1986 war Jean-Paul Lilienfeld mit Regisseur Gérard Krawczyk am Drehbuch zu dessen Film „L’été en pente douce“ beteiligt. 1987 schrieb Jean-Paul Lilienfeld mit Patrick Braoudé das Buch zu Serge Meynards Film „Die Beduinen von Paris“ („L’oeil au beur(re) noir“), der den César für das beste Erstlingswerk erhielt. 1995 erzählte Jean-Paul Lilienfeld eine moderne Fabel über die In-vitro-Fertilisation in seinem Film „Baby Deal“ („XY“), mit Patrick Braoudé und Clémentine Célarié. 1997 drehte er „Quatre garçons pleins d‘avenir“ und 2001 „HS – hors service“.
„Heute trage ich Rock“ ist ein provokanter Film, der sich tabulos mit den Spannungen in einer Vorstadtschule auseinandersetzt. Ein Gespräch mit dem Regisseur.
Wie ist das Filmprojekt „Heute trage ich Rock“ entstanden?
Während der Vorstadtkrawalle Ende 2005 hörte ich im Fernsehen Mütter sagen, sie könnten ihre wutentbrannten Söhne nicht davon abhalten, auf die Straße zu gehen. Auf einmal fiel mir auf, dass es unter all den jungen Leuten keine Mädchen gab. Wo waren sie? Weshalb waren sie nicht dabei? Ich wuchs im Pariser Vorort Créteil auf und damals waren sowohl Jungs als auch Mädchen an Abenteuern und Streichen beteiligt. Dies wurde mir schlagartig bewusst, und das war der Ausgangspunkt. Ich habe ein wenig nachgeforscht, weniger über Vorstädte, die ich bereits kenne, als vielmehr über Lehrer und ihr Umfeld. Die meisten Lehrkräfte, denen ich begegnet bin, waren sehr entmutigt. Daraufhin habe ich nach einem Weg gesucht, der Komplexität dieser schwierigen Themen auf emotionaler Ebene gerecht zu werden, ohne didaktisch zu sein.
Der Film ist ein Drahtseilakt: Er ist weder ein linker noch ein rechter Film, sondern ein persönliches Werk.
Im Film spiegeln die Ereignisse in der Schule die Außenwelt wider.
Ich wollte zeigen, dass die Probleme an der Schule zwar alle mit dem staatlichen Bildungswesen zu tun haben, dass hier aber nicht die einzige Ursache liegt. Denn letztlich kommen in der abgeschlossenen Welt der Schule auch die Spannungen in den Vorstädten zum Vorschein. Es ging mir darum, einigermaßen realistisch darzustellen, was sich dort abspielt. Der Film ist ein Drahtseilakt: Er ist weder ein linker noch ein rechter Film, sondern ein persönliches Werk. Ich wollte natürlich keine rassistische Botschaft vermitteln, aber ich wollte auch nicht darüber nachdenken, in welche ideologische Schublade man den Film stecken würde. Und er passt in keine Schublade, denn kein Dogma wird der Komplexität dieser Probleme gerecht. Solange man das nicht versteht, wird man die Probleme nicht in Angriff nehmen können.
Wie verliefen die Dreharbeiten?
Wir drehten während der Osterferien in der Garcia-Lorca-Schule in Saint-Denis. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zu der Vorortsiedlung Franc-Moisin, in der die Aufnahmeleitung Kontakte geknüpft hat, und es verlief alles wunderbar. Menschen aus der Vorstadt haben uns geholfen, insbesondere beim Sperren des Verkehrs, wenn die Polizei nicht kommen konnte. Und die jungen Darsteller haben wir ganz unkonventionell in sämtlichen Pariser Vororten gecastet. Die meisten hatten also nicht die geringste Erfahrung. Und sie spielen sehr gut.
Schwebte Ihnen beim Schreiben des Drehbuchs bereits Isabelle Adjani für die Rolle der Sonia vor?
In dieser Phase überhaupt noch nicht. Aber sobald ich an sie dachte, war sie für mich eindeutig die Idealbesetzung. Einen Tag, nachdem sie das Drehbuch erhielt, rief mich Isabelle Adjani an. Ich wusste, was für eine große Schauspielerin sie ist, äußerst feinsinnig und intelligent. Die Frage war nur, ob sie mit der Art einverstanden sein würde, in der sich der Film mit der Problematik auseinandersetzte. Wenn ja, dann war die Rolle wie für sie geschaffen. Und tatsächlich hatte sie Lust, an dem Projekt mitzuwirken.
Das Gespräch führte Sylvie Bauvillier.







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