Jerusalem - 26/03/09
Jerusalem - Eine Stadt, drei Welten
Nidal ist Araberin. Mikhal ist israelische Jüdin. Zwei Touristenführerinnen auf ihren Touren durch Jerusalem.
Die Spezialistinnen für die dreifach heilige Stadt führen tagtäglich Reisende aus aller Herren Länder und
aller Religionen durch die Straßen zwischen Heiligem Grab, Tempelberg und Klagemauer. Je nachdem,
ob es sich um eine Gruppe Christen, Juden oder Moslems handelt, fallen ihre Erläuterungen bei den
Besichtigungen etwas anders aus. In den wechselnden Kommentaren klingen Ängste und Hoffnungen
über die Lage ihrer Stadt durch, für die keine Politik eine Lösung zu haben scheint.
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Die Mittdreißigerin Nidal ist Araberin, geboren in Haifa und immer schon für die palästinensische Sache eingetreten. Als israelische Staatsbürgerin war sie von Kindesbeinen an gezwungen, sich der jüdischen Geschichte, den jüdischen Traditionen, dem Zionismus zu fügen. Heute fordert sie ihr Recht auf eine palästinensische Identität ein - bestimmt, aber nicht militant. Nidal arbeitet als Fremdenführerin in Jerusalem. Als Spezialistin für die dreifach heilige Stadt führt sie tagtäglich Touristen aus aller Herren Länder durch die Straßen zwischen Heiligem Grab, Tempelberg und Klagemauer. Ganz diskret gibt sie dabei ihren Standpunkt an interessierte Touristen weiter.
Die Dokumentation begleitet Nidal auf ihrer Tour mit drei Besuchergruppen: Ein Mal sind es amerikanische Juden, ein anderes Mal israelische Araber, wieder ein anderes Mal französische Katholiken. Dreimal das gleiche Besichtigungsprogramm mit fast identischen Erläuterungen, wenngleich auch jedes Mal mit anderen Nuancen erzählt.
Auch Mikhal führt Touristen durch Jerusalems Altstadt. Sie ist israelische Jüdin und stolz, Zionistin zu sein. Die Dokumentation begleitet sie ebenfalls mit drei Gruppen - Christen, Juden und Moslems - bei ihren Stadtführungen. Und auch Mikhal erzählt ihre Geschichten immer etwas anders, je nachdem, wer ihre Zuhörer sind.
Bei den Besuchen des armenischen Viertels und der Gassen des jüdischen Viertels, entlang der Klagemauer, durch das Dungtor und die Suqs in Richtung Tempelberg, auf der Via Dolorosa mitten durch das arabische Viertel und anschließend wieder hinunter zum Heiligen Grab im christlichen Viertel sieht der Zuschauer Jerusalem mal aus der arabischen, mal aus der jüdischen Perspektive, je nach Stadtführerin. Aus ihren unterschiedlichen Kommentaren lässt sich heraushören, wo schon seit vielen Jahren der Schuh drückt im Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.
Jerusalem ist keine Stadt wie jede andere, auch der Tourismus dort ist überwiegend religiös motiviert. Man ist empfindlich und dünnhäutig überall dort, wo Moslems, Juden und Christen miteinander in Berührung kommen. Aber über alle Spannungen und Dispute hinweg setzen die beiden Stadtführerinnen auch auf eine kräftige Dosis Humor in ihrem Bemühen, die von ihnen betreuten Besuchergruppen nicht nur für die Stadt, sondern auch für die jeweilige Vorstellung, die sie beide von ihr haben, einzunehmen. Es ist ein gelegentlich bitterer Humor, aber auch immer einer, der die Spannungen zu mildern versucht, die in einer Stadt, die unter permanenter Überwachung steht, ständig zu spüren sind.
Außer von den beiden Stadtführerinnen und ihren Besuchergruppen erzählt die Dokumentation auch von denjenigen, die in der Altstadt Jerusalems leben und arbeiten. In ihren Läden, ihren Häusern, ihren Kapellen, Moscheen, Synagogen, in ihren Uniformen - alle mit ihrer eigenen Lebensgeschichte, geprägt von der Historie dieser Stadt mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit.
Jerusalem - Eine Stadt, drei Welten
Dokumentation von Pierre-Henry Salfati
ARTE France, Frankreich 2009, 90 Min.,
Erstausstrahlung
Erstellt: 19-03-09
Letzte Änderung: 26-03-09