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KurzSchluss

"KurzSchluss - Das Magazin" zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews.

> Sendung vom Dienstag 08. Oktober 2002 > Jean Renoir

08/10/02

Jean Renoir

Jean Renoir wird am 15. September 1894 in Paris geboren. Als er Filme, wie « Le brasier ardent » von Iwan Mosjukin und Alexandre Volkoff (1923) oder « Foolish Wives » von Erich von Stroheim (1922), sieht, entschließt er sich, zum Film zu gehen. 1924, mit Hilfe der Erbschaft seines Vaters, macht er sich bei Albert Dieudonné mit der Regiearbeit vertraut: « Catherine ou Une vie sans joie » ist die Geschichte einer jungen Magd, die von ihren Arbeitergebern entlassen wird. Nach einem zweiten Melodrama, « La fille de l’eau », dreht Renoir « Nana », eine Adaption des Romans von Emile Zola. Der Film ist wirtschaftlich ein Mißerfolg und so Renoir wendet sich dem Auftragsfilm zu. Innerhalb von zwei Jahren dreht er fünf dieser Filme, « Sur un air de Charleston », « Marquitta », « Tire-au-flanc », « Le tournoi dans la cité » und « Le bled ». Nach einem drehfreien Jahr, zu einer Zeit als der Film zum Tonfilm übergeht, willigt Jean Renoir sehr schnell – innerhalb einer Woche – ein eine Adaption eines Vaudeville von Feydeau, « On purge Bébé » (1931), die zu einem großen Erfolg wird. Renoir kann sich daraufhin persönlicheren Projekten widmen, wie « Die Hündin » oder « La nuit du carrefour » (mit seinem Bruder Pierre Renoir als Kommissar Maigret), « Chotard et Cie » oder « Boudu sauvé des eaux ».
Der 1934 gedrehte Film « Toni » stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Karriere Jean Renoirs dar. Er beschreibt darin ein Eifersuchtsdrama im italienischen und spanischen Emigrantenmilieu in Südfrankreich. Die Entdeckung der Arbeiterwelt bestimmt die Themenwahl seiner Filme in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. Mit « Le crime de M. Lange » aus dem Jahr 1935 wird Renoir der repräsentativste Filmemacher der herrschenden Geisteshaltung und Denkweise des Front populaire. Er hat eine regelmäßige Rubrik in den linksextremen Zeitungen Ce soir und Ciné-Liberté. 1936 willigt er sogar ein, den Propagandafilm « La vie est à nous » für die kommunistische Partei zu realisieren. Im selben Jahr verfilmt er « Landpartie » von Guy de Maupassant sowie « Nachtasyl » des russischen Dramatikers Maxim Gorki. Bis dahin ist keiner seiner Filme ein rauschender Publikumserfolg. Mit « Die große Illusion » von 1937 gelingt ihm, nach dreizehnjähriger Karriere, endlich der nationale und internationale Durchbruch.

Am Vorabend des zweiten Weltkriegs ändert Renoir seine Richtung und interessiert sich für die Ideologie und die Werte der Aristokratie. 1939 dreht er seine freie Adaption von « Caprices de Marianne », der er den Titel « Spielregel » gibt. Mit diesem Film bestätigt sich Renoir als der modernste Filmemacher der Vorkriegszeit. Der Krieg und die deutsche Besatzung zwingen ihn allerdings ins Exil. Er begibt sich zunächst nach Italien, wo er die Dreharbeiten zu « La Tosca » beginnt – die sein Assistent Carl Koch zu Ende führt – und geht anschließend in die USA. Seine Zeit in Hollywood beginnt der Filmemacher mit « L'étang tragique », ein Film, der größtenteils in den Sumpfgebieten Georgias durchführt. Anschließend muss er zwei Propagandafilme für „La France libre“ drehen, « Vivre libre » und « Salute to France ». Er realisiert danach engagiertere Filme wie « Der Mann aus dem Süden », der das Elend der Bauern in den Südstaaten der USA beschreibt oder « Le Journal d'une femme de chambre ». Nach « La femme sur la plage » aus dem Jahr 1946 dreht er - bis zum in Indien gedrehten « Strom » - vier Jahre lang keinen Film mehr. Danach realisiert er « Die goldene Karosse », nach einer Romanvorlage von Mérimée und « French Cancan », einen Unterhaltungsfilm, der im Montmartreviertel um 1900 spielt. Jean Renoir verfilmt ebenfalls für das französische Fernsehen die berühmte Erzählung von Robert L. Stevenson, « Docteur Jekyll und Mister Hyde », unter dem Titel « Das Testament des Dr. Cordelier » (Ausstrahlung 1961). Im selben Jahr dreht er « Frühstück im Grünen ».

1968 dreht Gisèle Braunberger einen 27-minütigen Kurzfilm, « La direction d'acteur par Jean Renoir », ein kostbares Zeugnis über die Arbeitsmethoden des Filmemachers. Nach 38 Filmen widmet sich Renoir seinen Memoiren und drei Romanen, die zwischen 1966 und 1979 veröffentlicht werden (« Les cahiers du Capitaine Georges », « Le cœur à l'aise » und « Le crime de l'Anglais »). 1969 dreht er noch « Le petit théâtre de Jean Renoir », eine lose Folge von drei Sketchen und einem Chanson von Jeanne Moreau. Jean Renoir stirbt 1979 im Alter von 85 Jahren in Beverly Hills.

Quelle


Weitere Infos


FILMOGRAPHIE


· 1924
Catherine ou Une vie sans joie (1800 m)


La fille de l’eau (70 min)

· 1926
Nana (2700 m)


Charleston ou Sur un air de Charleston (29 min)

· 1927
Marquitta (2200 m)

La p’tite Lili (300 m)

· 1928
Die kleine Streichholzverkäuferin (zusammen mit Jean Tedesco) (29 min)

· 1929
Tire au flanc (2200 m)

Le tournoi ou Le tournoi dans la cité (2000 m)

Le bled (2400 m)


Le petit chaperon rouge

· 1930
La chasse à la fortune

· 1929
Tire au flanc (2200 m)

Le tournoi ou Le tournoi dans la cité (2000 m)


Le bled (2400 m)


Le petit chaperon rouge

· 1930
La chasse à la fortune

· 1931
On purge bébé (1700 m)


Die Hündin (100 min)


· 1932
La nuit du carrefour (2000 m)


Chotard et Cie (80 min)

Boudu sauvé des eaux (83 min)

· 1933
Madame Bovary (210 min)

· 1934
Toni (100 min)

· 1935
Le crime de Monsieur Lange (2200 m)

· 1936
La vie est à nous (66 min)


Landpartie (1232 m)

Maupassants Novelle in französicher Sprache zum Herunterladen

Les bas-fonds- Nachtasyl (90 min)

· 1937
Die große Illusion (3542 m)

Terre d’Espagne (Kommentar geschrieben und gesprochen von Jean Renoir) (1500 m)

La Marseillaise (135 min)

· 1938
Bestie Mensch (105 min)

· 1939
Die Spielregel (112 min)

· 1940
La Tosca (5 Aufnahmen von Jean Renoir) (2500 m)

· 1941
Swamp Water (86 min)

· 1943
This Land is Mine (2847 m)

· 1944
Salute to France (35 min)

· 1945
The Southerner (Der Mann aus dem Süden) (92 min)

· 1946
The Diairy of a Chambermaid (82 min)

The Women on the Beach (71 min)

· 1950
The River (Der Strom) (99 min)

· 1952
Die goldene Karosse (100 min)

· 1954
French Cancan (97 min)

· 1956
Elena et les hommes (95 min)

L’album de famille de Jean Renoir (711 m)

· 1959
Das Testament des Dr. Cordelier (95 min)


Frühstück im Grünen (93 min)

· 1962
Le caporal épinglé (105 min)

· 1968
La direction d’acteur par Jean Renoir (27 min)

· 1969
Licorice Store (Darsteller)


Le petit théâtre par Jean Renoir (Sketchfilm)

WEITERE INFOS


« Jean Renoir à Hollywood ou la recherche américaine d'une image française » von Roger Viry-Babel

« La règle du jeu ou : de la représentation » von Simone de Beauvoir in der Nummer 477 der Temps Modernes (avril 1986) veröffentlichter Text

Lektüre in französischer Sprache

Jean Renoir, Écrits 1926-1971, Éd. Belfond, 1974
Jean Renoir, Ma vie et mes films, Éd. Flammarion, 1974
Jean Renoir, Entretiens et propos, Éd. Cahiers du cinéma, 1979
André Bazin, Jean Renoir, Ed. Champ libre, 1971
Jean Renoir, Correspondance 1913-1978, Éd. Plon, 1998
Claude Gauteur, Jean Renoir, la double méprise, Éditeurs français réunis, 1980

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 08-10-02