05/11/08
Jeremy Rifkin (USA)
Jeremy Rifkins Europäischer Traum
Schon vor Erscheinen des jüngsten Werks des amerikanischen Publizisten und Politikberaters Jeremy Rifkin in Deutschland, Spanien und Frankreich wurden seine Theorien über den Europäischen Traum in den einschlägigen Kreisen in Brüssel und andernorts in Europa heftig diskutiert. Allein der Titel „Der Europäische Traum – Die Vision einer leisen Supermacht“ beflügelt die Fantasie. „Der Europäische Traum“ ist nicht das erste Werk Jeremy Rifkins, das für Aufsehen sorgt. Vor zehn Jahren erzielte „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ eine ähnliche Wirkung. Darin zeigt Rifkin auf, wie im Zuge einer dritten industriellen Revolution Arbeitnehmer durch Maschinen und Computer ersetzt werden. In seinen Essays schreibt er über die Auswirkungen des wissenschaftlichen und technischen Wandels auf Arbeitswelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.
Jeremy Rifkin wurde 1943 in Denver (US-Bundesstat Colorado) geboren. Er absolvierte die renommierte Wharton School der Universität von Pennsylvania, an der er heute unterrichtet. Er war Berater mehrerer Regierungschefs (u. a. von Bill Clinton) und berät diverse Regierungen, politische Parteien und große europäische Wirtschaftsunternehmen. Dem ehemaligen Kommissionspräsidenten Romano Prodi diente er während dessen Amtszeit (1999-2004) ebenfalls als Berater. Rifkin ist Vorsitzender der von ihm 1977 gegründeten Foundation on Economic Trends (FOET).
„Der Europäische Traum“ erschien in der englischen Originalfassung im August 2004, kurz nachdem sich die europäischen Staats- und Regierungschefs auf den Entwurf eines europäischen Verfassungsvertrags geeinigt hatten. In Frankreich kam das Werk Ende März 2005 auf den Markt, wenige Wochen vor dem Referendum zum europäischen Verfassungsentwurf am 29. Mai, den die Franzosen mehrheitlich ablehnten. Rifkins Vision von Europa steht im krassen Widerspruch zur wachsenden Euroskepsis, die man insbesondere im Vorfeld der Volksbefragungen in Frankreich und den Niederlanden beobachten konnte. Für manche sind Rifkins Thesen zukunftsweisend, für andere handelt es sich um reine Science Fiction. Dennoch ist es ausgesprochen ungewöhnlich, dass ein im Geiste des „American Dream“ aufgewachsener US-Bürger (der diesen Traum nach eigenen Aussagen verinnerlicht hat) Europa das Potenzial zugesteht, den der Ernüchterung weichenden „amerikanischen Traum“ durch einen „europäischen Traum“ zu ersetzen. Unbedingt lesenswert!
Die Autoren
- Andruchowytsch, Juri (Ukraine)
- Ben Jelloun, Tahar (Frankreich)
- Delmas-Marty, Mireille (Frankreich)
- Eco, Umberto (Italien)
- Gelassimow, Andrej (Russland)
- Globalisierungskritiker, die
- Grass, Günter (Deutschland)
- Habermas, Jürgen (Deutschland)
- Jeremy Rifkin (USA)
- Laidi, Zaki (Frankreich)
- Malley, Robert (USA)
- Michnik, Adam (Polen)
- Nyssen, Hubert (Frankreich)
- Pleşu, Andrei (Rumänien)
- Rocard, Michel (Frankreich)
- Savater, Fernando (Spanien)
- Sontag, Susan (USA)
- Zizek, Slavoj (Slowenien)
- Zourabichvili, Salomé (Georgien)
„Man könnte viele Gründe ausmachen, warum die Europäer auf dem Weg in die neue Zeit die Führung übernommen haben. Aus all den möglichen Erklärungen ragt aber eine heraus: Der hochgeschätzte Amerikanische Traum selbst, das Ideal, um das uns einst die Welt beneidete, hat Amerika in seine gegenwärtige Sackgasse geführt. Ihm zufolge hat jeder Einzelne unbegrenzte Möglichkeiten, sein Glück zu machen, was nach amerikanischer Lesart im Allgemeinen mit reich zu werden gleichzusetzen ist. Der Amerikanische Traum konzentriert sich viel zu sehr auf das persönliche materielle Vorankommen und zu wenig auf das allgemeine menschliche Wohlergehen, um für eine Welt zunehmender Risiken, Vielfalt und wechselseitiger Abhängigkeit von Bedeutung zu sein. Es ist ein alter Traum, vom Pioniergeist geprägt, aber seit langem passé. Während der amerikanische Geist rückwärts gewandt erlahmt, erleben wir die Geburt eines neuen Europäischen Traums. Dieser Traum passt besser zum nächsten Schritt der menschlichen Entwicklung - er verspricht in einer zunehmend vernetzten und globalisierten Welt der Menschheit zu globalem Bewusstsein zu verhelfen.Der Europäische Traum stellt Gemeinschaftsbeziehungen über individuelle Autonomie, kulturelle Vielfalt über Assimilation, Lebensqualität über die Anhäufung von Reichtum, nachhaltige Entwicklung über unbegrenztes materielles Wachstum, spielerische Entfaltung über ständige Plackerei, universelle Menschenrechte und die Rechte der Natur über Eigentumsrechte und globale Zusammenarbeit über einseitige Machtausübung.“
Jeremy Rifkin
Der Europäische Traum
Die Vision einer leisen Supermacht
2004, Campus Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3593374315
Erstellt: 20-06-06
Letzte Änderung: 05-11-08