Ein Superhero ist Sabri Kanj in Jenny Silers fulminanten Politthriller „Portugiesische Eröffnung“ nicht. Und doch wird der Mann, der in ein Höhlengefängnis irgendwo in der libanesischen Wüste geworfen wird, aller Folter zum Trotz nichts verraten. Sabri Kanj ist bereit zu sterben, aber vorher will er einen Amerikaner sprechen. Er hält durch, bis eine scheinbar ganz andere Geschichte an ihr Ende kommt, und so hat man diesen Gefangenen fast schon vergessen, als die Zusammenhänge deutlich werden.

Aus dem Amerikanischen von Susanne Goga-Klinkenber
Fischer, TB, 268 S., 7,95 €

Nicole Blake ist die klassische Amateurin mit Fähigkeiten, die eine Spionagegeschichte würzt. Noch schwelgt sie im regennass winterlichen Lissabon in Erinnerungen an die Zeiten vergangener Liebe, da wird der gerade gefundene Geliebte vor ihren Augen erschossen. Sie flieht, mit einer gefälschten Versandrechnung über Stahlkabel aus Transnistrien und einer jungen Portugiesin. Als Zeuginnen sind sie in Lebensgefahr.
Falsche Identitäten, gefälschte Dokumente, das Leben ein Trug – Siler mischt die Elemente der Spy Novel mit Finesse. Werden die beiden in Washington bereits zu Kollateralschäden deklarierten Frauen dem auf sie angesetzten Attentäter entkommen? Können sie die Informationen gewinnen, die ihnen das Überleben für den nächsten Moment sichern? Trickreich und in einer von aller Emotion skelettierten Sprache verwickelt Siler die Spannungsmomente von Flucht, Verfolgung und Geheimnissicherung mit der Vorgeschichte, in der die persönliche Schicksale der Protagonisten - ohne Nicoles Wissen – längst verknüpft sind. Siler führt zurück an einen Wendepunkt amerikanischer Nahostpolitik: 1983 wurde die amerikanische Botschaft in Beirut von arabischen Terroristen in die Luft gesprengt, unter den Opfern waren alle Nahost-Residenten der CIA – mit einer Ausnahme. Von dieser Tatsache her entwickelt Siler ihre Was-wäre-wenn-Intrige und verknüpft sie mit den Geheimdienstoperationen im Vorfeld des Irakkriegs. Und hier ist auch das Geheimnis verborgen, das den Einsatz des Lebens lohnt. Siler klagt nicht an. Mit traumhafter Lakonie schreibt sie Amblers Tradition fort.
Tobias Gohlis/Die Zeit







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