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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Un Certain Regard - 21/08/08

Je Veux Voir

Ein Film von Joana Hadjithomas & Khalil Joreige


Wie kann das Kino helfen, Bilder und Geschichten der Hoffnung für ein vom Krieg gezeichnetes Land zu finden, die einer ganzen Generation traumatisierter junger Lebanesen verloren gegangen sind? Diese Frage steht im Zentrum eines dokumentarischen Kino-Abenteuers der beiden libanesischen Regisseure Joana Hadjithomas und Khalil Joreige.

Synopsis: In Beirut trifft Schauspielikone Catherine Deneuve ihren dort äußerst populären Kollegen Rabih Mroué, um mit ihm zu einer Reise mit ungewissem Ausgang aufzubrechen. Mit Leibwächter und Filmcrew im Tross fahren sie in den Südlibanon, wo der Kreig am schlimmsten gewütet hat.

Kritik: Der zweite Libanonkrieg 2006 hat, obwohl nur einen Monat lang, große materielle und psychische Verwüstungen hinterlassen und die Gräben zwischen den unterschiedlichen Konfessionen und Ethnien vertieft. Die libanesische Regisseurin Joana Hadjithomas und ihr Landsmann Khailil Joreige erlebten den Krieg von Paris aus als ohnmächtige, hilflose Beobachter, kurz bevor sie zu einer Reise in die Heimat aufbrechen wollten. Die Aufbruchsstimmung der letzten eineinhalb Jahrzehnte, die Energie und Hoffnungen einer ganzen Generation schienen mit einem Schlag zerstört. Zugleich waren die spektakulären Fernsehbilder des Krieges so mächtig, dass jede Geschichte, jedes Kinobild dadurch obsolet geworden schienen. So entstand die Idee, eine weltberühmte Ikone des Kinos – Catherine Deneuve – zu bitten, zusammen mit dem libanesischen Schauspieler Rabih Mroué das kriegsversehrte Land zu bereisen, um die Aura des Kinos und seine Emotionen zurückzubringen. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang, schließlich sollten beide Schauspieler unvermittelt aufeinander stoßen. Logistisch war die Reise ohnehin nur in begrenztem Maße planbar.

Auch für den Schauspieler Rabih Mroué, der selbst aus dem südlibanesischen Dorf Bint El Jbeil stammt, welches im Krieg fast völlig zerstört wurde, wird es eine Reise voller Fallstricke. Die Angst vor der physischen Konfrontation mit den Bildern der Zerstörung, die er bisher nur aus dem Fernsehen kennt und dabei gleichzeitig Teil neuer Bilder vom Krieg zu werden, sitzt ihm im Nacken. Beide Schauspieler fremdeln anfangs merklich miteinander, doch dann löst sich die Anspannung. Catherine Deneuve spielt die ihr von Regisseuren zugedachte Rolle und dennoch bleibt sie stets distanzierte Beobachterin, die nicht behauptet, etwas von dem, was sie sieht, zu verstehen und auch nie als Botschafterin einer humanitären Mission auftritt. Ihr Begleiter Mroué bedarf der Seheindrücke seiner Begleiterin genauso wie sie seine Erklärungen, um das Vorgefundene besser verstehen zu können. Am eindrücklichsten sind die riesigen Ruinenberge, die der Krieg hinterlassen hat. Wenn Catherine Deneuve plötzlich zwischen ihnen steht, beginnt sich plötzlich etwas zu vermitteln, was die Fernsehbilder die ganze Zeit lang schuldig geblieben sind – die Geschichte vom ewigen Kreislauf menschlicher Zerstörung, Aufbäumens und Wiederaufbaus.

Martin Rosefeld
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Je Veux Voir
Ein Film von Joana Hadjithomas & Khalil Joreige
(Libanon/Frankreich, 2008, 75’)
mit : Cathérine Deneuve, Rabih Mroué
Un Certain Regard

Erstellt: 16-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08