Samstag 11. Februar 2012 um 18.20 Uhr - 10/02/12
Japan: Atomstrom? Lieber nicht mehr…
Von Aviva Fried, Christèle Jaime und Akane Saiki – ARTE GEIE / Hikari Films – Frankreich 2012
Nach dem GAU, dem Größten Anzunehmenden Unfall von Fukushima haben die Japaner fast alle ihre Atomkraftwerke abgestellt – 90 Prozent des durch Atomkraft erzeugten Stroms fehlen jetzt - eine große Herausforderung für die Energieversorger, diese Lücke so schnell und umweltverträglich wie möglich wieder zu schließen.
Nur noch fünf von 54 Atomkraftwerken laufen nach der Sicherheitsüberprüfung weiter und die Regierung hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, um jeden Preis Strom zu sparen. In jedem anderen Land hätte es wohl Proteste gegeben, aber nicht in Japan: Das Gemeinwohl steht hier über dem Einzelnen und deshalb befolgen alle Japaner diesen Aufruf ohne Murren und mit äußerster Effektivität.
Die großen Städte haben die Straßenbeleuchtung auf sein Minimum reduziert, auch die Beleuchtung in der U-Bahn, die Rolltreppen und die Aufzüge. Die Familien, zum Beispiel die Familie Hitome, schalten ihr Licht nur ein, wenn es unbedingt nötig ist, ihre Heizung ist trotz des Winters auf 18 Grad runtergedreht.
Leben ohne Atomkraft scheint also doch möglich, obwohl die Regierung und die Energieversorger jahrelang das genaue Gegenteil gepredigt haben. Gegner wurden zum Schweigen verdammt : Etwa Professor Hiroaiki Koide von der Universität in Kyoto – richtiger Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Denn trotz aller seiner Kenntnisse und Forschungen erhielt er in 40 Jahren niemals den Professorentitel. Seine Ansichten über die Atomkraft störten zuviele Leute. Er warnte zu eindringlich vor den Risiken der Atomkraft und forderte seit Jahren offen und vehement den Ausstieg.
Für Japan als Volkswirtschaft in der Finanzkrise aber ist es dringend erforderlich, eine Lösung zu finden. Schließlich steht auch die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt auf dem Spiel. Solarstrom und Windenergie wären eine Möglichkeit, sind aber teuer. Schneller und kostengünstiger wären Gaskraftwerke, aber die sind erstens klimaschädlicher als Atomkraftwerke und zweitens müsste Japan das Gas importieren, weil das Land über keine eigenen Gasreserven verfügt. Und das würde die Wirtschaft in eine neue Abhängigkeit stürzen, zum Beispiel von Gaslieferungen aus Russland.
So untersuchen sie jetzt die Geothermie – Japan hat viele heiße Quellen und produziert bereits in 18 Geothermischen Kraftwerken Strom. Nach den USA und Indonesien verfügt Japan über die meisten geothermischen Quellen: Damit könnte man umweltfreundlich den Strom von 20 Atomkraftwerken erzeugen.
ARTE Reportage
Freitag 17. Februar 2012 um 10.40 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2012, 52mn)
ARTE
Erstellt: 10-02-12
Letzte Änderung: 10-02-12