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04.04.2008 - 22.35 / 05.04.08 - 03.00 : Tracks - 02/09/08

Joe Boyd

Es gibt eine Zeit vor und nach dem 25. Juni 1965. Beim New Port Folk Festival in Boston sorgt Bob Dylan für Furore, als er zum ersten Mal „Maggie’s Farm“ auf der E-Gitarre spielt. Für die bis dahin rein akustische Folk-Music bricht eine neue Ära an: die des Rock’n’Roll.

Der Mann, der Bob Dylan an diesem Tag die E-Gitarre einstöpselt, ist ein junger Dandy mit Hut, Joe Boyd. Heute, 43 Jahre später, lüftet der Begründer des Elektro-Sounds in den Sechzigern und Wegbereiter der psychedelischen Musik endlich seine gut gehüteten Geheimnisse: in seiner Autobiographie White Bicycles.

Als Tour-Organisator, Manager, Mitbegründer eines legendären Clubs und Plattenproduzent - unter anderem für das erste Album von Pink Floyd - steht Joe Boyd mitten im Zentrum der psychedelischen Szene.

Anfang der sechziger Jahre gründet er als junger Harvard-Student einen Vertrieb für Jazz- und Blues-Platten - seine große Leidenschaft. Ab 1964 organisiert Joe Konzerte für Miles Davis, Thelonious Monk oder Muddy Waters, wie hier beim Newport Folk Festival.

Mit einer England-Tour an der Seite von Muddy Waters tritt Joe Boyd den britischen Blues-Boom los. Das Arbeitstier produziert außerdem 1973 die Dokumentation über Jimi Hendrix, entdeckt Psychedelic-Größen wie Pink Floyd oder Nico und bringt einige Film-Soundtracks heraus, unter anderem die von Uhrwerk Orange und Deliverance.

1966 schlagen der von Geldnöten geplagte Boyd und sein Zögling Jon Hopkins einem irischen Club vor, an zwei Freitagen im Monat Konzerte zu veranstalten. Die erste Band, die hier auftritt, ist damals eine große Unbekannte: Pink Floyd. Mit einem Mix aus Live-Musik, avantgardistischen Filmprojektionen und Lightshows erfinden sie die Konzertkultur neu. Der britische Psychedelic Rock ist geboren.

Aber Boyd sehnt sich zurück nach seinen Wurzeln und entdeckt die langmähnige Folkrock-Band Fairport Convention. Fairport Convention feiern Anfang der Siebziger große Erfolge in England. Doch erst als Produzent von Nick Drake geht Boyd in die Musikgeschichte ein. Die britische Folk-Legende Drake, von der keinerlei Filmaufnahmen existieren, fasziniert ganze Generationen von Musikern, von Robert Smith bis hin zu Badly Drawn Boy. Der einzige Wermutstropfen: Nick Drakes erstes Album ist ein kommerzieller Flop.

Boyd ist ruiniert, verkauft seine Plattenfirma und kehrt nach Amerika zurück, wo er Hannibal gründet, ein Label, das sich auf Weltmusik spezialisiert. Dabei wendet er die Erfolgsrezepte an, die er in den Sechzigern gelernt hatte.

Joe Boyd: „Es ist so, als ob du auf Reisen gehst. Du liest im Reisespecial einer Zeitschrift, wo es noch authentische Plätze gibt – wie ein Fischerdorf, in dem der Fisch noch genauso zubereitet wird wie vor fünfzig Jahren. Aber wenn du dorthin fährst, stellst du fest, dass die Kinder der Familien, die den Fisch zubereiten, nur darauf warten, dass endlich ein Fast-Food-Laden eröffnet wird. Die Musiker in den Entwicklungsländern träumen meistens davon, Rapper zu sein, sie wollen Drumcomputer und etwas Modernes spielen.
Aber die Leute, die Buena Vista Social Club kaufen, wollen Authentizität, das ganze altmodische Zeug - und keine Drumcomputer. Das schafft eine gewisse Spannung. So ähnlich war es mit den Blues-Sängern. Als die Weißen Blues-Fans wurden, sagten die Schwarzen plötzlich alle: ‚Nein, darüber sind wir hinweg. Wir spielen jetzt Soul und Funk’.“

Links
>> Offizielle Website von Joe Boyd
Maggie's Farm de Bob Dylan au New Port Festival en 1965 (Youtube)


Buch
White Bicycle von Joe Boyd
bei Kunstmann Verlag
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TRACKS
Freitag, den 4. April 2008 um 22.35 Uhr
Wiederholung am 5. April 2008 um 03.00 Uhr
Redaktion: Program33
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Erstellt: 02-04-08
Letzte Änderung: 02-09-08


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