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Im Gespräch mit.... - 11/09/07

Jean-Claude Brialy - in seiner letzten große Rolle als Max Jacob

Während der Dreharbeiten zu Gabriel Aghions Film im Sommer 2006 wurde Jean-Claude Brialy in Paris vom Journalisten François-Pier Pelinard-Lambert interviewt. Er war ganz erfüllt von der Rolle des Dichters Max Jacob, die die anderen Seiten seiner schauspielerischen Begabung zur Geltung brachte.

Jérôme Clément, Präsident ARTE France über Max und Jean-Claude
Anlässlich des Todes des Schauspielers Jean-Claude Brialy zeigt ARTE am 14. September den 2006 gedrehten Fernsehfilm „Monsieur Max“. Der Film schildert das Leben des Dichters Max Jacob, der der Künstlerbohème im Pariser Viertel Montmartre angehörte und trotz seiner subtilen Begabung im Schatten der großen Namen stand.
Jean-Claude Brialys Leben weist durchaus Parallelen mit dem des sympathischen Enfant Terrible von Montmartre auf: Brialy, in einem strengen Elternhaus aufgewachsen, fühlte sich schon früh zur Kunst hingezogen und entschied sich für das unstete Schauspielerleben. Er drehte mit den großen Regisseuren des 20. Jahrhunderts, darunter Renoir, Chabrol, Godard und Rohmer.
Einfühlsam und genau interpretiert Brialy die Rolle des facettenreichen Künstlers Jacob, der sich außerhalb der Norm bewegte und schließlich Opfer der Nazibarbarei und des Vichy-Regimes wurde.
Mit Gabriel Aghions Film will ARTE beide Persönlichkeiten würdigen. Er ist zugleich eine Hommage an das herausragende Schauspielertalent Jean-Claude Brialy, der hier in seiner letzten Hauptrolle zu sehen ist.
Jérôme Clément

Interview mit Jean-Claude Brialy:

Wie würden Sie den Film beschreiben?
Er ist keine Biographie im engeren Sinne, sondern eher eine poetische Betrachtung des verkannten Dichters.


Waren Sie nicht überrascht, als man Ihnen die Rolle anbot?
Es stimmt, Max Jacob war klein und gedrungen … was ja weniger mein Fall ist [Lächeln]. Aber ich habe mir einen Bürstenschnitt verpassen lassen, um ihm zu ähneln. Ich mag Gabriel Aghion sehr und freue mich, unter seiner Regie zu arbeiten. Er inszeniert diese anrührende, aber nicht aussichtslose Geschichte mit großer Eleganz.


Welche Bedeutung hat Max Jacob für Sie?
Er lebte in der faszinierenden Zeit der Zwanziger bis Vierziger Jahre. Er hat Momente großer Armut gekannt, aber seine Gedichte entstanden aus einem tiefen Glauben heraus und oft auch unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol. Exzesse waren für ihn lebensnotwendig. Er musste sich am Rande der Norm bewegen – so lebte er auch seine Sexualität.


Hatten Sie schon von ihm gehört?
Ich hatte ab und zu mit Picasso zu tun und war eng mit Cocteau und Jean Marais bekannt. Sie erzählten oft von Jacob. Er soll ein Genießer gewesen sein, konnte aber auch beinhart sein. Fast alle, die ihm ursprünglich nahestanden, ließen ihn im Stich.


Ist Max Jacobs Schicksal für Sie eine zeitgenössische Thematik?
Einsamkeit und Verlassenheit sind zeitlose Themen. Jacobs Schicksal erinnert mich an das des Startänzers Jacques Chazot. Der hatte ständig Heerscharen von Freunden um sich, er war großzügig und mondän. Doch als er schwer krank wurde, blieb nur noch eine Handvoll Freunde übrig.


Es wird die Zuschauer überraschen, Sie in einer so düsteren Rolle zu sehen.
Man legt mich zu oft auf bestimmte Rollen fest. Ich bin sozusagen der Rolls Royce, ein blitzendes Vorführmodell, mondän, geistreich, sarkastisch und schlagfertig. Das geht mir mit der Zeit auf die Nerven. Meine dramatischen Qualitäten haben eigentlich nur die italienischen Filmemacher richtig erkannt. Es stimmt, auch Rohmer, Techiné und Chereau haben mich in solchen Rollen eingesetzt. Aber ich hätte gern mit Regisseuren wie Visconti oder Bergman gedreht.


Warum sieht man Sie so selten im Fernsehen und im Kino?
Ich habe zwei Jahre lang nicht gedreht und viele minderwertige Angebote abgelehnt. Anspruchsvolle, poetische Drehbücher wie dieses, die zugleich alle Menschen ansprechen, sind selten – und im Fernsehen eine Ausnahme.

Das Interview führt François-Pier Pelinard-Lambert


Austrahlung auf ARTE am Freitag, den 14. September 2007 um 20.40 Uhr

Erstellt: 06-09-07
Letzte Änderung: 11-09-07