Die gute Nachricht: Harry Hole, nah am Suff gebauter Serienkommissar des Norwegers Jo Nesbø, trinkt nicht mehr. Einziger, nun ja, Wermutstropfen: Statt zu bechern, berauscht er sich im Höchstspannungsroman „Leopard“ an Opium, um den Verlust seiner Freundin Rakel zu verwinden. Im Vorgängerroman „Schneemann“ hatte er die Herzdame in Lebensgefahr gebracht – und sich damit um die Krücke seines Lebens. Nun hockt Hole, der einst soff wie ein Loch, in einem Loch in Hongkong und sucht das Vergessen.
Vor völliger Benebelung wird er durch Kollegin Kaja bewahrt, die ihn nach Oslo zurücklotst. Dort soll Hole beim Auffinden eines Serienkillers helfen, der scheinbar wahllos Frauen meuchelt, indem er ihrem Mundraum einen mit Nadeln durchsetzten Gegenstand einspeist. Die Psychopathen-Hatz führt Hole in norwegische Eiswüsten, afrikanische Hitzehöllen – und bis an die Grenzen nicht nur seiner Vorstellungskraft. Denn so existenziell wie in „Leopard“ war die Hauptfigur von Nesbøs Reihe selten betroffen: Rakel sendet kein Lebenszeichen, Holes Vater liegt im Sterben, und der Gegner erweist sich als seinem Häscher ebenbürtig. Bis zum Herzschlag-Finale, in dem bei Nesbø nie ausgemacht ist, ob es happy oder happig ausfällt.
Hendrik Werner/Buchjournal Februar 2010
KrimiWelt-Bestenliste Februar 2010







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