hrísey im Norden Islands lebt Árni Tryggvason. Mit seinen 82 Jahren ist er der älteste Einwohner. Das Fischen ist seine große Leidenschaft und auch im hohen Alter kann er davon nicht lassen. Erst in letzter Zeit geht er es gemütlicher an – er steht nicht mehr bei nachtschlafender Zeit auf; ihm genügt es, wenn er ein paar Stunden auf See ist. Seine Fanggründe liegen unmittelbar vor der Insel im Eyjafjörður, was soviel wie „Inselfjord“ bedeutet. Dort gibt es in großen Mengen Schellfisch, Heilbutt und Kabeljau. Árni kennt die Stellen, an denen er fast immer etwas fängt.Das Leben auf diesem Vorposten Europas im Nordmeer, dieser Insel mit ihrer atemberaubenden Natur, wird vor allem von den harten Klimabedingungen nördlich des Polarkreises bestimmt. Die trüben November- und frostigen Januartage unserer Breiten sind nur ein schwacher Vorgeschmack auf die Kälte des isländischen Winters und die dunklen Tage, an denen die Sonne den Horizont nur berührt.
So unwirklich sich das Leben der Menschen in den kurzen Sommern und den langen polaren Wintern abspielt, so außergewöhnlich sind auch die kulinarischen Vorlieben der Isländer. Am Rand von Europa ist ein eigenwilliger Garten Eden entstanden, in dem keine Ströme von Milch und Honig fließen. Nicht süße Früchte sind es, die einem in den Mund wachsen, sondern eher Genüsse, die dem Westeuropäer sehr, sehr fremd erscheinen. Denn wo gibt es das schon, dass gesäuerte Widderhoden, ein eingegrabener Hai oder einfaches Fjalla- oder Berggras als Leckereien, und ein ganzer Lammkopf als Snack für zwischendurch gelten? Der „Schwarze Tod“, ein Kartoffelschnaps mit Kümmel, hilft bei der Verdauung all dieser und anderer isländischer Delikatessen.







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