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30/10/2007 - Jazz-Funk-Punk - 28/08/08

James Chance & The Contortions

„Soul Exorcism Redux”


James Chance repräsentiert wie kein anderer Jazzsaxophonist die Musik der 80er Jahre. Sein energetischer Mix aus Jazz, Funk und Punk verstört und fasziniert zugleich.

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Nicht jedem Musiker wird Einlass gewährt, in die heiligen Hallen des Jazz. Diese eigenwillige Türpolitik ist gelegentlich nur schwer nachvollziehbar, wie zum Beispiel bei James Chance. Es ist sehr wahrscheinlich auf seine radikale Punkattitüde zurückzuführen, weshalb er weder von Jazzanhängern akzeptiert, noch in Jazzpublikationen erwähnt wird. Dabei hat Chance Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre Entwicklungen des Jazz’ vorweggenommen, die man später bei Formationen wie The Lounge Lizards oder den Projekten von John Zorn wiederfindet. Denn früh mixt Chance die energetischen Elemente des Jazz, Funk und Punk. Des weiteren ist Chance ein unberechenbares Energiebündel auf der Bühne, der mit Vorliebe das Publikum anpöbelt und damit schon manche Schlägerei provoziert hat. Es ist Chance bizarre Art, mit der er die Distanz zwischen Musiker und Zuhörer zu überwinden, und den Konsumenten aus seiner Passivität herauszureißen versucht. Dass er damit das „traditionelle“ Jazzpublikum verstört, versteht sich von selbst.

Man kann die Musik von Chance an drei musikalischen Koordinaten festmachen. Eine der wichtigsten, ist der Funk von James Brown. Diesen paart er mit dem expressiven Freejazz-Saxophonspiel eines Albert Aylers und der packenden Bühnenpräsenz eines Iggy Pops. Auf „Soul Exorcism Redux”, dem wiederveröffentlichten Rotterdamer Konzertmitschnitt von 1980, sieht man die schweißtreibende Bühnenshow zwar nicht, man kann jedoch die Ekstase des Publikums und von Chance spüren. Maßgeblich daran beteiligt ist seine Band The Contortions, die in Holland unter anderem aus dem Schlagzeuger Richie Harrison bestand, einem Mitglied der legendären Formation Defunkt, sowie Ornette Colemans Bassist Al MacDowell.

Als James Chance Ende der 70er Jahre auf der musikalischen Bildfläche New Yorks erschien, wusste man seinen Musikstil nicht zu benennen. Für ihn und Musiker wie Arto Lindsay und Mark Cunningham wurde deshalb die Bezeichnung „No Wave“ erfunden. Ein nichtssagender Begriff, der Kind seiner Epoche war und deshalb zu Recht nicht überlebt hat. Dass James Chance lediglich seiner Zeit voraus war, und deshalb in der Jazzgeschichte nicht erwähnt wird, ist mehr als tragisch. Wer sich für James Chance und die No-Wave-Musik interessiert, sowie weitere musikalische Stilblüten der Postpunk-Ära, dem sei als Buchtipp „Rip It Up And Start Again“ wärmstens empfohlen.

Matthias Schneider
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James Chance & The Contortions
„Soul Exorcism Redux”
Roir / Cargo Records
www.roir-usa.com

Erstellt: 29-10-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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