Interview mit dem mexikanischen Regisseur Carlos Reygadas
(Interview auf Französisch)
Teil 1Teil 2
Teil 3
Interview: Franck Garbarz
Japan
von Carlos Reygadas
(MEX/E - 2002
Mit Alejandro Ferretis, Magdalena Flores und Yolanda Villa
Ein Mann will sterben. Er verlässt die mexikanische Stadt, in der er lebt, und bricht in ein von der Zivilisation weitgehend abgeschnittenes Tal auf, um sich dort auf seinen Selbstmord vorzubereiten. Er kommt bei der alten, einfachen Witwe Ascen unter, die ihm fernab vom nächsten Dorf ein Zimmer vermietet. Distanziert beobachtet er das Dorfleben, während er sich seinen Erinnerungen hingibt. Doch nach ein paar Tagen in der unwirtlichen Einöde holt ihn - ganz anders als vorgesehen - mit einem Mal das Leben wieder ein: Seine Wirtin Ascen, die trotz ihrer Einfachheit die Einzige ist, die sich für sein Leben interessiert, wird von ihrem Neffen bedroht. Dieser will Teile ihres Hauses Stein für Stein abtragen, um sich selbst ein Domizil zu bauen. Die Nachgiebigkeit und Sanftmut, mit der Ascen auf die Unverschämtheit ihres Neffen reagiert, verstören den Mann - und bewirken seine langsame Rückkehr ins Leben. Doch bevor dies endgültig geschehen kann, stellt er seinerseits Ascens Sanftmut auf eine unerwartete Probe.
"Japan" ist der erste Spielfilm des mexikanischen Regisseurs Carlos Reygadas. Mit einem minimalen Budget und Laiendarstellern gedreht, schöpft der Film seine Kraft aus der poetischen Vision des Regisseurs und den spektakulär in Szene gesetzten Landschaftspanoramen. Die in langen Fahrten und langsamen Schwenks fotografierte Natur ist dabei mehr als nur ein Hintergrund. Wie in den Filmen seines Vorbilds Andrej Tarkowskij dienen Reygadas die Landschaftsaufnahmen zur Darstellung von Seelenräumen: Triste, großstädtische Ausfallstraßen, ein abgeschiedenes, dürres Tal, verkarsteten Berglandschaften werden wie mentale Bilder behandelt, die Emotionen und seelische Zustände evozieren, ohne sich auf eine eindeutige Metaphernsprache festlegen zu lassen. So bleibt auch der Titel des Films, "Japan", letztlich rätselhaft und wirkt, indem er die Vorstellung unerreichter Ferne und exotischer Fremdartigkeit evoziert, statt einen konkreten Bezug auf die Geschichte darzustellen. Reygadas, der als Quereinsteiger zur Filmarbeit kam, nachdem er zunächst als Jurist unter anderem für die Vereinten Nationen gearbeitet hatte, erklärt selbst, dass für ihn beim Filmemachen weniger das Geschichtenerzählen als vielmehr das Schaffen von Emotionen und Erfahrungsräumen im Vordergrund steht. Die Pole, zwischen denen er das Drama "Japan" entrollt, hält er dabei so allgemein und archaisch wie möglich: Eros und Thanatos, Liebe und Tod. Klar gewählte, präzise Bilder und das charakteristische Spiel gut gewählter Laiendarsteller sorgen allerdings dafür, dass der Film sich nie in einem allegorischen Rahmen verliert, sondern immer an die Realität gebunden bleibt. Auf ARTE läuft "Japan" innerhalb einer Reihe, die ARTE zeitgleich zum diesjährigen Filmfestivals von Cannes sendet. Im weiteren Verlauf des Zyklus werden unter anderem am 25.05.2005 um 20.40 Uhr "Zu schön für Dich" von Bertrand Blier zu sehen sein. "Japan" wurde dort 2002 mit der "Golden Camera Special Mention" ausgezeichnet. Neben zahlreichen weiteren Preisen gewann der Film im selben Jahr den Publikumspreis auf dem Stockholm Film Festival, sowie den Großen Preis und den Preis der Ökumenischen Jury des Bratislava International Film Festival. Carlos Reygadas wurde im Rahmen des Filmfestivals von Thessaloniki und beim Internationalen Filmfestival von Edinburgh für seine Regiearbeit prämiert.






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